Donnerstag, 17.05.2012
Eine gemischte Jahresbilanz
Himmelkron/Lks. Kulmbach - Der BBV beklagt den Entzug landwirtschaftlicher Nutzfläche in Oberfranken.
Werner Reihl, BBV-Bezirkspräsident von Oberfranken, berichtete über Höhen und Tiefen des abgelaufenen Jahres.
© Foto: Fuchs
Die lang ersehnte Konsolidierung der Durchschnittseinkommen auf der einen Seite, teilweise dramatische Auswirkungen der Wetterkapriolen sowie eine miserable Situation bei Ferkelerzeugern und Schweinehaltern auf der anderen Seite: Die oberfränkischen Landwirte blicken mit gemischten Gefühlen auf das vergangene Jahr zurück. "So viele Höhen und Tiefen sind mir in meiner langen Berufspraxis noch nicht untergekommen, wie im zurückliegenden Jahr", sagte der oberfränkische BBV-Präsident Werner Reihl. Der feuchte Herbst 2010, ein harter und überlanger Winter vor einem Jahr, Trockenheit und Hitze im Frühjahr sowie anhaltender Regen im August habe zu teilweise katastrophalen Ernteergebnissen bei vielen Marktfrüchten in Oberfranken geführt. Das Besondere daran ist, dass die Situation auch innerhalb des Regierungsbezirks von Region zu Region, teilweise von Ortschaft zu Ortschaft vollkommen unterschiedlich ausgefallen sei. Die stärksten Ernteeinbußen verbuchte der Bauernverband beim Raps. Hier habe es Ernteausfälle von bis zu 60 Prozent gegeben, sagte Reihl. Viele Flächen hätten überhaupt nicht geerntet werden können. Erhebliche Einbußen habe es zudem für die Winter- und Sommergerste gegeben. Bei Roggen und Triticale seien dagegen nur einzelne Bereiche betroffen gewesen. Sehr gute Ergebnisse gab es dagegen beim Mais und auch bei den Zuckerrüben. Zudem habe der zurückliegende trockene Herbst gute Voraussetzungen für die Ernte der Winterfrüchte geschaffen. Die Saaten hätten sich bislang gut entwickelt, nun bleibe nur noch zu hoffen, dass das
Wetter bis zur kommenden Ernte nicht erneut Kapriolen schlägt. Sorge bereitet den Bauern der Entzug landwirtschaftlicher Nutzfläche beispielsweise durch überzogene Forderungen nach Ausgleichsflächen. Allein in Bayern habe die landwirtschaftliche Nutzfläche um 500 000 Hektar abgenommen. "Das ist mehr, als die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche in Oberfranken", verdeutliche Reihl. Derzeit würden für Infrastrukturmaßnahmen pro Tag rund 20 Hektar "verbraucht". Doch Grund und Boden sind nicht vermehrbar, warnte der Präsident, es sei deshalb höchste Zeit für den gesetzlichen Schutz landwirtschaftlicher Nutzfläche. Auf europäischer Ebene sehe es allerdings derzeit so aus, als würde genau das Gegenteil passieren. Unter dem Stichwort Greening, sehen die bisherigen Vorschläge zur künftigen Agrarpolitik eine Zwangsstilllegung landwirtschaftlicher Fläche von sieben Prozent vor. "Einen derart unverantwortlichen Umgang mit dem knappen Faktor Fläche können wir uns in der heutigen Zeit gar nicht mehr leisten, so Reihl, der die Vorschläge des rumänischen EU-Agrarkommissars Dacian Ciolos deswegen auch heftig kritisiert. Gerade Oberfranken würde aufgrund seiner kleinteiligen Landwirtschaft besonders hart getroffen, denn sieben Prozent würde die Stilllegung von 15 000 Hektar wertvoller Ackerflächen bedeuten. Als weiteres wichtiges Thema bezeichnete Reihl die geplante Neuabgrenzung benachteiligter Gebiete. Während Oberfranken in der Vergangenheit komplett als benachteiligt ausgewiesen war, sollen nach den bisherigen Vorschlägen 30 Prozent aus der Förderung herausfallen. BBV-Präsident Reihl nannte dies "absurd", zumal die französische Champagne auf Grundlage der Neuberechnung als benachteiligtes Gebiet aufgenommen würde. "Das kann kein Mensch mehr nachvollziehen", sagte Reihl.
shf
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