ZIV-Seminar in Spindlhof: Stilla Klein dankte Referent und Organisator Theo Abenstein.
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Nicht alle waren begeistert, als sie vom Thema "Religion und Werte" des diesjährigen ZIV-Seminars in der Oberpfalz hörten. Doch die 30 Frauen aus den Kreisvorstandschaften der Landfrauenvereinigung, die nach Spindlhof gekommen waren und den Beiträgen lauschten, waren fasziniert von den Informationen und Denkanstößen. Der Schwerpunkt lag beim Islam. Erste Station, die die Seminarleiter, Bezirksbäuerin Stilla Klein, und Theo Abenstein, Geschäftsführer der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise, organisiert hatten, war die Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde in der Innenstadt von Regensburg. Dort staunten die Gäste über das "Bitte-Schuhe-Ausziehen", die grün-blauen Fliesen, die Gebetsteppiche. Aykan Inan, Politikwissenschaftler und Landesbeauftragter für interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit der Türkisch-Islamischen Union München, erklärte die Bedeutung, die Funktion der einzelnen Räume. Er sprach über Gebetszeiten, Rituale wie das Fasten und über die türkischen Gläubigen, die hierher kommen und in Regensburg ihren Glauben leben. Auch ein im Haus lebender türkischer Imam, der die Gemeinde betreut, hieß die Besucherinnen willkommen. Viele Fragen hatten die Landfrauen, unter anderem über die Bezahlung des Imams oder die Finanzierung der Moschee. Das Gebäude habe die Gemeinde gekauft, erfuhren sie all dies bewältige sie durch Spenden. Die würden reichlich fließen, hieß es, da gläubige Muslime sehr wohltätig seien, öffneten ihnen ihre Wohltaten doch das Paradies. Am Tagungsort Spindlhof ging es um Chancen und Grenzen des Dialogs zwischen Muslimen und Christen sowie das Frauenbild. Die Regensburger Religionswissenschaftlerin, Dr. Maria Baumann, ging der weit verbreiteten Angst vor dem Islam auf den Grund. Leitende Medien transportierten diese, indem sie Bilder von Gewaltaktionen, völlig verschleierten Frauen oder Menschenmassen verbreiteten in Verbindung mit dem Islam. Baumann zeigte, wie nahe sich Christentum und Islam in ihren Ursprüngen waren. Wie ähnlich die Werte der beiden Konfessionen sind, bewies sie anhand von Zitaten, die meist nicht leicht dem Christentum oder dem Islam zuzuordnen waren. Schriften wie Bibel oder Koran seien Auslegungssache, seien immer nur von Männern interpretiert worden. Nicht im Koran stehe das Gebot zur Verschleierung. Entgegen herrschenden Vorstellungen werde das Kopftuch auch von sehr modernen Muslimas ganz bewusst getragen. Oft sei es aber mehr Familientradition als religiöses Gebot. Wie "Integration im Spannungsfeld zwischen Islam und Mehrheitsgesellschaft" aussehen kann, darüber sprach Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung. "Haben Werte noch einen Wert? Das christliche Weltbild im politischen und gesellschaftlichen Alltag" lautete Theo Abensteins Thema. Er stellte fest, dass in einem Ranking der UNO die glücklichsten Länder nicht die europäischen, sondern die süd- und mittelamerikanischen seien. Die reichen Nationen Europas tauchten erst ab Platz 40 auf. Groß sei die Kluft zwischen Glückserwartung und -erfüllung. Depression sei eine Volkskrankheit geworden. "Die Religion könnte einen entscheidenden Einfluss auf die Zufriedenheit eines Menschen haben", sagte Abenstein. Doch habe sich die Werteordnung in Deutschland verändert. Von einer gemeinsamen Zielsetzung nach dem Zweiten Weltkrieg sei man zu großer Vielfalt ohne gemeinsame Diskussionsbasis gelangt. Politische wie religiöse Werteordnungen basierten auf einem Menschenbild. Das Christliche beruhe auf der Vorstellung vom Menschen als Ebenbild Gottes. Dies bedeute Individualität, Solidarität und Subsidiarität. Jeder Mensch sei für sein Handeln verantwortlich und müsse mit seinen Möglichkeiten verantwortungsvoll umgehen. "Wir brauchen eine Rückbesinnung auf unsere Werte". Für den Wertekanon in der deutschen Gesellschaft brauche es mehr Transparenz bei politischen Entscheidungen und eine bessere Einbindung der Bürger, eine Streitkultur, um Argumente auszutauschen, den Staat als Hüter, der Missbrauch sanktioniert, und eine gerechtere Arbeitswelt. Abschließend bekannten sich BBV-Bezirkspräsident Franz Kustner und BBV-Direktor Peter Huber zur Wichtigkeit christlicher Werte im bäuerlichen Berufsstand.
CS