Gestiegene Energiepreise, intransparente Telefon- und Handytarife, Mahnungen: Das sind wenige Beispiele für eine Fülle von Ärgernissen, mit denen Verbraucher konfrontiert werden. Oft bringen sie auch rechtliche Probleme mit sich. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hilft und klärt auf. Mit der morgendlichen Post liegt eine Mitteilung im Briefkasten: „Sie haben gewonnen!“ steht darin.
Die Verbraucherzentrale bietet den Konsumenten eine kostengünstige Rechtsberatung an. Foto: fotolia
Zuvor wäre noch eine kostspielige Rufnummer anzuwählen. Wer darauf eingeht erhält statt des angeblichen Gewinns meist nur eine hohe Telefonrechnung. Auch einige Anbieter von Waren und Dienstleistungen setzen auf die Unwissenheit und Leichtgläubigkeit der Verbraucher. Senioren werden an der Haustür neue Telefonverträge verkauft oder das kostenlose Versenden von SMS via Internet entpuppt sich als Kostenfalle.
Anbieter vergleichen
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hilft den Konsumenten bei der Orientierung am Markt und bietet eine rechtliche Beratung an; bei rechtlich komplizierten Fällen wirken fachkundige Anwälte mit. Daneben hält sie eine Vielzahl von Ratgebern und Musterbriefen bereit. Sie zeigen wie man beispielsweise auf unberechtigte Forderungen von Inkassounternehmen reagiert.
In Infotheken stehen dem Verbraucher zur Selbstinformation rund 60 aktualisierte Themenordner zur Verfügung. Von A wie Autozubehör bis Z wie Zusatzstoffe in Lebensmitteln bieten die Ordner sowohl allgemeine Informationen als auch konkrete Testergebnisse zu Produkten und Dienstleistungen. Nicht immer jedoch ist es die „Abzocke“, die den Ratsuchenden Sorgen macht. Wie wehre ich mich gegen eine falsche Rechnung? Was tun, wenn die Leistung des Handwerkers nicht so ausgefallen ist wie verabredet? Nach dem Jahresbericht der Verbraucherzentrale erfolgten fast 30 Prozent der Beratungen im Jahr 2008 zu Reklamationen und sonstigen Angelegenheiten des Verbraucherrechts. Um die 57 Prozent waren es am kostenpflichtigen Verbrauchertelefon. Etwa ein Drittel der Beratungen drehten sich dabei um Telekommunikation und Internet. Eine Ursache für diese hohe Nachfrage ist die Liberalisierung des Telefon- und Strommarktes vor rund zehn Jahren. Danach stieg der Bedarf an Informationen zu Tarifen und zum Anbieterwechsel.
Nachzahlung errechnen
Unterstützung gibt es bei vertraglichen Problemen mit den Anbietern, zum Beispiel im Fall einer Kündigung oder bei überlangen Wechselprozessen. Für Gaskunden, die Widerspruch gegen die Gaspreiserhöhungen eingelegt haben, überprüft die Verbraucherzentrale die Jahresrechnung und errechnet die korrekte Nachzahlung und die neuen Abschläge. Dieser Service wird vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium gefördert.
Zusätzlich hat die Verbraucherzentrale seit mehreren Jahren eine vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderte Energiesparberatung. Sie klärt unter anderem auf über Heizungsanlagen, Wärmedämmung und die Nutzung regenerativer Energien. Jedoch haben nicht alle Servicestellen in Niedersachsen eine Energieberatung.
Nicht nur im Hinblick auf Energie- und Telefonverträge, auch in Punkto Finanzberatung und Versicherungen besteht ein großer Informationsbedarf. Die Finanzmarktkrise hat laut Auskunft der Verbraucherzentrale Niedersachsen zu einem Vertrauensverlust gegenüber Banken und Finanzdienstleistern geführt. Viele Anleger hätten zum Teil herbe Verluste bei ihrer privaten Altersvorsorge erlitten. Außerdem seien viele Verbraucher überteuert, überflüssig und falsch versichert. Welche Vorteile bringt das neue Versicherungsvertragsgesetz? Verträge einzeln abschließen oder lieber gleich einen Rundum-Schutz? Die Verbraucherzentrale gibt Antworten. Anders als Banken und Versicherungsgesellschaften berät sie generell produkt- und anbieterunabhängig - mit Rücksicht auf die Lebenssituation des Verbrauchers. Sie klärt allgemeine Fragen zur Geldanlage, zu speziellen Problemen mit Lehman-Zertifikaten und hält Checklisten für Gespräche in der Bank bereit. „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet das Motto.
Wartezeiten einplanen
Die Beratung bei der Verbraucherzentrale ist kostenpflichtig. Je nach Anliegen und Aufwand kostet eine Beratung bei der Verbraucherzentrale zwischen acht und 120 Euro. Schriftliche und elektronische Anfragen beantworten die Mitarbeiter für 25 Euro. Eine Beratung am Telefon kostet pro Minute 1, 50 Euro; ein einstündiges Gespräch zur Krankenversicherung schlägt mit 50 Euro zu Buche. Verbraucher können sich während der Öffnungszeiten der jeweiligen Servicestelle zu verschiedenen Themen informieren. Bei aufwändigen Beratungen, die eine Durchsicht von Unterlagen oder umfangreiche Berechnungen erfordern, sollten Ratsuchende einen Termin vereinbaren. Für eine Finanzberatung liegt die Wartezeit für einen Termin zurzeit bei acht Wochen.
Fehler vor Beginn vermeiden
Gabriele Peters, Pressereferentin der Verbraucherzentrale Niedersachsen
Gabriele Peters, Pressereferentin der Verbraucherzentrale Niedersachsen, gibt im Gespräch mit der LAND & Forst Auskunft über die Ernährungs- und Bauberatung und berichtet, welche Aufgaben der Bundesverband wahrnimmt.
Die Ernährungsberatung ist ein klassisches Thema der Verbraucherzentrale. Prüft sie auch Lebensmittel?
Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Viele Konsumenten denken, die Verbraucherzentrale erteilt Ratschläge zu speziellen Produkten. Unsere Mitarbeiter geben allgemeine Auskünfte über Kennzeichnung, Nährwerte, vollwertige Ernährung usw. Spezielle Fragen dazu beantworten unsere Fachkräfte am Verbrauchertelefon. Aber sie raten nicht zu bestimmten Lebensmitteln und testen auch keine. Das bleibt der Stiftung Warentest vorbehalten.
Der Beitrag für eine Bauberatung kostet bis zu 120 Euro. Ist das nicht viel Geld für eine Auskunft?
Auf den ersten Blick mag das so sein. Aber der Aufwand rechtfertigt die Kosten. Zum Beispiel im Fall einer Baufinanzierungsberatung: Fachkräfte sichten eine Fülle von Unterlagen, weisen gegebenenfalls auf Finanzierungslücken hin und entwickeln entsprechende Lösungsvorschläge. Wer Fehler vermeidet, spart am Ende viel Geld. Bei einer geplanten Investition von 200.000 Euro sind 120 Euro ein relativ geringer Betrag. Wenn die Finanzierung zu unsicher ist, raten die Mitarbeiter sogar ganz vom Bau oder Kauf eines Hauses ab. Das macht die Bank im Zweifelsfall nicht.
Die Dachorganisation der Verbraucherzentrale ist der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Welche Aufgabe hat er?
Im Bundesverband sind alle 16 Landesverbraucherzentralen sowie 25 weitere Verbraucherverbände organisiert. Darunter sind der Mieterbund, der Fahrgastverband Pro Bahn und der Deutsche Landfrauenverband. Der vzbv setzt sich auf der Bundesebene für die Anliegen der Verbraucher in der Öffentlichkeit ein, indem er in enger Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen vor Ort auf Missstände hinweist oder Lobbyarbeit für verbraucherfreundliche Gesetze leistet. Außerdem bietet er für die Mitarbeiter der einzelnen Verbraucherzentralen regelmäßig Fort- und Weiterbildungen an.