Greiling/Lks. Bad Tölz-Wolfratshausen - Regina Fichtner hat sich ihren Traum erfüllt: "Bäuerin mit Backhäusl"
Brot, Kuchen "und no a bissl mehra"
Man sieht es ihr an und man hört es sofort heraus, dass sie mit Herzblut bei der Sache ist. Regina Fichtner strahlt über das ganze Gesicht und schwärmt in wärmsten Tönen von ihrem "Back Heisl". Mit dem eigenen Backhäuschen nebst kleinem Laden ist für sie ein Traum in Erfüllung gegangen zusätzlich zu dem Traumberuf Bäuerin. Wobei die 38-Jährige unumwunden zugibt, dass sie als Kind keine Bäuerin werden wollte. Die viele Arbeit, beim Heuen zuschauen müssen, wie Schulkameraden zum Baden gingen, ließen das Dasein als Bäuerin nicht gerade verlockend erscheinen. "Aber jetzt bin ich mit Leib und Seele Bäuerin", sagt Fichtner und lacht ihr ansteckendes Lachen und die Aussage gilt gleichermaßen fürs Backen. Dabei ist Fichtner für vieles offen, beim Backen feilt, tüftelt und experimentiert sie unentwegt. Zugleich hat sie schon oft über den eigenen landwirtschaftlichen Betriebszaun hinausgeschaut. So war die gelernte Konditoreifachverkäuferin zehn Jahre lang Betriebshelferin. "Dann hat mich das Reisefieber gepackt", erzählt die 38-Jährige. 2001 war sie sieben Monate lang als Auslandspraktikantin auf einem 1850-ha-Betrieb in der kanadischen Provinz Alberta. "Dort habe ich alles gemacht, was an Arbeiten anfällt" auch die großen Schlepper hat sie gefahren. Schon im Jahr darauf zog es sie wieder nach Kanada, auf denselben Betrieb, diesmal für neun Monate. Wieder daheim in Bayern gab es wenig als Betriebshelferin zu tun und so ging sie zurück in ihren Beruf als Konditoreifachverkäuferin, bis 2005, seitdem ist sie auf dem elterlichen Hof in Greiling. Auf dem Naturland-Betrieb stehen 22 Fleckviehkühe plus Nachzucht. "Ich möchte nichts anderes mehr sein als Bäuerin", sagt Fichtner, "ich gehe gern in den Stall und, wenn ich um fünf Uhr nachmittags noch nicht daheim bin, dann fehlt mir was. Denn Stallarbeit ist für mich Erholung, dabei tanke ich Kraft." Mit Leidenschaft steht sie indes auch in der Backstube. Begonnen hat alles in ihrer Zeit als Betriebshelferin. Damals brachte ihr eine Bäuerin das Brotbacken bei. Nach dieser Initialzündung wurde zu Hause mit Begeisterung gebacken und experimentiert. "Das war die Probephase", erläutert Fichtner. Der Traum zum Backhäusl war da und wurde Schritt für Schritt verwirklicht.
Dazu fällt Fichtner das vergangene Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) ein. Regina informierte sich mit ihrer Mutter am Stand der Firma Häußler über deren Steinbacköfen. "Frau Häußler selbst war da, hat gebacken und getan und mit meiner Mutter geredet und gezeigt, wie man es richtig macht", so Regina, "dann haben wir eine Pause eingelegt und etwas getrunken und meine Mama hat gesagt: ,Jetzt gehen wir zurück und kaufen ihn.
" Schon zuvor verfolgte Fichtner konsequent ihre Ausbildung. 2007 legte sie die Prüfung zur ländlichen Hauswirtschafterin ab, im Juli 2009 folgte die Prüfung für das Brotbackhäusl bei der Handwerkskammer. Im Oktober 2009 begann man mit dem Bau auf dem Hof. Was möglich war, entstand in Eigenleistung, und das war viel. "Ich habe das Glück, einen Vater zu haben, der ein begnadeter Handwerker ist." Am 5. Juni 2010 wurde dann das "Back Heisl", wie es offiziell heißt, eröffnet. "Für mich ist ein riesiger Traum in Erfüllung gegangen", freut sich Regina immer noch, "die Unterstützung meiner Eltern war phänomenal, sie haben mir geholfen, meinen Traum zu verwirklichen." Insgesamt sind nun drei Häußler-Steinbacköfen im Einsatz, dazu gibt es mittlerweile zwei Teigknetmaschinen desselben Herstellers. Und das Sortiment an Backwaren ist breit gefächert. Angefangen von Brezen das Rezept ist selbst kreiert, wie der überwiegende Teil des Angebots , Bauernbrot, Quark-, Joghurt-, Dinkel- und anderen Brotsorten. Zusätzlich gibt es etwa "Vollkorn-Zwerge" sowie "Oliven- und Lauchkörberl". Weiter geht es mit Brotzeitschnecken mit Speck oder Lauch sowie Speck-, Nuss-, Paprika-, Chili- oder ganz "normale" Baguettes. Eine komplette Eigenkreation sind die "Greilinger Prügel". Das alles gibt es und grinsend sagt Fichtner "und no a bissl mehra" und hält dem Reporter eine Karte unter die Nase, auf der ihr inzwischen zum Slogan gewordener Spruch steht. "und no a bissl mehra" heißt es auch bei den Kuchen. Um die produzieren und verkaufen zu dürfen, hat Fichtner Ende 2010 noch eine Prüfung der Handwerkskammer abgelegt und ist damit nun in der Handwerksrolle eingetragen. Seitdem bietet sie Käsekuchen in verschiedensten Variationen an, die weitere Palette reicht vom Butter- zum Apfelkuchen, von Rohrnudeln zum Hefe- oder Nusszopf. Die Kuchenrezepte sind alte überlieferte Rezepte von der Tante von Fichtners Mutter.
Etwas ganz besonderes sind "Reginas Brotlikör", "Obergers das ist der Hofname Lieblingslikör" und zurzeit gerade "Obergers Winter-Spezial". Carmen Ehrsam von der "Cocktail House-Manufaktur" im nahen Sachsenkam hat sie zusammen mit Fichtner kreiert und stellt sie her. In Reginas Sortiment gibt es aber auch noch viele weitere Bioprodukte von anderen Erzeugern: "Mein Motto ist: ,Von der Region für die Region?." Und so sind Milchprodukte der Molkerei Berchtesgadener Land "da liefern wir ja auch hin" , Käse von der Naturkäserei Tegernseer Land und vom Thomahof der Familie Seidl im nicht weit entfernten Brandl bei Königsdorf zu finden. Der Thomahof ist bekannt für seine große Produktpalette im Hofladen, Rosmarie Seidl ist Kräuterpädagogin, und so gibt es auch viele Kräuterspezialitäten. Fichtner pflegt beste Kontakte zu ihr und bezieht neben dem Käse beispielsweise auch Wurst, Eier und Wildkräuter. Auffallend im "Back Heisl" ist, dass man überall auf Kühe stößt. Ob in Stoff- oder Porzellanform, auf der Schürze oder als Bilder an der Wand. "Ich habe eine wahre Sammelleidenschaft entwickelt", meint Regina und zählt auf, was sie alles so hat: Tassen, Butterdosen, Servietten, Handtücher und Bettwäsche sind darunter. Von Beginn an ist der Laden gelaufen, immer wieder kommt neue Kundschaft hinzu. "Dieses zweite Standbein ist ausbaufähig, muss aber langsam wachsen", meint Fichtner. Ob frische Brotkreationen oder sonstige Einfälle: "Während der Stallarbeit hat man die zündendsten Ideen." Aber man braucht auch Unterstützung. Und die hat Regina bei ihren Eltern. Von Anfang an war ein Lieferservice angedacht. Das übernimmt der Vater. "Mein Papa macht den ,Brezen-Chauffeur?, und auch Mama hilft mir, wo sie kann", sagt die Tochter in großer Dankbarkeit: "An Mama und Papa a recht a herzlich
s ,Vergelts Gott!? für alles." Sonst hätte sie es vielleicht nicht geschafft, ihren Wunsch zu verwirklichen: "Bäuerin mit Backhäusl". Wer mal vorbeischauen möchte: "Reginas Back Heisl", Tegernseer Straße 2, 83677 Greiling, Tel.: 08041-7953796, Fax 796580; Öffnungszeiten: Donnerstag 16 bis 20 Uhr, Freitag 8 bis 17 Uhr und Samstag 8 bis 13 Uhr.
Werner Hohenauer