Donnerstag, 17.05.2012
Bioenergie: Kapazitäten ausschöpfen
„Energie für morgen – Chancen für ländliche Räume", so lautet das Aktionsprogramm, mit dem das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) die Bioenergieproduktion im ländlichen Raum steigern will. Ursula Heinen-Esser, Parlamentarische Staatssekretärin im BMELV, stellte am Dienstag vergangener Woche in Berlin die Eckpunkte des Maßnahmenpaketes vor, die den „Einsatz von Bioenergie beschleunigen und intensivieren" sollen.
Das Aktionsprogramm des BMELV soll die Potenziale der Bioenergie vor allem für auf dem Land lebende Menschen stärker erschließen. Für Land- und forstwirtschaftliche Erzeuger sind Zuschüsse geplant.
Foto: Preugschat
Rund sechs Prozent beträgt der Anteil der Bioenergie am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland. Bis 2020 will die Bundesregierung diesen Anteil auf 18 Prozent ausbauen.
Wertschöpfung erhöhen
Entscheidende Impulse für die Verwirklichung dieser Ziele verspricht sich das BMELV von dem Aktionsprogramm „Energie für morgen – Chancen für ländliche Räume". „Dieses Programm bündelt Maßnahmen, die auf die stärkere Produktion, Aufbereitung, Verteilung und Nutzung von Bioenergie vor Ort abzielen", erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin im BMELV, Ursula Heinen-Esser, während der Auftaktveranstaltung. Das schaffe Arbeitsplätze und erhöhe die Wertschöpfung für die Menschen im ländlichen Raum.
Das Maßnahmenpaket stützt sich auf die fünf Säulen Steigerung des Biomasseangebotes, Ausbau der Wissensvermittlung, Abbau technischer Hemmnisse, Änderung rechtlicher Rahmenbedingungen und Investitionsanreize. Großes Wachstumspotential sieht Heinen-Esser bei der Steigerung des Biomasseangebots. Mit rund 70 Prozent stelle sie bereits heute den größten Anteil aller erneuerbarer Energien. Das Maßnahmepaket enthält eine verstärkte Mobilisierung nachhaltig nutzbarer Holzreserven und die Ertragserhöhung von Energiepflanzen. Auch Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, betonte, dass die Kapazitätsgrenzen noch längst nicht erreicht seien: Kurzfristig könnten Holzerzeuger fast ein Drittel mehr Holz entnehmen, auf lange Sicht sogar 50 Prozent mehr. Die in der Bevölkerung verbreitete Ansicht, die energetische Nutzung von Holz sei „Raubbau am Wald" bezeichnete er als unzutreffend. „Die Forstwirtschaft ist bereit, ihren Beitrag zu leisten, wenn man sie denn lässt", resümierte Schirmbeck.
Für Akzeptanz werben
Um mehr Akzeptanz für den Anbau von Energiepflanzen zu erreichen, setzt das BMELV mit dem Aktionsprogramm auf zusätzliche Beratungs-, Informations- und Bildungsangebote zum Thema Bioenergie. Förderschwerpunkt ist die „Regionale Bioenergieberatung und Verbraucherinformation Energiepflanzen" der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) für landwirtschaftliche Betriebe und Endverbraucher. Zusätzlich sollen die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verstärkt sowie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen im Bioenergiebereich initiiert werden. Zur Unterstützung von Netzwerken in den Regionen hat die FNR im Auftrag des BMELV den Bundeswettbewerb „Bioenergie-Regionen" umgesetzt. Auch zwei Regionen aus Niedersachsen wurden in diesem Jahr für ihre innovativen Ideen ausgezeichnet und können mit einem Förderbeitrag bis zu 400.000 Euro rechnen.
Die Hemmnisse abbauen
In den Bereichen Kleinfeuerungsanlagen, Kraft-Wärme-Kopplung und thermochemische Verfahren hat sich das BMELV vorgenommen, technische Hemmnisse bei der Nutzung abzubauen. Handlungsbedarf sieht das Ministerium auch bei der Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise bei der Novellierung des Bundeswaldgesetzes und der Prüfung und Anpassung der Düngeverordung unter Berücksichtigung der Belange der land- und forstwirtschaftlichen Praxis.
Udo Hemmerling vom Deutschen Bauernverband betonte, bei der Nutzung von Biokraftstoffen gebe es eine „starke Abhängigkeit von staatlicher Regulierung". Ende April hatte der Bundestag das Gesetz zur Änderung der Förderung von Biokraftstoffen beschlossen und damit die bislang geltenden Quoten für die Beimischung von Biokraftstoffen rückwirkend zum 1.1. von 6,25 auf 5,25 Prozent gesenkt.
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