Berlin - Die Ernte 2010 ist weiterhin durch einen schwierigen Witterungsverlauf geprägt: Führte die von Mitte Juni bis Ende Juli anhaltende Trockenheit bei hohen Temperaturen zu einer schnellen Abreife des Getreides mit zügigem Ernteverlauf, geht die Ernte derzeit aufgrund der Niederschläge nur noch schleppend voran, erklärte der Deutsche Bauernverband (DBV) in seiner 2. Erntemeldung.
Ernte 2010 durch Regenfälle teilweise unterbrochen
Auch würden sich die Sorgen der Bauern
mehren, dass durch die nunmehr feuchte und schwüle Witterung die Gefahr von
Qualitätseinbußen bei Getreide wächst.
Die Ernte der Wintergerste ist weitgehend abgeschlossen. Eine Ausnahme bilden hier
Schleswig-Holstein und die Spätdruschgebiete Baden-Württembergs und Niedersachsens.
Die Erträge der Wintergerste liegen bundesweit acht Prozent unter dem Niveau des Vorjahres,
mancherorts - Schleswig-Holstein, Teile von Rheinland-Pfalz und in Thüringen - ist ein
Ertragsrückgang von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Da die
Wintergerstenernte vor Einsetzen der Niederschläge schon recht weit vorangeschritten war,
sind die Feuchtegehalte sehr gut und liegen überwiegend bei 14 Prozent, so dass eine
Trocknung des Getreides vor der Einlagerung nicht notwendig war. Die Hektolitergewichte
weisen im bundesweiten Vergleich eine erhebliche Spannweite von 57 Kilogramm pro
Hektoliter (kg/hl) im Minimum in Thüringen bis zu 74 kg/hl in Schleswig-Holstein auf.
Überwiegend werden Hektolitergewichte von 63 bis 68 kg/hl erreicht, was durchaus
zufriedenstellend ist.
Die Erzeugerpreise konnten sich nochmals etwas steigern und liegen
derzeit bei 120 bis 140 Euro pro Tonne.
In Baden-Württemberg, im Süden von Rheinland-Pfalz und im Rheinland läuft, sofern die
Witterungsverhältnisse es zulassen, nun auch die Ernte der Sommergerste. In den übrigen
Regionen steht die Sommergerstenernte am Anfang des Drusches. Die bisherigen
Ernteergebnisse deuten auf Mindererträge von 10 bis 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
hin. Belastbare Aussagen zur Qualität lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht treffen.
Es gibt jedoch bereits Hinweise auf geringe Vollgerstenanteile. Die Erzeugerpreise bewegen
sich im Bereich von 130 bis 150 Euro pro Tonne.
Der Fortgang der Ernte von Winterweizen ist bundesweit sehr unterschiedlich. Im Rheinland
und in Brandenburg wurde bereits mehr als die Hälfte der Flächen gedroschen. In den
Hauptanbauregionen hat die Winterweizenernte dagegen erst begonnen. Zwar lassen die
bisherigen Ergebnisse eine fundierte Einschätzung der Erträge und Qualitäten noch nicht zu,
allerdings deuten sich Mindererträge von etwa 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr an.
Die vielerorts während der Kornfüllungsphase fehlenden Niederschläge haben zu
vermehrten Schmachtkornanteilen und stark schwankenden Hektolitergewichten von 66 bis
80 kg/hl geführt. Zudem sind durch die regenbedingten Ernteverzögerungen
Qualitätseinbußen zu befürchten. Aktuell bewegen sich die weiter steigende Erzeugerpreise
im Bereich von 140 bis 175 Euro pro Tonne.
Auch die Ernte von Roggen hat zwischenzeitlich begonnen. Die wichtigste Anbauregion für
Roggen ist Brandenburg, wo allerdings erst ein Drittel der Anbaufläche gedroschen wurde.
Eine weitere wichtige Anbauregion ist Niedersachsen. Dort wurden bisher höchstens 50
Prozent der Fläche geerntet. Anderenorts hat die Ernte erst begonnen. Dementsprechend
sind die bisherigen Daten zu den erzielten Erträgen wenig belastbar. Sicher erscheint
jedoch, dass auch bei Roggen mit deutlichen Ertragseinbußen gerechnet werden muss.
Im Bereich der Ölsaaten hat zwischenzeitlich auch die Ernte von Raps begonnen. Am
weitesten fortgeschritten ist die
Rapsernte im Rheinland, auf den leichten Böden
Niedersachsens, in Westfalen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Dort wurden in etwa drei
Viertel der Flächen geerntet. In Mecklenburg-Vorpommern mit der bundesweit größten
Ausdehnung des Rapsanbaus wurde dagegen bisher lediglich gut ein Drittel der Rapsflächen
gedroschen. Die bisherigen Ergebnisse lassen auf Ertragsminderungen von etwa 12 Prozent
gegenüber dem Vorjahr bei stark schwankenden Ölgehalten von unter 40 bis 44 Prozent
schließen. Die Erzeugerpreise für Raps bewegen sich derzeit im deutlich erhöhten Bereich
von 320 bis 360 Euro pro Tonne.
Die Maisbestände haben insbesondere auf den leichteren Standorten unter der extremen
Trockenheit gelitten und waren im Massewachstum daher teils erheblich zurückgeblieben.
Lediglich auf den schwereren Standorten mit besserer Wasserversorgung bzw. bei einzelnen
Gewitterschauern während der Hitzeperiode hat sich der Mais besser entwickelt. Die
Niederschläge der vergangenen Tage haben zwar zu einer leichten Entspannung geführt,
das Längenwachstum konnte jedoch vielerorts nicht mehr aufgeholt werden. Daher ist in
diesem Jahr hinsichtlich der Masseerträge von unterdurchschnittlichen Werten auszugehen.
Dies sehen sowohl die Betreiber von Biogasanlagen als auch die Futterbaubetriebe mit
großer Sorge. Insbesondere die Futterbaubetriebe bangen um eine ausreichende
Grundfutterversorgung.
Der 1. (Gras)Schnitt fiel vielerorts nach dem nassen und kalten
Frühjahr quantitativ und qualitativ wenig zufriedenstellend aus, der 2. Schnitt litt unter der
sich anschließenden Hitze. Die langanhaltende Trockenheit erschwerte zudem einen neuen
Aufwuchs. Erst durch die jüngsten Niederschläge entschärft sich die Situation hinsichtlich der
weiteren Grundfuttergewinnung.
Trotz Regen seit Ende Juli bleibt die Lage bei den Kartoffeln angespannt. Bundesweit
werden niedrige Erträge erwartet. Hinzu kommt, dass die Anbaufläche für Speise- und
Veredlungskartoffeln um rund 3 Prozent eingeschränkt wurde. In diesem Jahr ist eine
scharfe Trennlinie zwischen beregneten und unberegneten Flächen zu ziehen. Während auf
gut beregneten Flächen nur 10 Prozent niedrigere Erträge zu verzeichnen sind, werden auf
unberegneten Flächen teils Einbußen zwischen 30 und 40 Prozent erwartet. In
Niedersachsen sind kurz vor Ende der Frühkartoffelsaison bis zu 15 Prozent
Ertragseinbußen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Bei den Speise- und
Veredlungskartoffeln, deren Ernte bald beginnt, zeigen erste Proberodungen große
Unterschiede im Knollenansatz. Bei den Speisekartoffeln werden zwischen 15 und 20
Prozent weniger Ertrag erwartet, der Anteil vermarktungsfähiger Ware wird noch niedriger
liegen, da die Knollen sehr kleinfallend sind. Die Erzeuger hoffen, dass die
Veredlungsindustrie die Größenanforderungen nach unten korrigiert. Die Erzeugerpreise
pendeln um 30 Euro pro 100 Kilogramm und ermäßigen sich nur sehr langsam. Eine
Einschätzung zur Kartoffelernte insgesamt kann noch nicht getroffen werden, da spätere
Sorten noch bis in den September hinein wachsen und auch dann erst überall geerntet wird.
Voraussichtlich wird die Ernte in der Summe ähnlich schwach ausfallen wie im Jahr 2006.
Die Obst- und Gemüseernte schreitet weiter voran. Die Spargelernte ist abgeschlossen und
die Erdbeeren sind über die Mitte der Saison hinaus. Sowohl bei Spargel als auch bei
Erdbeeren waren witterungsbedingt zwar die Erntemengen etwas geringer als im letzten
Jahr, aber dafür waren die Qualitäten sehr gut und die Erzeugerpreise gefestigt. Derzeit
laufen die Kirschen- und Pflaumenernte und die Apfelernte steht in den Startlöchern. Beim
Gemüse ist die Freilandsaison ebenfalls in vollem Gange, so bei Salaten, Kohlen, Möhren,
Kohlrabi und vielen anderen Kulturen. Derzeit sieht es mengenmäßig nach einem normalen
Jahr aus, bei allerdings insgesamt sehr guten Qualitäten. (pd)