Donnerstag, 23.02.2012
Export und Herdengrößen legen zu
Freistadt/Oberösterreich - Rinderzucht in Oberösterreich bleibt weiter auf Erfolgskurs.
Zogen Bilanz über den Neubau des Rinderkompetenzzentrums in Freistadt: (v. l.) RZO-Obmann ÖR Leopold Pargfrieder, LK-Präsident Ing. Franz Reisecker, Landesrat Max Hieglsberger und RZO-GF Dipl.-Ing. Franz Kaltenbrunner.
© Foto: Sterr
Jedes dritte österreichische Rindvieh steht in Oberösterreich. Sowohl die Milchwirtschaft, wie auch die Zucht der Tiere hat sich im Bundesland zu einem wichtigen Standbein der Landwirtschaft und der vor- und nachgelagerten Bereiche entwickelt. Die Zahlen für das abgelaufene Jahr sind, gemäß einer Pressekonferenz im Rinderkompetenzzentrum in Freistadt, sehr zufriedenstellend und auch die Aussichten für das neu begonnene Jahr stimmen zuversichtlich. Über die Entwicklung berichteten RZO-Obmann ÖR Leopold Pargfrieder, RZO-Geschäftsführer Dipl.-Ing Franz Kaltenbrunner, Landesrat Max Hieglsberger sowie LK-Präsident ÖR Ing. Franz Reisecker.
Während sich die Kuhzahl in Oberösterreich insgesamt in den letzten Jahren auf rd. 169 000 Stück leicht verringerte, habe sich die Anzahl der Milchkühe unter Leistungsprüfung innerhalb der letzten drei Jahre sogar um knapp 6000 Tiere auf nunmehr rd. 115 000 Zuchtkühe erhöht, eröffnete LK-Präsident Ing. Franz Reisecker die Pressekonferenz. Und: 69 Prozent aller Milchkühe stünden unter der Milchleistungsprüfung und seien damit die Basis für eine erfolgreiche Rinderzucht. "Gerade die Rinderzucht bietet für kleinere und mittlere bäuerliche Betriebe die Chance durch zusätzliche Wertschöpfung ein entsprechendes Familieneinkommen zu sichern" ist Reisecker überzeugt. Dominierend bei den Rassen seien das Fleckvieh, aber auch die Rassen Holstein-Friesian und Braunvieh würden zu dem guten Ergebnis beitragen. Zudem würden die Milchproduktion und die Rinderzucht noch vor der Rindermast und der Mutterkuhhaltung eine zentrale Stellung einnehmen.
Auf Wachstumskurs
Der Rinderbestand im Mühlviertel liegt derzeit bei rund 209.000 Stück. Damit steht jedes dritte in Oberösterreich gehaltene Rind nördlich der Donau. Der viehstärkste Bezirk Oberösterreichs ist gemäß der vorgestellten Zahlen der Bezirk Rohrbach. Hier sind 66 000 Rinder registriert. Zudem sei Rohrbach auch jener Bezirk Österreichs, in dem seit dem EU-Beitritt die Milchproduktion am stärksten ausgeweitet worden sei. Ablesbar sei dies nicht zuletzt an der zugekauften Milchquote. Diese hat sich zwischen 1995 und 2009 hier um 32,6 Millionen kg erhöht. Der Trend zu größeren Milchviehherden, zu mehr Quote je Betrieb sowie zu moderner Melktechnik sei ungebrochen und habe sich 2011 weiter verstärkt. Dennoch gäbe es nach wie vor Handlungsbedarf: "Betriebliche Wachstumsschritte sind weiterhin notwendig, um im internationalen Wettbewerb wirtschaftlich mithalten zu können, dazu bekenne ich mich ausdrücklich", so LK-Präsident Reisecker. Die durchschnittliche Kuhzahl pro Zuchtbetrieb sei in Oberösterreich von 23,1 Kühen im Jahr 2010 auf 24,1 Kühe im Jahr 2011 gestiegen. Doch im internationalen Vergleich lägen die Betriebe damit noch immer im hinteren Feld. In Bayern betrage die durchschnittliche Kuhzahl in der Herdebuchzucht 38 Kühe, in Niedersachsen gar 62. Beachtlich sei in Oberösterreich die Entwicklung bei der Melktechnik. War vor einigen Jahren der Melkroboter nur bei ganz wenigen Betrieben im Einsatz, so hat seit 2008 eine rasante Entwicklung eingesetzt. Alleine 2011 gingen 28 Melkroboter neu in Betrieb. Der überwiegende Teil der verkauften Zuchtrinder geht mittlerweile in den Export. Dominierte früher der Export nach Italien, so spielt mittlerweile der Export in Länder außerhalb der EU die tragende Rolle. 2011 war diesbezüglich ein absolutes Rekordjahr, da vor allem die Türkei einen enormen Bedarf nach Zuchtvieh hatte und Oberösterreich das ganze Jahr über liefern konnte. Insgesamt konnten aus Oberösterreich ca. 12 000 Stück exportiert werden, davon alleine in die Türkei 7000 Stück. Das hatte auch Auswirkungen auf den Preis: im Sommer wurden für beste Qualität Spitzenpreise bis zu 3.000 Euro je Tier gezahlt. "Die Gründe für diesen außergewöhnlichen Erfolg beim Export liegen vor allem im hohen veterinären Status des österreichischen Zuchtviehs, sowie in der hervorragenden genetischen Qualität der oberösterreichischen Zuchtrinder", erklärte Landesrat Max Hieglsberger. Mit den anderen Gesprächsteilnehmern zeigte er sich einig: "Die Erfolge im Export wären aber nicht möglich ohne moderne Exportställe, wie sie durch Neubauten in Ried und im Vermarktungszentrum Freistadt geschaffen wurden". "Alleine in Freistadt haben seit Eröffnung der neuen Anlage ca. 10 000 Zuchtkalbinnen Oberösterreich verlassen und wurden in 20 verschiedene Länder exportiert. Die Entscheidung des Verbandes, die Versteigerungs- und Verkaufsstallungen des RZO aus dem Stadtgebiet von Freistadt auszusiedeln und eine neue Anlage vor den Toren Freistadts mit erstklassiger Verkehrsanbindung zu errichten, hat sich als richtig herausgestellt," stellte Kammerpräsident Reisecker ergänzend fest.
Platz für 760 Tiere
Die Anlage in unmittelbarer Nähe zur Landwirtschaftlichen Fachschule Freistadt stellten RZO-Obmann ÖR Leopold Pargfrieder und RZO-GF Dipl.-Ing. Franz Kaltenbrunner nicht nur in Zahlen vor, sie begleiteten die Journalisten auch bei einem Rundgang durch das Gebäude. Vier Millionen Euro wurden für das Kompetenzzentrum investiert. Das Gelände umfasst 3,8 ha, die bebaute Fläche ist mit 4800 qm
beziffert und Platz ist für 760 Tiere. In der Mitte des überwiegend aus Holz erstellten Gebäudes befindet sich die Versteigerungshalle mit 560 Sitzplätzen im Ring. Dank Holzbänken, inklusive Holzlehnen, wird wohl niemand über ein kaltes Gesäß klagen müssen. Zwischen dem Exportstall und dem Versteigerungsstall sind die Räume der Übernahme, Waage, sowie Melk- und Waschbereiche angeordnet. Ein zentraler Treibgang verbindet wiederum die gesamten Stallbereiche mit dem großen Versteigerungsring. Der Kälberstall ist mit einem eigenen Versteigerungsring ausgestattet. Über den zentralen Treibgang ist auch der Kälberstall mit dem Versteigerungsring verbunden und somit multifunktional nutzbar.
Michael Sterr
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