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[ » LAND & Forst » Content » Pflanzenbau » Getreide » „Das Verkaufen nicht vergessen“ ]
Donnerstag, 17.05.2012
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Getreide | 13.05.2009

„Das Verkaufen nicht vergessen"

Auf dem Getreidemarkt haben sich in den vergangenen zwei Jahren unglaubliche Preisschwankungen abgespielt. Viele Getreidevermarkter haben in dem Auf und Ab nicht nur die Orientierung, sondern mitunter auch viel Geld verloren. Viele Beteiligte müssen sich noch daran gewöhnen, dass jetzt auch der Getreidepreis vom freien Spiel der Marktkräfte beeinflusst und bestimmt wird. Die LAND & Forst hat vor der Saison den Vermarktungsexperten Franz Engelke, Kampffmeyer Mühlen GmbH, um seine Meinung gebeten.

 
„Das Verkaufen nicht vergessen
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„Das Verkaufen nicht vergessen"
Das Risiko, gravierende Verluste bei der Vermarktung des eigenen Getreides zu erleiden, kann jedoch begrenzt werden, wenn man sich umfassend informiert und die wesentlichen Rahmenbedingungen sorgfältig analysiert. Zurzeit ist auf den Terminmärkten eine festere Tendenz festzustellen. Dies wird auf Meldungen zurückgeführt, die über Trockenheit in wichtigen Anbauregionen wie Russland, der Ukraine oder auch Argentinien berichten. Dennoch wird weltweit wieder eine hervorragende Getreideernte prognostiziert, was sich auf die Preisfantasien negativ auswirken dürfte. Was meint der Experte?
 
Die Vermarktungssaison 2008/09 ist aus Sicht der Getreideerzeuger enttäuschend verlaufen. Die Erzeugerpreise konnten aufgrund des großen Angebots teilweise kaum die erhöhten Aufwendungen decken. Wie beurteilen Sie die Situation?
 
Die Vermarktung der Ernte 2008 war extrem spannend. Gestartet sind wir bei den Vorerntekontrakten mit Preisen von über 200,00 Euro/Tonne frei Mühle für B-Weizen. Als die hohen Erntemengen sichtbar wurden, begann eine über Monate andauernde kontinuierliche Talfahrt. Erst zum Jahreswechsel 2008/2009 wurde eine Bodenbildung sichtbar. Neben den hohen Erträgen haben andere, nicht im Agrarsektor liegende Faktoren (Finanzkrise, Wechselkurse, Wirtschaftskrise, etc.) den Markt negativ beeinflusst. Zudem war wieder ein ausgeprägtes Herdenverhalten feststellbar. Der relativ hohe Anteil an Weizen mit einem niedrigen Proteingehalt überschwemmte zuerst den Markt, bessere Qualitäten wurden zurückgehalten. Die Aufgelder für Qualitätsweizen hatten ihren Höhepunkt nach der Ernte. Das zu geringe Angebot von deutschem Aufmischweizen sorgte für reichlich Zufluss an guten Qualitäten aus dem benachbarten östlichen Staaten. Heute ist das Angebot an Futterweizen sehr überschaubar, Qualitätsweizen wird reichlich angeboten. Fazit: positive Vermarktungschancen deutlich über den Herstellkosten waren vorhanden, sind aber häufig nicht genutzt worden. Eine geschickte Vermarktung war der wesentliche Faktor für das Betriebsergebnis auf den Höfen.
 
Wie lautet ihre Markteinschätzung für die nächsten Monate: Sollten die Bauern Lagerware noch vor der Ernte abstoßen oder mit ins neue Wirtschaftsjahr nehmen?
 
Die Getreidebörsen sprechen eine klare Sprache. Der Preisunterschied zwischen den Mai 09- und September 09-Kontrakten liegt aktuell bei weniger als 5,00 Euro/Tonne. Aus kalkulatorischer Sicht ein klares Zeichen zur aktuellen Vermarktung der Ware. Die Preisdifferenz ist geringer als die Kosten für Lagerhaltung, Schwund, Zinsen. Zudem sollte auch das Qualitätsrisiko nicht übersehen werden.
 
Wie stufen Sie die Versorgungssituation momentan bei den Mühlen ein? Sind sie ausreichend mit allen Qualitäten (Weizen und Roggen) versorgt oder gibt es noch in einem Segment Bedarf?
 
Die Versorgung der Mühlen ist aus unserer Sicht gut. Sicherlich gibt es noch einen kleinen Bedarf. Insbesondere die Aussteuerung der Qualitäten sorgt für eine differenzierte Nachfrage. Erstaunlicherweise können wir auch dieses Jahr beobachten, dass die angelieferten Qualitäten gegen Ende des Erntejahres immer besser werden. Beeinflusst wird die Nachfrage sicherlich auch von dem voraussichtlichen Erntetermin. Je früher dieser erwartet wird, um so weniger Nachfrage kommt in den Markt. Bei Roggen sehen wir auch den Anschlussbedarf als minimal an.
 
Die Mühlen haben sich im vergangenen Jahr sehr frühzeitig mit Ware eingedeckt, sodass nach der Ernte kaum noch Kaufimpulse zu erwarten waren. Wie sieht die Kontraktsituation in 2009 aus?
 
Natürlich haben die Mühlen schon Kontrakte für die Ernte 2009 abgeschlossen. Über den Umfang dieser Kontrakte lässt sich nur spekulieren. Die Teilnehmer am Getreidemarkt setzen sich täglich mit dem Markt auseinander und kaufen, wenn es nach ihrer Markteinschätzung von Vorteil ist. In wie weit sich die Mischfutterindustrie und der Exporthandel schon engagiert haben, entzieht sich unserer Kenntnis.
 
Wie beurteilen Sie die weltweite Marktversorgung aus der Ernte 2009 und welche Preise erwarten Sie für Brotgetreide und Futtergetreide im Verlauf des Wirtschaftsjahres 2009/10? Gibt es Hoffnung oder Signale für eine spürbare Preiserholung?
 
Aus heutiger Sicht und bei normalem Witterungsverlauf in den Haupternteregionen steht im neuen Wirtschaftsjahr eine mengenmäßig gute Ernte zur Verfügung. Die Erntemenge sollte ausreichend für den Gesamtbedarf sein. Es wird insgesamt relativ gute Anfangsbestände, sicherlich regional unterschiedlich, geben. Die Versorgungssicherheit wird gewährleistet sein. Preisbestimmend wird auch in der kommenden Kampagne neben der Versorgungsbilanz die Währungsrelation zum US-Dollar sein. Ein fester Dollar, gepaart mit schlechten Qualitäten aus dem Schwarzmeergebiet würde preisbefestigend wirken. Ein schwacher Dollar und geringe weltweite Transportkosten wirken eher preisdämpfend.
 
Unklar ist zudem die Entwicklung der Verbräuche. Sollte es hier zu sinkenden Verbräuchen, aus welchen Gründen auch immer, kommen, wird dies nicht preisbefestigend sein. In der heutigen Zeit können wir auch nicht sicher vor politischen Entscheidungen sein, die den Preis in die eine oder ander Richtung beeinflussen kann. Zusammengefasst gibt es sicherlich einige Gründe für eine geringe Preiserholung, aber auch genug Gründe für ein schwaches Preisniveau.
 
Welchen Rat würden Sie aus heutiger Sicht den Bauern zur Vermarktung ihrer Getreideernte 2009 geben: Vorkontrakte für Teilmengen abschließen; in der Ernte vermarkten; Risiken splitten und Teilverkäufe über die Saison tätigen oder ...?
 
Das kommt ganz auf den Typ an. Haben sie Lust auf Spekulation, den großen Gewinn und können sie es sich leisten, dann hoffen sie auf gute Nachrichten und verkaufen erst dann, wenn diese eingetroffen sind. Seien sie aber auch dann auf der Hut und vergessen in der Hausse das Verkaufen nicht. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sollten sie bei Geboten oberhalb der Produktionskosten Teilmengen verkaufen. Grundsätzlich sollte die Landwirtschaft weniger auf das spekulative Moment setzen. Die Landwirte, die in der Kampagne 2007/08 die Spitze mitnehmen wollten und dann die Ware überlagert haben, lagen betriebswirtschaftlich sicherlich falsch.
 
Nutzen sie das ganze Jahr über die Nachfrage in den einzelnen Qualitätsstufen für eine Verkaufsentscheidung. Der Verkauf von Teilmengen, auch innerhalb der Ernte, vermindert wirtschaftliche Risiken. Es können sich auch Marktentwicklungen einstellen, die einen Preis in der Nähe des Interventionspreises auslösen. Die Landwirtschaft ist es gewohnt, bei anderen Früchten eine Absicherung zu betreiben. Der Rapsmarkt wird wesentlich emotionsloser gehandhabt.
 
Wie beurteilen Sie die Abgabebereitschaft der niedersächsischen bzw. deutschen Landwirte? Wie viel Rohstoff haben die Mühlen aufgrund fehlender Mengen aus dem Ausland bezogen?
 
Die Abgabebereitschaft der Landwirtschaft war sehr differenziert, oftmals als Herdentrieb oder kollektiver Verweigerung. Trotzdem kam es zu keinen Versorgungsengpässen bei Mehl. Die benötigten Qualitäten konnten problemlos aus dem Ausland, zudem noch kostengünstiger eingekauft werden. Die Mengen, die die Mühlen aus dem Ausland beziehen, sind je nach logistischer Anbindung differenziert und können bis zu 20 % des Bedarfes ausmachen. Es zeigt sich, dass es nicht die fehlenden Qualitäten waren, sondern die zu jeweiligen Zeitpunkt fehlende Abgabebereitschaft, die diese zusätzliche Marktmenge nach Norddeutschland haben fließen lassen.
 
Bauen die niedersächsischen Bauern die richtigen Weizensorten für die Mühlenwirtschaft an? Falls nein, wo sehen Sie Handlungsbedarf?
 
Die niedersächsischen Bauern haben erkannt, dass eine richtige Sortenwahl zu einem besseren Betriebsergebnis führt. Der Dialog zwischen Landwirtschaft und Mühlen hat eindeutig positive Spuren hinterlassen. Der Sortenmix hat sich verbessert und die Bedürfnisse der einzelnen Mühlen sind häufig in die Anbauplanung der Landwirtschaft eingeflossen. Diesen Dialog sollten wir weiter führen und noch besser aussteuern.
 
Handlungsbedarf besteht noch bei den Partien aus Überschwemmungsgebieten der Vorharzflüsse. Die Untersuchungen aus dem letzten Jahr haben gezeigt, dass die Höchstgehalte an Schwermetallen zum Teil deutlich über den gesetzlich zulässigen Werten für Mahlgetreide lagen. Partien aus diesen Gebieten müssen entweder vor der Vermarktung beprobt und entsprechend gesteuert werden oder sollten aus Vorsorgegründen nicht in den Lebensmittelkreislauf gelangen. In diesem Punkt ist die Landwirtschaft gefordert.
 
Die leidige Eiweißdiskussion bei der Weizenvermarktung nimmt kein Ende. Wie stehen Sie zu dem Vorwurf, dass die Mühlen an diesem Parameter nur festhalten, um Druck auf die Rohstoffpreise auszuüben?
 
Entscheidend für die Qualität der Mehle ist nicht der Proteingehalt, sondern der Feuchtklebergehalt in Abhängigkeit von der Sorte. Leider gibt es keine Schnellmethode für diesen Qualitätsparameter. Die Bestimmung des Proteingehaltes ist relativ einfach, schnell und hinreichend sicher und damit auch im Erfassungshandel anwendbar. Die Problematik des gerechten Preises für Aufmischware wird bei sortenreiner Anlieferung von großen Partien geringer, da diese einzeln untersucht und bewertet werden können.
 
Den Vorwurf, dass die Mühlen über den Proteingehalt Druck auf die Preise machen, kann ich nicht nachvollziehen. Die Problematik lag weniger in den Aufmischqualitäten, sondern in der normalen B-Ware. Ein B-Weizen mit Proteingehalten unter 12 % kann von einer Mühle nur mit einem erhöhten Anteil an Aufmischweizen eingesetzt werden und hat damit automatisch weniger Wert. Bei normalen Erträgen wird auch dieses Problem wieder geringer
werden.
 
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Keywords Ernte | Gerste | Getreide | Mais | Planzenbau | Weizen | Erzeugerpreise | Getreide | Vermarktung
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