Donnerstag, 17.05.2012
Das Subtrat beregnen statt rühren
Göttingen - Hochschule erprobt alternatives Verfahren in der Biogasproduktion.
Das Subtrat beregnen statt rühren
Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim, Holzminden, Göttingen (HAWK) führt eine wissenschaftliche Untersuchung des von der Sauter Biogas GmbH entwickelten Biogasverfahrens durch. Im Gegensatz zu anderen Feststoffvergärungsverfahren handelt es sich bei dem Sauter-Ansatz um eine kontinuierliche Vergärung, das heißt, die frische, ebenso wie die abgebaute Biomasse wird nicht absatzweise, sondern laufend zugeführt und entnommen. Über Verteilung, Druck und Umlaufrate der Besprühung mit der Fermenterbrühe soll es außerdem möglich sein, die Biogasproduktion nachfragegerecht zu steuern.
Bislang existieren sieben Anlagen, die nach dem "Sauter-Verfahren" arbeiten; einige Praxisanlagen wollen das System nachrüsten. Mit ihm sollen sich faserreiche, relativ trockene und schwer abbaubare Rohstoffe wie Grasschnitt, Festmist, Landschaftspflegematerial bis hin zu verholzten Stoffen vergären lassen. Genauso gut geeignet sind, so das FNR, aber auch flüssige Substrate wie Gülle.
Robuste Technik
Interessant ist nach Aussage der Fördergemeinschaft das Verfahren vor allem auch wegen seiner Einfachheit. Die Kreiselpumpentechnik sei störungsarm, Einbauten im Fermenter, etwa die bei der Nassvergärung benötigte Rührtechnik, entfielen ganz. Beim Einsatz der Substrate, aber auch bei der Wahl von Behältermaterial und -geometrie, könnten Bauherren und Betreiber sehr flexibel entscheiden. Dank dieser Eigenschaften sei die Technik nicht zuletzt gut geeignet für den Export in Schwellen- und Entwicklungsländer. Im Projekt der HAWK wollen die Forscher an 200-Liter-Versuchsfermentern, die nach dem Sauterschen Verfahren arbeiten, diverse Daten erheben, auswerten sowie Vergleiche zu bestehenden Feststoffvergärungsverfahren ziehen. Projektpartner sind das Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim und die Sauter Biogas GmbH. Die Wissenschaftler wollen auch den Nachweis erbringen, dass mit dem Verfahren die Gasproduktion bedarfsgerecht gesteuert und so ein Beitrag zur Integration erneuerbarer Energie in den Markt geleistet werden kann. Die Beregnung der Biomasse erfolgt mit dem flüssigen Substrat, das unten aus dem Fermenter entnommen, nach oben gepumpt, dabei erwärmt und über bewegliche Düsen gezielt auf die Feststoffschicht aufgebracht wird. Die Beregnung soll die Verfestigung der Feststoffe verhindern, Stoffwechselprodukte und Mikroorganismen transportieren und Stoffkonzentrationen ausgleichen. Abgebaute Biomasse wird in gelöster Form oder als feine Partikel durch die Beregnung nach unten transportiert und ausgetragen. Bei Feststoffsuspensionen mit sehr geringem Dichteunterschied und hohem Trockensubstanzgehalt kann dem Austrag eine Fest-/Flüssigtrennung folgen, um Fermenterbrühe zurückzugewinnen.
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