Donnerstag, 17.05.2012
Eine Dachmarke für möglichst viele
Streitdorf/Niederösterreich - Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf garantiert für Qualität und Herkunft.
Eine Dachmarke für möglichst viele
Gut Streitdorf ist der klangvolle Name einer Erzeugergemeinschaft, unter deren Dachmarke Niederösterreichs Bauern Ferkel, Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen vermarkten. Dipl.-Ing. Werner Habermann von Gut Streitdorf bei Stockerau im Weinviertel über Niederösterreich als Fleischproduktionsland: "Im internationalen Wettbewerb gelten unsere heimischen Betriebe als Zwerge. In Österreich hat der Rinderhalter durchschnittlich 23, in Deutschland 69 und in Brasilien cirka 2000 Rinder. In der Schweineproduktion hält ein
Landwirt in Österreich durchschnittlich 70 Schweine auf seinem Hof, in Dänemark 1500 und in Irland 2000 Schweine." Ing. Johann Nolz, Geschäftsführer der Schweinebörse mit 3600 Landwirten, erläutert: "So wie beim Alpenvorlandrind wird auch beim Tullnerfeldschwein die Herkunft Österreichs ausgelobt, da bei diesen regionalen Qualitätsprogrammen die Ferkel bzw. Kälber in Österreich geboren, gemästet und geschlachtet werden. Die Bauern produzieren für die regionalitätsaffinen Wirte und Gäste, die ihre Bauern kennen möchten. Dieses Vertrauensverhältnis ist die Basis für starke Regionalmarken aus Niederösterreich." Ferkelring, Schweinebörse, Rinderbörse und Schaf-und Ziegenbörse nutzen unter dem Dach von Gut Streitdorf eine gemeinsame Infrastruktur, die in den einzelnen Bereichen so funktioniert:
Ferkelring
Der Ferkelring Niederösterreich wurde 1964 als Genossenschaft gegründet. Die anfänglichen Stückzahlen von einigen tausend ver-kauften Ferkel pro Jahr konnten im Lauf der Jahrzehnte sukzessive auf über 700 000 gesteigert werden. Der Ferkelring ist heute mehr oder weniger ein Dienstleistungsunternehmen mit dem Schwerpunkt Ferkelvermarktung und dem Ziel, in einem durch internationale Konkurrenz sehr schwierig gewordenen Umfeld für seine Mitglieder eine optimale, zeitnahe Vermarktung zu einem marktkonformen Preis sicherzustellen. Weiters gilt es, durch eine dichte Vernetzung mit öffentlichen Stellen, Tiergesundheitsdienst, Futtermittel-und Stallbaufirmen eine entsprechende Beratungsleistung anzubieten, um eine kontinuierliche Produktion von Qualitätsferkeln gewährleisten zu können. Besonders wichtig ist die enge Zusammenarbeit mit den vor-und nachgelagerten Produktionsstufen Schweinezuchtverband, Besamungsstation und Schweinebörse sowie der österreichischen Schweineprüfanstalt in Streitdorf. Gemeinsam wird ständig daran gearbeitet, die genetische Basis für das vom österreichischen Markt verlangte stark bemuskelte, fleischreiche Mastendprodukt zu schaffen, gleichzeitig aber andere wichtige Faktoren wie Fleischqualität oder Tageszunahme nicht zu vernachlässigen.
Schweinebörse
Die Schweinebörse wurde 1979 mit dem Ziel gegründet, dem
Landwirt geregelte Konditionen und Sicherheit zu bieten sowie auch den Abnehmern konstante Mengen und Qualität zu garantieren. Wie bei anderen weltweit bedeutenden Wirtschaftsgütern entstand auch hier das System der Wochenpreise. Die wöchentlich neu verhandelten Preise werden von der Börse garantiert und dienen dem gesamten Markt als Richtlinie. 1996 wurde die NÖ Schweinebörse in das Gut Streitdorf als wegweisende Erzeugergemeinschaft übergeleitet. Ing. Johann Nolz, Geschäftsführer der Schweinebörse freut sich über die Akzeptanz: "Heute ist die bei den Bauern als Börse bekannte Organisation ein starker Partner für alle geworden. Der
Landwirt als Produzent wird vor Ort von Außendienstmitarbeitern und Beratern kostenlos betreut. Die Anzahl der über die Schweinebörse vermarktenden Bauern steigt ständig und umfasst derzeit über 3600 Schweinehalter. So ist nicht nur das Überleben dieser Sparte gesichert, sondern auch der finanzielle Background für die Vielzahl an kostenlosen Leistungen und die Entwicklung neuer Qualitätsprogramme. Dadurch ist auch in Zeiten bewussterer Ernährung und Lebensweisen das Schweinefleisch die absolute Nr. 1 in unserem Land und in noch nie da gewesener Qualität im Handel und in der Gastronomie beliebt."
Rinderbörse
1997 wurde die Niederösterreichische Rinderbörse gleichzeitig mit der Oberösterreichischen gegründet. Man kooperierte wo es sinnvoll war und agierte selbständig, wo Regionalität gefordert wurde. Heute arbeitet die NÖ Rinderbörse eigenständig im Gut Streitdorf aber österreichweit unter dem gemeinsamen Dach der Arbeitsgemeinschaft Rind. Man nutzt also die gemeinsame Stärke aller österreichischen Rinder-Erzeugergemeinschaften ebenso wie die Schlagkraft der Vereinigung mit Schweine-und Ferkelproduzenten im Bundesland. Ein Netzwerk, das dem Handel und Konsumenten hervorragende Fleischqualität ermöglicht und den Bauern trotz kleiner Strukturen neue Perspektiven im großen Europa bietet. Die Rinderbörse unterstützt und fördert jede Gütesiegelproduktion ebenso wie auch die BIO-Schiene oder neue Qualitätsprogramme.
Schaf- und Ziegenbörse
Die NÖ Schaf-und Ziegenbörse wurde 2007 gegründet und bietet Abnahmegarantie, Zahlungsgarantie und flächendeckende Betreuung. Hauptaufgabe der Börse ist es die ganzjährig anfallende Anzahl an Tieren zu vermitteln, die Vermarktung zu koordinieren und bestmögliche Preise bei den Abnehmern zu erreichen. Weiters werden aber auch Werbeaktivitäten wie Verkostungen und Schulungen gesetzt, um den doch sehr niedrigen Pro-Kopf-Verbrauch an Lamm-und Kitzfleisch in Österreich zu steigern. Die Börse ist Partner einiger Betriebe im Lebensmittelhandel wie zum Beispiel Spar oder Rewe und beliefert deren Qualitätsprogramme. Auch die Börse selbst entwickelt und betreibt Marken- bzw. Qualitätsprogramme, zum Beispiel die Marke "Donauland Lamm", die schon bei einigen Gastronomielieferanten erfolgreich eingeführt wurde. Dipl.-Ing. Werner Habermann von der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf beschreibt die Marke Donauland Lamm: "Ausschließlich in Niederösterreich geborene, gemästete, geschlachtete und zerlegte Lämmer gezielt ausgewählter Schafbauern dürfen dieses Siegel tragen. Und das nur, wenn sie auch sonst alle Qualitätsparameter des Programmes erfüllen. So darf ein Donauland Lamm bei der Schlachtung maximal sechs Monate alt sein, das garantiert die Zartheit des Fleisches und ein delikates Aroma. Im Gegensatz dazu ist das Schlachtalter bei importiertem Junglamm mit rund neun Monaten oft deutlich höher. Das Schlachtgewicht von mindestens 18 und maximal 24 kg, das ein Donaulandlamm erreichen muss, steht ebenfalls für besondere Qualität. Innerhalb dieser Bandbreite kann der Gastronom nach Vorliebe und Verwendungszweck selektieren!" Ing. Eduard Köck, Obmann der Schaf und Ziegenbörse und Obmann des NÖ Zuchtverbandes für Schafe und Ziegen, beschreibt die Arbeit der über 200 Züchter in Niederösterreich: "Während der ersten drei Monate bleiben die Jungtiere ganz eng bei den Mutterschafen. Neben Milch zählt schon sehr bald auch Heu und etwas Getreide zu ihrer Nahrung. Im Stall sorgt ein kleiner Durchgang, der sogenannte Lämmerschlupf dafür, dass die Kleinen jederzeit in einen abgetrennten Bereich gelangen, wo sie ungestört das Körndl genießen können." Gefüttert wird vor allem Heu und Klee-Silage von den eigenen Weiden sowie verschiedene Getreidesorten und ein paar Mineralstoffe. Natürlich darf der wichtige Salzleckstein nie fehlen. Mit einem Alter von drei bis fünf Monaten sollte das Lamm einen Schlachtkörper von 20 bis 22 kg liefern. Ein optimaler Schlachtkörper hat rund 70 % Muskelanteil, 12 % Fettgewebe und 18 % Knochen.
Prof. Mag. Gerd Rittenauer
Eine Dachmarke für möglichst viele (10.01.2012)
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