Samstag, 04.02.2012
Vom Untertan zum Unternehmer
München - Als im Jahr 1799 der Kurfürst Max IV. Joseph neuer Regent in Bayern wird, ist die Landwirtschaft an vielen Orten in einem elenden Zustand: Die Böden sind ausgelaugt, das Vieh abgemagert, die Landbevölkerung verarmt und vom Grundherren abhängig.
Vom Untertan zum Unternehmer
Diese Zustände will Max IV. Joseph (der 1806 als Max I. Joseph König von Bayern wird) so schnell wie möglich beseitigen. Zusammen mit seinem Minister Maximilian von Montgelas verordnet er eine Agrarrevolution von oben. Der Plan: Die Bauern sollen künftig nicht mehr einem Grundherren untertan sein, sondern als freie Unternehmer auf eigenem Grund und Boden wirtschaften. Die bislang abhängigen Bauern erhalten die Möglichkeit, ihren Pachthof vom Grundherrn gegen Zahlung einer Entschädigung abzulösen. Prof. Dr. Alois Seidl, Landshut, schildert, wie die Landreform den unternehmerischen Familienbetrieb schuf. Die Verwandlung vom Untertan zum Unternehmer war für den Bauern nicht nur mit Freiheit verbunden, sondern auch mit einer großen Verantwortung: Er war jetzt selbstständig und auf sich allein gestellt. Das Wohl und Wehe seiner Familie und des Hofes hing jetzt ganz wesentlich von seinem Können ab. Die alles überragende Frage war nun: Wie kann ich meinen Betrieb so einrichten, dass er nachhaltig einen möglichst hohen Gewinn abwirft? Die Frage nach der bestmöglichen Gestaltung eines Hofes beschäftigte nicht nur die Bauern, sondern auch Lehrer und Forscher, die Schritt für Schritt die wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen Aufwand und Ertrag durchleuchteten und die Beziehungen zwischen Betrieb und Markt untersuchten. Dabei wurden grundlegende ökonomische Gesetzmäßigkeiten entdeckt, die teilweise ineinander wirken und von zeitloser Gültigkeit sind. Einen ausführlichen Rückblick auf 200 Jahre Betriebsführung lesen Sie in der Wochenblattausgabe Nr. 36.
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