Gmünd/Niederösterreich - Fischotterplage beschäftigt Landtag und Regierung in Niederösterreich.
Fritz und Anna Hofbauer, Teichwirte in Kleinpertholz, sind von der Fischotterplage besonders betroffen, da sie erst vor sieben Jahren von Milchviehhaltung auf Teichwirtschaft umgestiegen sind.
Die Fischotterplage beschäftigt nun sogar den Landtag und die Landesregierung von Niederösterreich: ÖVP, SPÖ und FPÖ haben im Landtag in einem gemeinsamen Antrag die Landesregierung aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass unabhängig von Öpul-Zahlungen an die Teichwirte Fischotterschäden weiterhin im größtmöglichen Umfang abgegolten werden und die Bundesregierung an die EU-Kommission herantreten möge, um den derzeitigen Status des Fischotterbestandes unter besonderer Berücksichtigung der Populationen in den Nachbarstaaten zu überprüfen. Hintergrund dieses etwas sperrig formulierten Antrages ist folgender: Der Fischotter steht EU-weit unter strengem Schutz, der im NÖ Jagdgesetz umgesetzt ist- der Fischotter als ganzjährig streng geschützte Wildart darf weder gejagt, gefangen noch gestört werden. Dies hat dazu geführt, dass derzeit in Niederösterreich mindestens 500 Fischotter ihr Unwesen treiben, zunehmende Vorkommen sind in Oberösterreich, Burgenland und Steiermark zu verzeichnen. Der Fischotter ist ein hochaktiver Jäger und verzehrt nach nächtlicher Jagd bis zu 1 kg Fisch. In seinem "Fressrausch" kann es sein, dass kleine Teiche innerhalb weniger Tage fast zur Gänze leer gefischt sind. Am meisten betroffen sind die Teichwirte im Waldviertel, die Schäden bis zu 15 000 Euro bei rund 8 ha Teichfläche beklagen. Es gibt auch Fälle, wo bei kleinen Teichen ein Besatz von 150 Stück Karpfen erfolgte und amtlich nachgewiesen nicht einmal mehr 30 Stück abgefischt wurden. Ebenso gibt es Beispiele von Forellenteichen, wo überhaupt kein einziger Besatzfisch mehr vorhanden war. Diese Schäden wurden früher über ein so genanntes "Otterkonto" teilweise abgegolten, wobei es für Angelteiche und Fließgewässer überhaupt keine Entschädigung gibt. Die Beweislast für Entschädigungen liegt ausschließlich beim Teichwirt. Von 1984 bis 1990 waren lediglich 30 Schadensfälle zu verzeichnen, also durchschnittlich sechs pro Jahr. Von 1998 bis 2007 waren es hingegen 1400 gemeldete Fälle, also rund 155 jährlich. Die Gesamtschäden im Waldviertel werden auf etwa 1,5 Millionen Euro geschätzt. In den letzten Jahren werden die Entschädigungen ausschließlich aus dem Landesbudget finanziert. Für Teichwirte, die seit 2001 Ausgleichszahlungen über Öpul beantragen, gibt es keine weiteren Entschädigungen mehr. Obwohl diese Öpul-Zahlungen für die Erhaltung der Teiche und den damit verbundenen Lebensraum vorgesehen sind, wird auch hier der Otterschaden mit eingerechnet. Für die betroffenen Teichwirte ist dies völlig unverständlich, da sie mit dieser geringen Ausgleichszahlung in keiner Weise die Otterschäden abgegolten bekommen. Dipl.-Ing. Willibald Hafellner, Obmann des NÖ Teichwirteverbandes, und Geschäftsführer Dipl.-Ing. Herbert Staudigl, sehen diese Situation mit Sorge und verweisen darauf, dass nicht nur kleinere Teiche, sondern in zunehmendem Maße auch größere Fischteiche vom Fischotter befallen werden, weshalb in einigen dieser Teiche die Bewirtschaftung aufgegeben werden musste.
Mit Jahresbeginn 2010 wurde die Beihilfenregelung umgestellt, es wird nunmehr besonderes Gewicht auf die Prävention gelegt, das heißt man unterstützt Maßnahmen, mit denen Schäden durch Fischotter zumindest weitgehend vermieden werden können. Die neue Regelung sieht vor, dass für Teiche mit einer Fläche von 1000 bis 6500 m² die Anschaffung von Elektrozäunen finanziell unterstützt wird. Durch diese Zäune sollen die Otter von den Teichen ferngehalten werden, denn eine finanzielle Abgeltung von Fressschäden gibt es für diese Größenklasse von Fischteichen nicht mehr, sondern nur noch für Teiche mit einer Fläche von mehr als 6500 m². Für Teiche mit einer Fläche von weniger als 1000 m² gibt es dagegen keinerlei Unterstützung mehr. Die zuständige Abteilung der NÖ Landesregierung steht auf dem Standpunkt, dass der Aufwand für den Ankauf von Elektrozäunen zum Schutz dieser kleinen Teiche in einer Größenordnung liegt, die den Teichwirten durchaus zumutbar ist. Dazu Geschäftsführer Herbert Staudigl: "Problematisch ist vor allem der hohe Arbeitsaufwand, der für die einwandfreie Funktion der Elektrozäune notwendig ist. Während der Vegetationsperiode muss der Aufwuchs beim oder unter dem Elektrozaun ständig gemäht werden und im Winter ist es erforderlich, den Elektrozaun ständig vom Schnee frei zu halten. Diese hohe Arbeitsbelastung ist seitens der Teichwirte jedenfalls nicht akzeptabel!" Besonders betroffen von der Fischotterplage sind Frítz und Anna Hofbauer, die in Kleinpertholz im Jahre 2005 von der Milchviehhaltung auf Teichwirtschaft umgestiegen sind und für die Errichtung von Teichen 120 000 Euro investiert haben. "Frische Fische von Fischers Fritz" ist das Motto des florierenden Ab-Hof-Verkaufs, wobei die Gefahr besteht, dass es bald keine frischen Fische mehr gibt, weil die alle der Fischotter gefressen hat. Franz Koller, Land- und Teichwirt in Reitzenschlag im Waldviertel, erklärt, dass in seinem Teich im Vorjahr 600 kg Karpfen vom Fischotter verzehrt wurden, das sind 30 % der im Frühjahr ausgesetzten Fische. Als Landeskammerrat der NÖ Landwirtschaftskammer hat er dieses akute Problem auch in der Vollversammlung zur Sprache gebracht, die in einer Resolution eine ehebaldige Lösung fordert. Der Fischotter wurde als Fischräuber zwischen 1880 und 1950 von Fischern und Jägern im großen Stil verfolgt. Mit der Begründung, dass der Otter als Wassertier wie Fisch zu genießen sei, landete er im 19. Jahrhundert auch als Fastenspeise im Kochtopf. Die Art wurde damals in Mitteleuropa beinahe ausgerottet. Heute ist sie durch das Jagdgesetz geschützt.
Prof. Mag. Gerd Rittenauer