Wien - Die Angst vor einer Finanzkrise sowie der am 9.11. veröffentlichte monatliche WASDE-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates) des US-Landwirtschaftsministeriums USDA und börsentechnische Bocksprünge bestimmten diese Woche die internationalen Agrarrohstoff-Terminmärkte.
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Der WASDE-Report zu den weltweiten Versorgungsbilanzen 2011/12 sieht für Weizen, Mais und Ölsaaten im Vergleich zum Vormonat nur marginale Veränderungen im Verhältnis des Verbrauchs zu den Endbeständen. Er hätte vom Markt als neutral aufgefasst werden müssen, ließ aber zum Beispiel an der Euronext in Paris den Weizenkontrakt für den Frontmonat November am Mittwoch, einen Tag vor seinem letzten Handelstag um EUR 15,25 pro t beziehungsweise 7,5% auf EUR 187,50 pro t in sich zusammenfallen, nachdem er sich die drei Handelstage davor allerdings von etwa diesem Niveau ausgehend noch auf EUR 202,75 aufgeblasen hatte.
Diese kurzfristige Blase beim europäischen Weizenfutures bezog die Luft sicherlich vor allem davon, dass der in Paris traditionell meistgehandelte November-Futures auf den Weizen am Donnerstag dieser Woche seinen letzten Handelstag hatte und es davor zu heftigem Short-Covering, das heißt der Bereinigung von Netto-Short-Positionen von spekulativen "Leerverkäufern ", gekommen war. Denn mit den EUR 202,75 hat sich der November-Weizenfutures auch unnatürlich von dem für den folgenden Liefermonat, den Januar 2012, entfernt, der am Mittwoch sogar leicht im Plus bei EUR 188,- geschlossen hat.
Am 10.11. benahm sich der Pariser November-Weizenfutures wieder "normal " und verabschiedete sich mit einem Plus von EUR 1,- pro t bei EUR 188,50 pro t endgültig aus dem Handel. Der nun als Frontmonat voranstehende Januar-Liefertermin gab allerdings am Donnerstag um EUR 2,- auf EUR 186,- pro t nach - ebenso schlossen alle weiteren späteren Termine im Minus. Damit ergibt sich am Pariser Kursblatt für das weitere Wirtschaftsjahr 2011/12 das Bild eines "inversen " Marktes. Das heißt: Die auf den Frontmonat folgenden Liefertermine bilden anstatt von Zuschlägen, also eines Lagergelds wie quasi "Reports ", ein Szenario eines stetigen Nachgebens der Preise bis zur nächsten Ernte hin ab - die Notierungen sinken bis zum Liefermonat Mai 2012 auf EUR 182,75 pro t, ehe sie erst für November 2012 aus der kommenden Ernte wieder auf EUR 183,25 ansteigen.
Auch auf die Notierungen von Weizen, Mais und Sojabohnen in Chicago hat der WASDE-Bericht am Mittwoch etwas unverständlicherweise Druck ausgeübt, wenngleich an der CBOT nicht so heftig wie auf den Weizen an der Euronext. Dafür ging es aber an der CBOT auch am Donnerstag mit allen dreien teils spürbar weiter bergab.
Dabei hätte der WASDE-Bericht gerade für den Mais in den USA ein bullishes Bild gezeichnet. Denn bei den geringsten Hektarerträgen seit 2003/04 sollen die USA heuer mit 312,69 Mio. t - in der Oktober-Prognose waren es noch 315,81 Mio. t - trotz mächtiger Flächenausweitung eine der schlechtesten Maisernten der letzten Jahre einfahren. Damit werden die Vereinigten Staaten als weltgrößter Exporteur heuer auch dem Weltmarkt mit 40,64 Mio. t um fast 6 Mio. t weniger Mais zur Verfügung stellen können als 2010/11. Laut USDA sollen die Endbestände an Mais in den USA 2011/12 um weitere 7,24 Mio. t auf 21,42 Mio. t oder 7,66% des Inlandsverbrauchs abschmelzen. Damit sollte auch der Maiskonsum in den USA zurückgehen und zwar sowohl für industrielle als auch Futterzwecke.
Die Lücken in den Maisbilanzen - nicht nur in denen der USA - könnte im laufenden Wirtschaftsjahr der reichlich vorhandene Futterweizen schließen. (aiz)