Steinach/Lks. Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim - Mitgliederversammlung des Fleischerzeugerrings Mittelfranken.
Ewald Geißendörfer (2. v. l.), Vorsitzender des FER Mittelfranken, mit den Referenten (v. l.) Uwe Gottwald, Ines Rohr und Willy Fließer.
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Das war deutlich: "Das zurückliegende Jahr verlief enttäuschend. Die Schweinemäster haben hart an der Rentabilitätsgrenze gearbeitet, bei den meisten Ferkelerzeugern kann man von Kapitalvernichtung sprechen." Bei der Mitgliederversammlung des Fleischerzeugerrings Mittelfranken machte der Vorsitzende Ewald Geißendörfer keinen Hehl aus seiner Verdrossenheit und seinem Ärger über die Lage der Fleischerzeuger. Sie sei zu Beginn des Jahres zudem durch "kriminelles Verhalten von außen" stark beeinflusst gewesen: "Wir Landwirte waren zwar nicht die Verursacher der Dioxinkrise, mussten die Folgen aber allein tragen." Obwohl die Futtermittelindustrie "ja von uns Bauern lebt", habe sie die geforderten Rabattaktionen "eiskalt abgelehnt", ihre Mitarbeiter seien "abgetaucht" gewesen, kritisierte Geißendörfer. Mit der Umsetzung der Europäischen Schweinehaltungsrichtlinie ab 2013 werden weitere Probleme kommen, war sich der Ringvorsitzende sicher. Er beklagte, dass die an Landwirtschaftsminister Brunner weitergegebene Bitte, für Landwirte über 60 Jahre, die ihren Betrieb nicht weiterführen wollen, eine Übergangslösung zu finden, negativ beschieden worden ist. Wichtig sei jetzt, zusammen mit der staatlichen Beratung und den Ringassistenten nach Lösungen zu suchen. Während BBV-Direktor Rudolf Fähnlein in seinem Grußwort aufgrund großer Differenzen im landwirtschaftlichen Bereich von einem "neidischen Jahr" sprach, spiegelten die im fachlichen Jahresbericht von Willy Fließer vorgelegten Fakten die "stürmischen Zeiten". Laut dem Fachberater für die Fleischleistungsprüfung ist die Zahl der Mitgliedsbetriebe 2011 um insgesamt 41 auf aktuell 544 (Vorjahr 585) gesunken. (Ferkelerzeugung minus 21 auf 240, Schweinemast minus 18 auf 223, Rindermast minus zwei auf 81). So rasant wie in den Jahren ab 2005 war die Zahl der betreuten Tiere in der Schweinemast nicht mehr gestiegen. "Das Wachstum hat sich deutlich abgeflacht." Immerhin: 354 542 Tiere wurden betreut und damit 3683 Mastschweine mehr als 2010. Das Ziel, heuer wie bereits 2008 und 2009 wieder (über) 30 000 Zuchtsauen zu betreuen, wurde verfehlt: 27 902 waren es in der Ferkelerzeugung (minus 1682 Sauen gegenüber 2010). Und obwohl die "Preissituation für Mastrinder gar nicht so schlecht" gewesen sei, hatte auch hier die Zahl der betreuten Tiere abgenommen: Sie lag bei 8415 (VJ 9401). Der Blick in die Vergangenheit belegte, dass sich seit 2000 die Anzahl der kontrollierten Tiere je Betrieb mehr als verdoppelt hat: von 714 auf jetzt 1590. Aufwärts ging es in der Schweinemast mit den biologischen Leistungen: Marktanforderungen entsprechend, legten die Endgewichte (2010: 122,0 kg, 2011: 122,8 kg) zu und lagen damit erneut über dem bayerischen Durchschnitt von 120,5 kg. "Die Circoimpfung war ein durchschlagender Erfolg", sagte Fließer und untermauerte das mit Fakten wie tägliche Zunahmen (vor der Impfung maximal 711 g, im dritten Jahr nach der Impfung 744 g; Bayern: 758 g) und rückläufigen Verlusten (aktuell: 2,0). Der Muskelfleischanteil von 59,2 Prozent (Bayern: 58,8 Prozent) erreichte heuer wieder das Niveau von 2008. Der Fachberater erinnerte in diesem Zusammenhang aber an die neue Formel bei Magerfleisch und daran, dass höhere Schlachtgewichte auch ein höheres Speckmaß bringen.
Den bayerischen Spitzenplatz belegen die Mitgliedsbetriebe des Fleischerzeugerrings Mittelfranken bei den lebend geborenen (25,7; Bayern gesamt: 24,8) und bei den aufgezogenen Ferkeln (23,0, VJ 22,4; Bayern gesamt 22,2). Mit Zahlen zur Rindermast komplettierte Fließer seinen Bericht: Der vier Jahre dauernde Aufwärtstrend bei der Mast ab Kalb ist heuer eingebrochen; 2010 standen 1618 Tiere in den Betrieben des FER Mittelfranken, 2011 nur noch 1147. Demgegenüber stiegen die Zahlen bei der Mast ab Fresser (2011: 1296, VJ: 1212), bei den Absetzern männlich (2011: 2839, VJ: 2719) und in der Fressererzeugung (2011: 2723, VJ: 2358). Fließers Fazit: Die Mitgliedsbetriebe setzten weiterhin auf Absetzer aus dem Osten. Sie profitierten im Jahresverlauf von der "ganz erstaunlichen Preisentwicklung" durch die Öffnung des türkischen Marktes und Russlands, so dass "ihre Welt vorübergehend in Ordnung war". Vorübergehend, weil die Kosten für Futter und Kalb/Fresser/Absetzer angezogen hatten. Ines Rohr vom Fachzentrum Schweinehaltung Ansbach ging auf die Marktsituation ein "Preise stabil, auf hohem Niveau, Auszahlungspreise bei Schlachtschweinen im guten Bereich" und stellte die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsprüfung vor. Ein Thema, mit dem sich längst nicht alle Betriebsleiter befassen (mögen): Laut Auswertung hatten nur 49 Prozent der Mitgliedsbetriebe, vor allem die größeren, Kontrollen durchgeführt. Gute Erlöse, aber hohe Direktkosten in der Ferkelerzeugung und "extrem unterschiedliche variable Kosten", führte Rohr den Anwesenden vor Augen. Das Auf und Ab bei den Preisen hatten alle Schweinemastbetriebe zu spüren bekommen, aber auch wenn das wirtschaftliche Ergebnis leicht verbessert werden konnte, "zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen der oberen und der unteren Gruppe". Dass sich Verbundberatung in Form besserer Betriebsergebnisse auswirke, machte Uwe Gottwald, Geschäftsführer des Landeskuratoriums der Erzeugerringe für tierische Veredelung, deutlich. Er referierte über "Zukunftsorientierte LKV-Beratung Ringassistenten als Begleiter erfolgreicher Betriebe" und verwies auf den Effekt der Intensivberatung in der Schweinemast: "Jeder hier eingesetzte Euro bringt dem
Landwirt drei bis vier Euro." Der Schlüssel für den Erfolg, so Gottwald, liege eben nicht nur im hohen Umsatz und in hohen Produktpreisen, sondern auch in der Qualität des Betriebsleiters.
Sabine Dähn-Siegel