Ausgezeichnete Maschinen
Hannover - Eine Fachjury des dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag kürte auf der Agritechnica die "Maschine des Jahres 2012". Den begehrten Titel tragen nun Maschinen aus 13 Kategorien, vom Großtraktor bis zur Saattechnik.
Bis zu 10 Schare wenden am Lemken-Pflug Diamant 12 mit Traktionsverstärkung den Boden. Neigung sowie Schnitt- und Vorderfurchenbreite lassen sich mit einem Terminal elektrohydraulisch verstellen.
Großtraktor: Claas Axion 900
Bei der neuen
Claas Großtraktorenbaureihe Axion 900 decken vier Modelle einen Leistungsbereich von 300 bis 390 PS (Maximalleistung nach ECE-R24) ab und besitzen das stufenlose Getriebe ZF Eccom 3.0 mit drei Fahrmodi und integriertem Wendegetriebe. Die maximalen Leistungs- und Drehmomentwerte werden bei geringen Motordrehzahlen erreicht. Der lange Radstand von 3,15 m und eine ausgewogene Gewichtsverteilung sollen in Verbindung mit großen Reifendurchmessern auf der Hinterachse für gute Traktion und hohen Fahrkomfort sorgen. Um dennoch wendig zu bleiben, wurde dem Axion 900 eine Wespentaille verpasst, die einen großen Einschlagwinkel der Vorderräder ermöglicht. Eine Neuentwicklung ist auch die zugunsten des Fahrkomforts etwas vorgezogene Vierpfosten-Kabine mit Vierpunktfederung. Sie bietet viel Raum und einen Arbeitsplatz, der aktuellen Ansprüchen an Ergonomie und Komfort gerecht wird. Der neue CMotion-Multifunktionshebel für die Dreifinger-Bedienung ist in der Armlehne leicht versenkt, was im Praxisalltag den rechten Unterarm des Fahrers entlastet. Das Cebis-Terminal ist nun in die Armlehne integriert und wird ab Mitte 2012 als Wunschausstattung die Telematics-Software von
Claas erhalten. Im Heck liftet der Axion 900 elf Tonnen. Hydraulik- und Kraftheber bieten zeitgemäße Leistungswerte. Beim Leergewicht von 12,5 t und 18 t zulässigem Gesamtgewicht bieten die Modelle eine maximale Zuladung von 5,5 t bei 50 km/h.
Oberklasse: MF Serie 7600
Die Jury hat sich im Segment "Traktoren der Oberklasse" für die Baureihe 7600 von Massey Ferguson entschieden. Die neue Baureihe umfasst vier Sechszylinder-Modelle mit einer maximalen Leistung von 185 bis 235 PS. Ein herausragendes Merkmal ist das verbesserte Abgasreinigungssystem. Wegen der Abgasnorm Euro 3 b oder Tier 4 haben die Entwickler bei Massey Ferguson die SCR-Technik verfeinert. Außerdem versahen sie die Common-Rail-Anlage mit einer stärkeren Hochdruckpumpe und optimierten die Injektoren. Neben dem SCR-Kat kommt ein wartungsfreier Diesel-Oxidations-Katalysator zum Einsatz. Direkt nach dem Turbolader fängt dieser Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoff, unverbrannten Kraftstoff und unverbranntes Öl auf. Die Schlepper der Baureihe 7600 können wahlweise mit dem vollautomatischen Dyna-6-Lastschaltgetriebe oder dem stufenlosen Dyna-VT-Getriebe ausgestattet werden. Beim Dyna-6-Modell bringt der Motor bis zu 25 PS zusätzliche Leistung durch das MF-Power-Management. Es entstehen also mehrere Motorkennlinien. Die Kabinen bieten mehr Platz, optimierte Sichtverhältnisse und ein neues Bedienkonzept. Letzteres kann der Kunde in drei Varianten bestellen, die sowohl einfach gehaltene Technik bieten als auch High-Tech. Auf höchstem Niveau ist die Kabinenfederung. Ein Sensor an der Vorderachse nimmt die Schwingungen auf und gibt ein Signal an die elektrohydraulische Dämpfung. Neu ist zudem das Bedienterminal. Die Datatronic CCD wird jetzt auch in der 7600er-Serie eingesetzt, allerdings mit einer weiter optimierten Ablesbarkeit und größerer Funktionalität.
Obere Mittelklasse:Fendt 700 Vario
Während
Fendt die großen Modelle 720, 722 und 724 bereits im Juni vorstellte, erweitert der Traktorenbauer die Modelle (714, 716 und 718) nach unten. Das Leistungsspektrum: 145 PS bis 240 PS (107 bis 176 kW) Maximalleistung. Auffällig ist die neue, breitere Kabine Visio Plus mit der hochgezogen Frontscheibe und der bekannten Armlehne mit Joystick und Varioterminal.
Unter der Haube sitzen Sechszylinder Motoren von Deutz mit SCR-Technologie zur Erfüllung der Abgasnorm 3 b oder Tier 4 interim. Weitere innovative Lösungen: Das VarioAktive-Lenksystem ermöglicht mit nur einer Lenkradumdrehung den vollen Lenkeinschlag. Ein RFID-Chip erkennt Elektrik und bis zu 6 Hydraulikanschlüsse und übernimmt alle gespeicherten Geräteeinstellungen des Varioterminals. Die Unterlenker können jetzt werkzeuglos in eine höhere Position parken. Ein Lagesensor erkennt Bodenunebenheiten und ermöglicht eine dynamische Anpassung der Front-EHR.
Untere Mittelklasse: John Deere Serie 6R
Die Typenreihe 6R von
JohnDeere umfasst neun Modelle von 105 bis 210 PS. Mit dem intelligenten Power-Managementsystem sogar bis zu 240 PS. Eine Besonderheit dabei ist, dass als Kraftstoff nur Diesel verwendet wird. Ein Zusatz von AdBlue entfällt. Dafür erfolgt die Abgasreduzierung mit gekühlter Abgasrückführung, variabler Turboladergeometrie und einem Filtersystem mit Diesel-Oxidationskatalysator und Diesel-Partikelfilter. Im Getriebe überzeugt die neue Baureihe mit insgesamt vier Wahlmöglichkeiten. Neben den bekannten Versionen AutoQuad Plus, PowerQuad Plus und dem stufenlosen AutoPowr-Getriebe, das jetzt auch per Fahrpedal bedient werden kann, gibt es das neue DirectDrive-Getriebe. Dieses ist erstmals in einem Traktor verbaut.
Kompakttraktoren:Deutz-Fahr Agrofarm
Der kompakten Traktor hat eine Breite von 2,05 m sowie 2,34 m kurzem Radstand, der mit bis zu 109 PS Bedienkomfort wie in Großtraktoren bietet. Die großen Kabinentüren machen den Weg in die Vier-Pfosten-Kabine komfortabel. Kein B-Holm stört die Sicht zu den Seiten. Automatikfunktionen des Getriebes machen das Fahren und Arbeiten mit dem rund 4,8 t leichten Traktor einfach: Mit dem Fahrpedal die Geschwindigkeit regeln, die passende Drehzahl wählt die elektronische Motorsteuerung. So arbeitet das wassergekühlte Triebwerk von Deutz mit vier Zylindern und rund vier Litern Hubraum zur jeweiligen Last mit der passenden Drehzahl. Die Bedienung des stufenlosen Getriebes ist einfach. Eine aktive Stillstandsregelung hält den Traktor sicher am Berg. Mit den vier wählbaren Wellen-Geschwindigkeiten von 540 bis zur 1000-E-Zapfwelle bleiben keine Wünsche offen. In fünf Stufen reagiert das Getriebe von verhalten bis aggressiv bei einem Wechsel der Fahrtrichtung. Auch die fünf Steuergeräte, die elektronisch schalten, machen wunschlos glücklich. Zwei der Hydraulikventile sind in der Ölmenge und der Zeit einstellbar und lassen sich so an die Geräte und die Arbeiten auf Acker und Grünland optimal anpassen.
Mähdrescher: New Holland CR-Serie
Auf hohe Durchsatzleistungen ausgelegt ist der neue Großmähdrescher CR 8000/9000 von New Holland mit 17 oder 22 Zoll Twin Rotoren.
Die für die großen Maschinen neu entwickelten Laufwerke SmartTrax mit Breiten von 24 oder 30 Zoll sorgen für geringere Bodenverdichtung, weniger Schlupf und optimale Zugkraft. Der neue Schrägförderer mit vier Einzugsketten sorgt dafür, dass die Dreschrotoren immer genug Futter bekommen. Tier-4A-konforme Cursor-Motoren von Fiat Power Train Industrial mit bis zu 571 PS (entspricht 420 kW) stehen für den Antrieb zur Verfügung. Den Kraftstoffverbrauch senkte man um bis zu zehn Prozent, was zum einen der ECOBlue SCR-Technik und zum anderen der reduzierten Motordrehzahl von 1600 U/min bei Transportfahrten mit Geschwindigkeiten bis 30 km/h zu verdanken ist. Ein größerer Korntank mit bis zu 12 500 l Inhalt reduziert die Abladevorgänge, und die verlängerte Korntankentleerungsschnecke erreicht auch große Anhänger und Überladewagen. In der Kabine hat der Fahrer mit dem großen IntelliView-IV-Farbmonitor mit Touchscreen alle Aggregate und Steuerungen im Blick.
Häcksler: Claas Jaguar mit Nir Sensor
Die Jury, die den
Claas Jaguar zur Maschine des Jahres 2012 kürte, überzeugten zunächst die neuen V12 Motoren von MAN, die
Claas nun in den beiden Top Modellen, dem 970er und dem 980er verbaut hat. Die Steuerung
Claas Dynamic Power passt die Motorleistung an die aktuellen Anforderungen der Maschine an. In Kombination mit dem Tempomaten sorgt diese Technik für Kraftstoffersparnis und Fahrerentlastung. Außerdem wird ein neuer Multi Corn Cracker verbaut, der durch schnelles und einfaches Tauschen der Walzen an unterschiedliche Erntebedingungen oder Feldfrüchte angepasst werden kann. Im Cebis-Terminal mit neuen Funktionen gibt es als Beispiel den Schnellzugriff für wiederkehrende Anwendungen. Eine Innovation beim Jaguar ist der NIR-Sensor zur Analyse des Erntegutstroms. Er erfasst Stärke bzw. Zucker, Rohprotein, Rohfaser, Rohfett und Rohasche in Gras sowie Maissilage als Online Messung. Diese Daten können in die Schlagkartierung des Telematics System integriert werden. Damit kann man nach dem tatsächlichen Energieertrag abrechnen.
Hackfruchernte: Grimme Varitron 470
Zur
Agritechnica 2011 präsentiert
Grimme den vierreihigen selbstfahrenden Kartoffelroder Varitron 470, dessen Vorratsbunker sieben Tonnen Kartoffeln fasst. Als Überladeroder ist die Maschine unter dem Namen Varitron 400 erhältlich. Das Fahrwerk: Radmaschine oder Gurtbandlaufwerk. Das Highlight der Maschine sind modular kombinierbare Siebbänder und Trenngeräte. Auch die Zahl der auf zwei Ebenen nacheinander gesetzten Reinigungselemente ist nach Einschätzung der Jury bisher einmalig. Der 1,2 m breite Ringelevator ist mit ebenfalls neu vorgestellten OptiBags ausgestattet, die eine sehr hohe Förderleistung bei gleichzeitiger Kartoffelschonung gewährleisten. Die Power stammt aus dem 490 PS starken Mercedes-Benz-Motor. Der Fahrer bedient die Maschine sehr komfortabel über zwei CCI 200 Terminals.
Futterernte: Krone Ultima Ballenpresse
Bisher musste der Traktor beim Einsatz einer Press-Wickelkombination zum Binden und zur Übergabe des Ballens zum Wickeltisch seine Fahrt unterbrechen, um die weitere Gutzufuhr zu stoppen. Mit der Non-Stop-Entwicklung bei der Rundballen-Press-Wickelkombination Ultima der Firma Krone ist ein kontinuierlicher Arbeitsvorgang, vom Pressen, Binden und Wickeln bis zum Abladen möglich. Die neue intelligente Steuerung einer Vorkammer mit Vorpressfunktion erlaubt erstmals eine vollautomatische Arbeitsweise.
Dieses Non-Stop-System ist nur in Kombination mit "Tractor-Implement-Management" möglich, das eine automatische Anpassung der Vorfahrtsgeschwindigkeit des Traktors an den Durchsatz bewirkt (Gerät steuert Traktor). Die Fahrgeschwindigkeit des Schleppers wird an die Auslastung der Presse angepasst. Der Fahrer wird durch den vollautomatischen Ablauf entlastet. Dieses Non-Stop-Verfahren steigert die Durchsatzleistung der Maschine bis zu 50 Prozent bei maximaler Ballendichte. Das erhöht die Schlagkraft und die Auslastung der Maschine.
Bestandsführung: TSD-Feldspritze Dammann
Das neuartige TSD-System (Teilflächen spezifische Düsenleitung) kann punktuell ein zusätzliches Pflanzenschutzmittel ausbringen. Möglich macht das eine zweite Düsenleitung über die volle Arbeitsbreite. Getrennte Fluid- Systeme speisen die zwei parallel geführten Düsenleitungen.
Behälter, Pumpen, Armaturen und Regeleinrichtungen sind an der Feldspritze doppelt vorhanden. System A ist das Hauptsystem, vergleichbar mit einer konventionellen Spritze. System B ist das "Nebensystem" für teilflächenspezifische Behandlungen. Die Leitung des Systems A führt die normale Pflanzenschutzapplikation durch. Gleichzeitig kann mit der zweiten Düsenleitung des Systems B eine punktuelle und variable Pflanzenschutzmaßnahme (beispielweise mit Herbiziden) erledigt werden. System B ist mit vierfach-Düsenträgern versehen. Die Einzeldüsenschaltung von Dammann steuert jede einzelne der vier Düsen jedes einzelnen Düsenträgers. Grundlage für die Steuerung des TSD-Systems sind vorher erstellte Applikationskarten oder am Gestänge platzierte Sensoren, welche die nötigen Aufwandmengen vorgeben.
Bodenbearbeitung: Lemken Diamant 12
Die Pflüge sind mit bis zu 10 Scharen erhältlich. Wie schon bei den Juwel-Pflügen verwendet Lemken nun auch bei den Aufsattelpflügen die Duramaxx Pflugkörper. Die Schare haben keine Bohrungen mehr und sind aus besonders verschleißfestem Stahl hergestellt. Sie lassen sich werkzeuglos montieren und deshalb auch schnell wechseln. Neben der Überlastsicherung mit Abscherschrauben ist die hydraulische Überlastsicherung Hydromatik verfügbar.
Weitere Besonderheit ist die Traktionsverstärkung. Ein Hydraulikzylinder mit Stickstoffblasen verlagert über die hydraulische Vorspannung Druck und damit Gewicht auf die Hinterachse und soll den Schlupf um bis zu 20 Prozent verringern. Weiteres Highlight: elektro-hydraulische Verstellung von Neigung, Schnitt- und Vorderfurchenbreite. Alle Einstellungen lassen sich über ein Terminal bedienen.
Bestelltechnik: Horsch Maestro CC und SW
Mit der Maestro steigt Horsch in das Segment der pneumatischen Einzelkorndrillen ein. Das wesentliche Bauteil ist dabei die kompakte Dosiereinheit mit integriertem Elektromotor. Die Vereinzelung erfolgt über eine Dosierscheibe mit nach außen offenen Nuten. Dadurch kann das Korn, ohne dass störende Zentrifugalkräfte wirken, von einer kreisförmigen zu einer linearen Bewegung ins Fallrohr überführt werden. Damit wird eine hohe Verteilgenauigkeit bei Arbeitsgeschwindigkeiten bis zu 15 km/h erreicht. Durch die Art der Vereinzelung kann selbst unter feuchten Bedingungen ohne Fangrolle gearbeitet werden. Jede Säeinheit mit eigener Sensorik und Jobrechner liefert die Daten an das Bedienterminal. Der Fahrer erhält jederzeit Informationen über die Fehl- und Doppelstellen sowie über den Variationskoeffi- zienten und kann dadurch jederzeit auf beispielsweise Saatgutqualität oder Saatbettbeschaffenheit reagieren.
Alle rollenden Werkzeuge an den parallelogrammgeführten Einheiten, wie Räumer, Schare, Tiefenführungs- und Andruckrollen, haben stabilere Lager. Der Schardruck von bis zu 350 kg wird hydraulisch angepasst. Die pneumatische Einzelkornsämaschine gibt es in der achtreihigen Variante CC mit einzelnen Saatgut- und Düngerbehältern und als zwölf- und 24-reihige mit der Bezeichnung SW.
Sonderpreis: Isobus-Datenbank der AEF
Die internationale Industrieplattform Agricultural Industry Electronics Foundation (AEF) wurde im Oktober 2008 von den Unternehmen AGCO, Claas, CNH, Grimme, John Deere, Kverneland Group und Pöttinger gegründet. Derzeit gehören 120 Mitglieder weltweit dazu. Auf der
Agritechnica 2011 präsentiert die AEF eine intelligente Maschinen- und Geräte-Datenbank, um die ISOBUS-Kompatibilität von Schlepper und Gerät überprüfen zu können.
Diese Innovation ist das bisher einzige Hilfsmittel, mit dem Landwirte und Lohnunternehmer zweifelsfrei feststellen können, welche Traktoren und Geräte ISOBUS-zertifiziert sind und auch wirklich zusammenpassen. Sie hilft auch dem Kundendienst, Probleme mit dem ISOBUS sogar auf dem Feld schnell zu erkennen und für Abhilfe zu sorgen. Die Datenbank sammelt diese "Fälle", die jederzeit für Problemlösungen zur Verfügung stehen.
fe, fm, jm, ley, mm, mu, mö, rk, sü, ta, tg
Ausgezeichnete Maschinen (05.12.2011)
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