Mammendorf/Lks. Fürstenfeldbruck - Münchens Oberbürgermeister Christian Ude beim Brucker Landfrauentag.
Ehrung beim Landfrauentag: Der neuen (2. v. l.) Hauswirtschaftsmeisterin Elisabeth Robeller gratulierten (v. l.) Münchens OB Christian Ude, Kreisbäuerin Gabi Waldleitner und deren Stellvertreterin Annemarie Schlammerl zur bestandenen Prüfung.
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Eine passende Predigt, musikalische Untermalung durch den Brucker Landfrauenchor und eine Modenschau das waren die stimmigen Begleiter beim Brucker Landfrauentag. Das Festfererat hielt im voll besetzten Mammendorfer Bürgerhaus Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. "Ich habe noch nie eine Einladung der Landfrauen ausgeschlagen allerdings war das auch erst meine zweite", scherzte der SPD-Mann. Sein bis dahin einziger Auftritt bei einem Landfrauentag, war bei den Starnbergerinnen. Immerhin: Christian Ude gilt als Münchner Rathauschef und damit auch Chef über die städtischen Güter mit 840 Hektar ökologisch bewirtschafteter Fläche und 746 Hektar konventionell bewirtschafteter Fläche als der größte Ökobauer Bayerns. Doch, wie er bei den Brucker Bäuerinnen zugeben musste, sei er dennoch kein Spezialist in Sachen Landwirtschaft. Fachwissen war angesichts des Vortragsthemas "Von Innen gestärkt Für Neues offen" aber auch gar nicht gefragt. Kreisbäuerin Gabi Waldleitner verband mit dem Thema folgende Bezugspunkte: Eigene Wurzeln, Heimatverbundenheit, Tradition, die Familie und der Glaube stärkten sie von innen heraus und natürlich dürfe man sich Neuem nicht verschließen. Aber man sollte auch nicht jedem Trend blind hinterherlaufen, so ihr Resümee. Kritisches Hinterfragen ist für Ude gerade heute mit Schuldenkrise, Atomausstieg und dem Umschwenken auf erneuerbare Energien gefragt. Örtlicher Egoismus, gerade hinsichtlich der Ausweisung von Photovoltaik-Freiflächen oder den Standorten von Windrädern behindere die Energiewende: Der Umstieg auf erneuerbare Energien sei aber immerhin das derzeit größte ökologische Projekt der Bundesrepublik. Und: Wenn man sich Stuttgart 21 und die Wutbürger so ansehe, werde auch eines deutlich: "Die lautesten Gruppen sind nicht immer die Mehrheit", postulierte der Befürworter einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen im Hinblick auf den Ausgang des Bürgerentscheids in Baden Württemberg. Generell müsse es künftig darum gehen, Exzesse abzuwehren, schwenkte Ude in Richtung Verbraucherverhalten über. Die Ernährungsindustrie überschwemme zum Beispiel mit Billigbackprodukten samt Sonntagsbrötchen die Märkte und in vielen Bereichen habe es der Konsument eben selbst in der Hand, solchen Umtrieben Einhalt zu gebieten: "Viele weinen den Tante-Emma-Läden nach, wenn diese schließen, haben aber die letzten 20 Jahre lieber im Discounter eingekauft." Der Oberbürgermeister zeigte sich gut vorbereitet und ging auch auf konkretere Situationen der Bäuerinnen ein. In der Öffentlichkeit herrsche oft ein romantisiert-verklärtes Bild der Landwirtschaft vor. Vom Leben in idyllischer Natur, das mit der Doppel- und Dreifachbelastung der Bäuerinnen auf den Höfen wenig zu tun habe. "Ob Ferien auf dem Bauernhof oder pädagogische Maßnahmen, die den Schulkindern ländliches Leben nahebringen sollen: Wer macht denn letztlich die Arbeit, wer bezieht die Betten, wer macht das Frühstück, wer führt die Kinder über den Hof", fragte Ude in den Raum und erntete damit Kopfnicken und Applaus aus den Reihen der Landfrauen. "Die Frage der Geschlechtergerechtigkeit gehört auch auf den Höfen neu diskutiert, damit es nicht zu Überforderungen der Frauen kommt", so Ude abschließend. Statt Grußworten hatte es beim Landfrauentag auch heuer wieder eine kleine Podiumsdiskussion gegeben. Dabei mussten sich die Politiker zu Themen wie Flächenfraß, Agrarreform und die Auflösung des Standortes Brucker Fliegerhorst äußern.
Angi Kiener