Donnerstag, 17.05.2012
Beteiligte ziehen an einem Strang
Marktoberdorf/Lks. Ostallgäu - Erste Fachtagung "Moorschutz konkret" in Marktoberdorf.
Großer Filz am Bannwaldsee: Die Allgäuer Moore weisen eine große Vielfalt an Moortypen auf. Der Große Filz umfasst Nieder-, Durchströmungs- und Regenmoore.
Auf Einladung der Allgäuer Moorallianz trafen sich rund 90 Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur ersten Fachtagung "Moorschutz konkret" in Marktoberdorf. Dabei wurden Ergebnisse verschiedener Moorschutzprojekte präsentiert und diskutiert. Johann Fleschhut, Landrat im Ostallgäu und Vorsitzender des Zweckverbandes Allgäuer Moorallianz, sagte bei der Begrüßung, dass der Moorschutz im Allgäu einen hohen Stellenwert habe: "Wir wollen die Erfolgsgeschichte unserer Moorallianz fortschreiben und dafür ist der internationale Austausch sehr wertvoll. Dies ist die erste Fachtagung Moorschutz im Allgäu, aber sicher nicht die letzte." Bei der Tagung wurde deutlich, dass sich die Planungsmethoden in den letzten 20 Jahren wesentlich weiterentwickelt haben: Durch digitale Geländemodelle liegen wichtige Planungsgrundlagen vor, anhand derer die Höhenverhältnisse und die hydrologische Situation der Moorgebiete exakt nachgebildet werden können. Auch für die Ausführung von Stauwehren zur Wiedervernässung wurden in den Projekten Standards entwickelt und Leitfäden erarbeitet.
Stauwehre aus Plastik
Während früher vieles nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" lief, liegen heute Leitfäden für die technische Ausführung vor. Im Wurzacher Ried mussten zahlreiche, rund 15 Jahre alte Stauwehre nachgebessert werden, weil diese nicht mehr dicht sind. Im Pfrunger Ried (Baden-Württemberg) kommen daher langlebige Spundwände aus Recycling-Plastik zum Einsatz. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist allen Projekten gemeinsam: "Ob Projekte gelingen, hängt entscheidend davon ab, ob die Beteiligten in der Region überzeugt werden können. Erfolgreich ist der Moorschutz nur im Dialog", resümierte Günter Riegel, Projektleiter der Allgäuer Moorallianz und Moderator der Tagung. Als Ergebnis der Tagung wurde vereinbart, den Erfahrungsaustausch in Sachen Moorschutz weiterzuführen. Dr. Rolf Waldis vom Bundesamt für Umwelt in Bern, berichtete aus der Schweiz. Dort wurde durch einen Volksentscheid im Jahr 1987 ein Schutz der Moore beschlossen. Der rechtliche Schutz allein reiche jedoch nicht aus. Negative Veränderungen, wie zum Beispiel ein Zuwachsen der Moorflächen, müssen durch angepasste Pflege verhindert werden. Am Beispiel des Hochmoores Gamperfin im Kanton St. Gallen wurde verdeutlicht, dass ein fachkundiges Gebietsmanagement sowie Fördermittel für die Maßnahmen nötig sind.
Mit Rindern beweidet
Bernd Reißmüller, Projektleiter des Naturschutzgroßprojekts Pfrunger-Burgweiler Ried (Baden-Württemberg), erläuterte die Maßnahmen dort. Die Moorkerne wurden wiedervernässt. In den Randbereichen weiden extensive Rinderrassen wie Galloways und Heck-Rinder. Deren Fleisch wird unter einer eigenen Marke in der Region vermarktet. Für Besucher wurden Beobachtungsplattformen und Bohlenwege eingerichtet. Am Beispiel des Wurzacher Riedes machte Dr. Burkhard Schall vom Regierungspräsidium Tübingen deutlich, dass Bundesprojekte auch nach Projektende weiter betreut werden müssen. Im Wurzacher Ried werden derzeit undicht gewordene Stauwehre mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg nachgebessert.
Allgäuer Moorallianz ist ein Bundesprojekt
Dr. Alfred Wagner präsentierte die Ergebnisse der Pflege- und Ent-wicklungsplanung für das Bundesprojekt Allgäuer Moorallianz. Die Bestandserfassung hat ergeben, dass von den rund 3000 ha an Moorlebensräumen im Projektgebiet rund ein Viertel noch weitgehend intakt ist, auf rund der Hälfte bestehen gute Aussichten für eine Renaturierung. Bisher wurden jedoch erst auf rund einem Prozent der Moorfläche im Kerngebiet des Bundesprojekts Moorschutzmaßnahmen umgesetzt. Unterstrichen wurde auch die hohe ökologische Bedeutung der Allgäuer Moore. "Im Kempter und Sulzschneider Wald liegen die größten Vorkommen von Bergkiefern-Moorwäldern in Mitteleuropa. Das Allgäu hat damit eine hohe Verantwortung für den Erhalt dieser Lebensräume", betonte Dr. Wagner, der mit der Bestandserfassung und Planung beauftragte Moorexperte. Intakte Moore leisteten als natürliche Kohlenstoffsenken einen wichtigen Beitrag zur CO
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-Vermeidung. Zudem sind sie wichtig für die Artenvielfalt und den Wasserrückhalt. Die Einspareffekte liegen in Moorschutzprojekten bei rund 10 bis 20 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar und Jahr, hieß es.
Beteiligte ziehen an einem Strang (16.12.2011)
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