Erstmals gab es anstelle der Grußworte am Podium Fragen von Kreisbäuerin Martha Brunnenmeier Fragen an die Ehrengäste, von links Landtagsabgeordnete Brigitte Meyer, Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Sailer, zweiten Friedberger Bürgermeister Roland Fuchs und Landratstellvertreter Peter Feile.
Über 550 Frauen und Ehrengäste kamen zum Landfrauentag des Wittelsbacher Landes in die Friedberger Stadthalle. Aichach-Friedbergs Kreisbäuerin Martha Brunnenmeier hatte für ihren letzten Landfrauentag mit der "Mona Lisa"-Initiatorin und Direktorin des Norddeutschen Rundfunks, Maria von Welser, eine herausragende Referentin gewonnen, die sich Zeit ihren Wirkens für die Stärkung der Frauenrechte einsetzt. Die gebürtige Münchnerin und weitgereiste Journalistin besuchte viele Länder der Welt und berichtete von schrecklichen Zuständen in vielen Ländern der Erde, die vor allem Frauen und Kinder betreffen. Obwohl in Deutschland und Europa die Welt größtenteils in Ordnung sei, forderte von Welser die Landfrauen auf, sich noch stärker einzumischen, um die Welt menschlicher zu machen und zu verbessern. Als stellvertretende Vorsitzende von UNICEF Deutschland liege ihr vor allem auch das unsägliche Schicksal vieler Kinder vor allem in Afrika, aber auch anderen Ländern am Herzen.
Die Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen ist eines der wichtigsten Milleniumsziele und sollte bis zum Jahr 2015 erreicht werden, sagte die Referentin. Könnten sich alle Völker, Zivilgesellschaften und Regierenden weltweit darauf konzentrieren, Geschlechtergleichheit und eine Einsetzung für Kinderrechte als vordringliche Ziele zu behandeln, würden sich viele andere Milleniumsziele wie Bekämpfung von Armut und Hunger, Senkung von Kindersterblichkeit, Aufbau einer globalen Partnerschaft alleine erledigen. Eine gute Ausbildung sei die Voraussetzung für eine menschenwürdigere Gesellschaft. Es sei bekannt, dass überall auf der Welt Frauen länger und oft härter arbeiten als Männer und bekommen auch bei uns noch um rund 20 Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Zwei Drittel der Arbeit werde weltweit von Frauen erledigt, sie produzieren 50 Prozent der Nahrung, in den Entwicklungsländern sind es sogar 80 Prozent. Dafür erhalten sie nach den neuesten Zahlen nur zehn Prozent der Weltlohnsumme und besitzen weniger als zwei Prozent von Grund und Boden. Mehr als 70 Prozent der 1,4 Milliarden Armen der Welt sind Frauen. In den Parlamenten weltweit haben Männer das Sagen, nur gerademal 17 Prozent seien Frauen. Die Chance der Mädchen auf Bildung sei in den Entwicklungsländern dramatisch schlecht. Dabei sei gerade Bildung ein Schlüssel zum Erfolg. Mädchen müssten überall gleichen Zugang zur Bildung haben. Nur selbstbewußte gut ausgebildete Frauen könnten sich durchsetzen. Wenn Frauen mehr Einfluß auf ihre Lebensplanung bekommen würden, ließe sich auch der Teufelskreis von Hunger und Armut durchbrechen lassen, so die kämpferische Aussage der Referentin. In ihrer kleinen Reise um die Welt berichtete sie von dramatischen Zuständen in Afrika mit zwölf Millionen hungernden Menschen. In 42 Schauplätzen der Welt tobten derzeit Kriege und vor allem Frauen sind dabei Opfer von Gewalt. In Afghanistan, so Maria von Welser, würden Frauen von den Taliban schlechter als Tiere behandelt. Aber auch bei uns seien noch rund 2,5 Millionen Kinder von Kinderarmut betroffen. Alleinerziehende Mütter lebten bis zu 40 Prozent von Hartz IV. Es dürfte keine Billig- sondern Mindestlöhne geben, erklärte von Welser. Und weiter: es fehle an Kinderkrippen und Kindertagesstätten. Die Frauen müssten ihrer Verantwortung noch mehr gerecht werden, die Referentin forderte mehr Frauen in den Parlamenten. Unter dem Thema "Von innen gestärkt für Neues offen", ermunterte von Welser die Landfrauen, die eine enorme Kompetenz hätten, noch stärker Einfluß zu nehmen im öffentlichen Leben, sich engagieren, denn mit vereinten Kräften könne viel bewegt werden. Schon der Landfrauenchor, der den Tag der Landfrauen einleitete, sang "wir sind Frauen auf dem Land und können viel bewegen", davon zeigte sich die Referentin begeistert. In einem Rückblick durch die Zeitgeschichte machte Kreisbäuerin Martha Brunnenmeier einen rasanten Wandel aus. Vieles habe sich im Leben der Landfrau und auf den Betrieben verändert. Dies gelte in der täglichen Arbeit, die heute viel von Bürokratie und Dokumentation geprägt sei ebenso wie bei der Ausbildung. Das Bild einer klassischen Bäuerin finde man kaum mehr vor.
Früher gab es in der Fachbildung die Hauswirtschaftsschule, heute übernehme die Teilzeitschule die Ausbildung für die Tätigkeiten der Bäuerin für Betrieb und Haushalt. Früher wurden beim Bauernverband die Ortsbäuerinnen gar nicht gewählt, mit Blick auf die jüngsten Wahlen konnte die Kreisbäuerin feststellen, dass es wieder gelungen sei, in fast allen Ortsverbänden eine Ortsbäuerin zu wählen. Ein großes Anliegen in den letzten sechs Jahren der Landfrauenarbeit war ihr als Kreisbäuerin die Gesundheitsoffensive mit vielen Fachvorträgen. Die Frauen leisteten einen wichtigen Beitrag dazu, dass das Leben in Familien, Dorf und Gesellschaft lebenswert bleibt. Deshalb wolle sie allen mit auf den Weg geben: "Achtet auf Euch und seid Euch Eures Wertes bewußt!" Jedes Jahr wird auf dem Landfrauentag auch für einen sozialen Zweck gesammelt, heuer konnte die Kreisbäuerin den stolzen Betrag von 2341 Euro an die Dorf-und Betriebshelferstationen im Landkreis übergeben.
Franz Hofner
Was die Landfrauen von den Ehrengästen alles erfahren konnten:
Landtagsabgeordnete Brigitte Meyer setzt ihre Schwerpunkte im Sozialausschuss für die Kinderbetreuung mit der Anpassung des Betreuungsgesetzes. Eine Riesenherausforderung stellt für sie der Bereich der Pflege dar. Der Beruf des Altenpflegers sollte noch attraktiver gemacht werden.
Landratstellvertreter Peter Feile hält den Stellenwert der Landwirtschaft im Landkreis für ganz beachtlich. Die Landwirtschaft präge unseren Landkreis, sie sei ein Stück Markenzeichen des Wittelsbacher Landes, sagte er. Mittlerweile gebe es schon 105 Biogasanlagen und er sehe auf dem Gebiet der Energieerzeugung durchaus noch Entwicklungsmöglichkeiten. Bei der Windenergie sollte eine geeinsame Lösung angestrebt werden, um eine Verspargelung der Landschaft zu verhindern. Landwirt zu sein, sei heute ein hochmoderner Beruf, und er könne nur dazu ermuntern, die Höfe herzuzeigen, denn Erzeuger und Verbraucher seien Partner und keine Gegner. Bürgermeisterstellvertreter Roland Fuchs wurde gefragt zur Einstellung zum Flächenfraß durch die Kommunen bei Bautätigkeiten. In Friedberg gab es riesige Ansprüche für neue Baugebiete, trotzdem konnten die Vorgaben der Landesplanung eingehalten werden. Für ihn habe der Begriff der Nachhaltigkeit große Bedeutung. "Wir werden wahrscheinlich enger zusammen rücken müssen", dies gelte auch bei Baulandverfahren. Leitender Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Sailer ist nach eigenen Worten nach einem Jahr seines Wirkens gut angekommen. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mache viele gute Angebote in Sachen Weiterbildung. Die Teilzeithauswirtschaftsschule in Friedberg sei derzeit mit gut 20 Kursteilnehmer belegt, in Schwabmünchen könnten noch Interessierte Frauen aufgenommen werden. Einig waren sich alle Teilnehmer am Podium, dass die Landfrauen im Landkreis eine tolle Arbeit leisten.
FH