Furthammer/Lks. Wunsiedel - Ortsobmännerversammlung beim BBV Wunsiedel kritisiert GAP-Pläne
Informationen aus erster Hand: (v. l.) Oberfrankens BBV-Bezirkspräsident Werner Reihl, Kreisbäuerin Christine Medick, BBV-Geschäftsführer Thomas Lippert und Johann Graf.
© Foto: Reichel
Agrarpolitik, Marktgeschehen und die Verbandswahlen
standen im Fokus der Ortsobmännerversammlung des
BBV Wunsiedel. Der
oberfränkische BBV-Bezirkspräsident und Kreisobmann Werner Reihl gab
nach einem kurzen Rückblick auf das Betriebsjahr einen umfangreichen
Bericht über die Verordnungsentwürfe des Agrarkommissars Ciolos zur
zukünftigen Agrarpolitik.
Die hier verkündeten Rahmenvereinbarungen
müssten aus Sicht der deutschen Landwirte noch erheblich nachverhandelt
werden. Dies seien im Einzelnen: die Neuabgrenzungen der benachteiligten
Gebiete, die Ausweitung von Cross Compliance durch noch mehr neue
Auflagen und noch mehr Bürokratie, die Definition der Bezeichnung des
"aktiven Landwirts" und die Ausgestaltungsvorschläge beim geplanten
Greening. Diese Vorschläge sehen vor, dass mindestens sieben Prozent
Ackerfläche als ökologische Vorrangsfläche aus der Bewirtschaftung
herausgenommen werden müssten. Reihl: "Im Klartext heißt das, wir müssen
eh schon knappes Ackerland stilllegen und dürfen hier weder
Lebensmittel, Futter noch nachwachsende Rohstoffe anbauen."
Weiterhin
soll es ein einzelbetriebliches Grünlandumbruchverbot und den Anbau von
drei verschiedenen Fruchtarten in einem Jahr verbindlich auch für
Kleinbetriebe geben. Zwar klingen diese Vorschläge für die Gesellschaft
sehr plausibel, bringen aber in der Umsetzung für die deutsche
Landwirtschaft enorme Probleme mit sich. Da in den nächsten zwei Jahren
EU-Parlament, Agrarrat und EU-Kommission die Verschläge beraten und
festzurren, gilt es für den Bauernverband, sich mit Nachdruck für
verträgliche Regelungen einzusetzen. Zum Thema "Märkte im Wandel:
Risiken erkennen Chancen nutzen" referierte Johann Graf vom
Generalsekretariat des
BBV aus München. Er definierte den Begriff Risiko
und folgerte: "In jedem Risiko steckt auch eine Chance." Es gelte, das
Risiko zu erkennen, dann zu bewerten und dementsprechend zu handeln.
Die
volatilen Märkte mit ihren immer stärker schwankenden Preisen erfordern
vom
Landwirt eine genaue Marktbebachtung. Er empfahl die
Warenterminbörse als sinnvolles Instrument, negative Preisschwankungen
abzusichern.Dazu stellte er verschieden Modelle vor. Graf resümierte:
"Preise unterhalb der Produktionskosten braucht man sich nicht
absichern. Gilt aber ein Preis der auch eine Wertschöpfung zulässt, so
sei eine Absicherung durch Kontrakte sehr wohl sinnvoll."
Geschäftsführer Thomas Lippert informierte die Landwirte über die
Möglichkeit, Seminare online über ein sogenanntes WEBINAR zu nutzen.
Kreisobmann Werner Reihl bedankte sich am Ende seiner 25-jährigen
Amtszeit bei seinen Ortsobmännern für die Loyalität und die wertvolle
Ehrenamtsarbeit. Am 27.Januar finden die Kreisvorstandswahlen satt.
"Nach einem langen gemeinsamen Weg wird nun im nächsten Jahr ein anderer
Kreisobmann vor Euch stehen, dem ich ebenso wie der zukünftigen
Vorstandschaft alles Gute wünsche", betonte Reihl. (blw)