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[ » BLW » Content » Pflanzenbau » Getreide » DBV-Erntebilanz ]
Samstag, 04.02.2012
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Getreide | 25.08.2010

Deutscher Bauernverband zieht magere Erntebilanz 2010

Berlin - Wegen der anhaltenden Wetterextreme ist die Getreideernte noch nicht einmal abgeschlossen und fällt mit 43,9 Millionen Tonnen deutlich niedriger aus als die Vorjahresernte von 49,7 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von 11,8 Prozent.

An den überständigen Weizenähren bilden sich bereits Spinnweben.© Graf
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An den überständigen Weizenähren bilden sich bereits Spinnweben.
© Graf
Selbst der langjährige Durch­schnitt lässt sich in diesem Jahr nicht erreichen. Relativ zum Mittelwert der Jahre 2005 bis 2009 ist die Gesamternte um 4,5 Prozent zurückgegangen. Die Wetterunbillen machten die Ernte zu einer Zitter- und Verlustpartie, berichtete Dr. Klaus Kliem, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses für Getreide und Präsident des Thüringer Bauernver­bandes, auf der heutigen Ernte-Pressekon­ferenz des Deutschen Bauern­verbandes (DBV). Nachdem das Getreide im Juni und Juli durch die extreme Trockenheit bei hohen Temperaturen schnell abreifte, kam die Ernte durch die ergiebigen Niederschläge im August wochenlang zum Erliegen, was zu Auswuchs führte. Neben Ertragsein­bußen ist die Ernte 2010 daher von Qualitätsverlusten geprägt, erklärte Kliem.
Positiv entwickelten sich dagegen nach den Tiefständen des letzten Jahres die Getreide­preise. Während der Preis für eine Tonne Brotweizen im März dieses Jahres im Bundes­durchschnitt noch bei 107 Euro lag, beträgt dieser aktuell 181 Euro. Der Preis für eine Tonne Raps lag im Winter 2009/10 durchschnittlich bei gut 260 Euro; aktuell liegt er mit knapp 355 Euro deutlich über diesem Niveau. Jedoch müssen die Landwirte Kostensteigerungen durch die erschwerten Erntebedingungen und die aufwendige Trocknung des Getreides vor der Einlagerung verkraften. Zudem profitieren die Landwirte nach Aussage Kliems nicht vollständig von diesen Preissteigerungen, da Getreide und Raps bereits über Vorkon­trakte, d.h. vor der Ernte und damit zu niedrigeren Preisen, vermarktet wurden.
Als Ursachen für diese Preisentwicklungen verwies Kliem vor allem auf die Einflüsse der internationalen Märkte. So wurden be­dingt durch die Hitzewelle im Juli Ernteprognosen mehrmals nach unten korrigiert. Meldungen über Ernteausfälle in Russland ließen vor allem die Weizen­preise steigen. Als Russland dann als einer der führen­den Weizenexporteure einen Export­stopp verhängte, er­reichten die Weizenpreise ihren ersten Höhepunkt. Auch haben Spekulationen die Preise an den Börsen angeheizt. Jüngst bestimmen Un­sicherheiten über die Qualitäten des Getreides das Marktgeschehen, vor allem über das Aufkommen von hochwertigem Brotgetreide.
Die Ernteergebnisse der einzelnen Kulturen zeigen folgendes Bild:
Die Erntemenge der Wintergerste liegt in diesem Jahr mit 8,6 Millionen Tonnen knapp 15 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Dies geht auf die Reduzierung der Anbaufläche um knapp 9 Prozent und auf einen Rückgang des Ertrags pro Hektar auf 6,5 Tonnen zurück. Die Hektarerträge variieren jedoch deutlich von 5,3 bis 8,1 Tonnen pro Hektar. Auch das Korngewicht weist in diesem Jahr mit Hektolitergewichten von teils weniger als 60 Kilo­gramm bis zu 70 Kilogramm pro Hektoliter eine große Schwankungsbreite auf. Die Erzeuger­preise liegen überwiegend bei 130 bis 160 Euro pro Tonne.
Die Anbaufläche von Sommergerste, die in erster Linie als Braugerste Verwendung findet, ist im zweiten Jahr in Folge rückläufig. Durch den gleichzeitigen Rückgang des Ertrags pro Hektar um gut 12 Prozent gegenüber 2009 sind insgesamt nur noch 1,7 Millionen Tonnen Sommer­gerste geerntet worden. Das Vorjahresergebnis lag noch bei 2,2 Millionen Tonnen. Hinweise auf ge­ringe Vollgerstenanteile haben sich im Verlauf der Ernte bestätigt. Auch die Proteingehalte streuen verhältnismäßig stark. Gegenüber 2009 haben sich die Erzeu­gerpreise er­holt. Landwirte erzielen aktuell für eine Tonne Sommergerste zwischen 150 und 180 Euro.
Winterraps gehört mit nahezu 1,5 Millionen Hektar Anbaufläche zu den bedeutenden Acker­kulturen in Deutschland. Die Erträge erreichen in diesem Jahr das Niveau des Vorjahres nicht. Insgesamt wurden 5,6 Millionen Tonnen geerntet. Das entspricht einem Rückgang der Erntemenge um knapp 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bezogen auf einen Hektar wurden damit in diesem Jahr nur 3,8 Tonnen bei Ölgehalten von 40 bis 44 Prozent geerntet. Die Erzeugerpreise haben sich positiv entwickelt und liegen derzeit bei 320 bis 370 Euro pro Tonne.
Beim Winterweizen, der wichtigsten Getreidekultur in Deutschland, sind bis heute große Teile noch nicht geerntet. Nach den bisherigen Erkenntnissen liegt die gesamte Erntemenge bei 22,7 Millionen Tonnen, welche damit 9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres von 24,9 Millionen Tonnen liegt. Die Erträge pro Hektar sind gegenüber 2009 um gut 11 Prozent geringer. Qualitativ wird der Weizen in diesem Jahr durch einen hohen Anteil von Schmachtkorn beeinträchtigt. Ernteverzögerungen führten zu Auswuchs und Qualitätsein­bußen. Dies zeigt sich an sinkenden Fallzahlen. Teilweise liegen die Fallzahlen nur noch im Bereich von 100 bis 150 Sekunden, regional sogar unter 100 Sekunden. Die Erzeuger­preise bewegen sich derzeit im Bereich von 150 bis 200 Euro pro Tonne.
Auch die Erträge und Qualitäten von Roggen haben unter den Wetterextremen der diesjährigen Erntesaison gelitten. Die Ertragseinbußen bei Roggen betragen gegenüber dem Vorjahr 1,1 Tonnen pro Hektar. Das entspricht einem Rückgang von 19,5 Prozent. Da zugleich auch die Anbaufläche um gut 12 Prozent reduziert wurde, liegt das diesjährige Ernteergebnis bei 3 Millionen Tonnen. Die Qualitäten sind aufgrund der schlechten Erntebedin­gungen ebenfalls nicht zufriedenstellend.
Auf Mais haben sich die Niederschläge der vergangenen Wochen dagegen positiv ausge­wirkt. Vielerorts konnten sich die Bestände noch erholen. Von einem Biomasseertrag wie in anderen Jahren ist dennoch nicht auszu­gehen. Nun bleibt abzuwarten, wie sich die Kolben bis zur Ernte entwickeln können.
Prägend für die diesjährige Frühkartoffelkampagne waren knapp versorgte Märkte. Nach aktuellen Schätzungen blieb die Erntemenge 15 bis 20 Prozent hinter dem Durchschnitt der Vorjahre zurück. Geforderte Sortiergrößen konnten oft nicht eingehalten werden. Die Preise ließen die Erzeuger jedoch etwas aufatmen. So lagen die Preise mit 40 Euro für eine Dezitonne Mitte Juli weit über den Preisen des Vorjahrs. Dieser erfreulichen Entwick­lung stehen allerdings die hohen Kosten für die Beregnung gegenüber. Für die Haupternte gehen die Kartoffelerzeuger derzeit in vielen Regionen von Einbußen zwischen 10 und 20 Prozent gegenüber den 11,6 Millionen Tonnen 2009 aus.
Bei der wichtigsten Obstkultur, dem Apfel, haben die un­günstigen Witterungsbedingungen im Frühjahr und Hagelschäden zu einer kleineren Apfel­ernte beigetragen. Nach derzeitiger Kenntnis wächst in Deutschland eine Apfel­ernte von rund 890.000 Tonnen heran, was einer um 17 Prozent verringerten Erntemenge gegenüber dem vergangenen Jahr entspricht.
Auch bei den Kirschen werden gegenüber dem Vorjahr deutlich niedrigere Erträge erwartet. Die Süßkirschenernte dürfte bei knapp 30.000 Tonnen und die der Sauerkirschen bei rund 21.000 Tonnen liegen. Anders als im Vorjahr konnten die Sauerkirschen in diesem Jahr zu­mindest zu kostendeckenden Preisen vermarktet werden.
Die Erdbeerernte ist aufgrund der kühlen Witterung verzögert gestartet und hat dann mengenmäßig nicht mehr aufholen können. Das Vor­jahresergebnis von rd. 150.000 Tonnen wird wohl um ca. 10.000 Tonnen verfehlt. Ein gleichmäßiger Saisonverlauf hat zu einer guten Markt­verteilung und einer ausgeglichenen Ver­sorgungslage über die Saison geführt.
Auch bei Gemüse begann die Ernte 2010 bei fast allen Kulturen später als im lang­jährigen Durchschnitt und bescherte – so insbesondere auch beim Spargel – der Saison 2010 einen schlechten Start. Die Spargelernte 2010 dürfte um 90.000 Tonnen gelegen haben und damit etwa 10 Prozent unter dem Vorjahr. Nach dem katastro­phalen Jahr 2009 zeigten sich die Erzeugerpreise eher freundlich. (pd)
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