Donnerstag, 17.05.2012
Einsparen und Effizienz steigern
Creußen/Lks. Bayreuth - Creußener Bauerntag im Zeichen der Erneuerbaren Energien.
"Die Energie kommt von den Bauern": Rainer Prischenk (r.), und Karl Lappe informierten.
© Foto: Fuchs
"Superpotenziale" für regenerative Energien bescheinigte der Landwirtschaft Rainer Prischenk, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken in Bayreuth. Beim Creußener
Bauerntag stellte Prischenk die breite Palette an regenerativer Energieerzeugung vor, mit denen sich die Lehranstalten derzeit beschäftigen. "Einsparen, Effizienz steigern und erneuerbare Energien einsetzen", das könne die Landwirtschaft ganz besonders gut. Wie das genau geht, das führten die Lehranstalten anhand zahlreicher Projekte vor. Dabei verschwieg Prischenk nicht, dass so manche Anlage auch Risiken berge und eine genaue betriebswirtschaftliche Betrachtung unabdingbar sei. Biogasanlagen etwa könnten zwar ein hervorragender Zuverdienst sein, allerdings keine Lizenz zum Gelddrucken. Man benötige freie Flächen, ein durchdachtes Abwärmekonzept, aber auch viel Zeit, denn eine derartige Anlage sei kein Selbstläufer, warnte er und gab allen Interessierten mit auf den Weg, dass sie täglich zwischen 30 und 50 Komponenten genauestens dokumentieren müssten, um den Prozess effektiv zu managen. Als nach wie vor wichtigste Frucht zur Energieerzeugung bezeichnete der Leiter der Lehranstalten den Mais. Entgegen landläufiger Meinung stellte Prischenk aber auch klar, dass Deutschland von einer Maiswüste weit entfernt sei. Trotzdem führe der Lehrstuhl für Pflanzenökologie an der Universität Bayreuth zusammen mit den Lehranstalten derzeit ein Pilotprojekt durch, in dem erforscht werden soll, welche Wildpflanzen-Dauerkultur für die Biogasproduktion geeignet ist und welche Pflanzen dabei besonders als Biogassubstrat in Frage kommen. Die Becherpflanze (Silphium perfoliatum) stellte Prischenk dabei ganz besonders heraus. Bei der Becherpflanze sei nur einmal eine Aussaat erforderlich, danach ergäbe sich mindestens eine 15-jährige Standzeit. Sie sei zudem weniger frostempfindlich, mache keinen Zwischenfruchtanbau erforderlich, Krankheiten oder Schädlinge seien bislang nicht bekannt und der Boden werde nur wenig verdichtet, da er nur zwei Mal pro Jahr befahren werden muss, bei der
Düngung und bei der Ernte. Freilich gibt es auch Nachteile gegenüber dem Mais: So seien Erträge erst ab dem zweiten bis dritten Jahr zu erwarten, da die Bestände erst dann ausreichend dicht sind. Als besonders effektiv, umweltgerecht und renditestark bezeichnete Prischenk schließlich die Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen. In Sachen Windkraftanlagen riet er allen Landwirten, nicht ins Blaue hinein zu planen und auch bei kleinsten Anlagen vor der Errichtung professionelle Windmessungen vorzunehmen. "Besser 1000 Euro für ein negatives Gutachten ausgegeben, als 25 000 Euro für eine ganze Anlage." Zuvor hatte Kreisobmann Karl Lappe den Atomausstieg als mutig bezeichnet. Ohne die Bauern werde die Energiewende allerdings nicht zu schaffen sein, denn ihre Flächen werden dringend gebraucht.
shf
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