Gleich mehrere neue Studiengänge bietet die Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur zum Beginn des neuen Wintersemesters an. Welche Chancen sie bei der späteren Berufswahl eröffnen, wollte LAND & Forst von Prof. Dr. Karin Schnitker wissen.
Lernen für Wachstumsmärkte
Bis zum 15. Juli kann man sich für zwei neue Bachelorstudiengänge bewerben. Was erwartet die künftigen Studierenden?
Mit diesen neuen Angeboten will unsere Fakultät noch mehr künftige Fach- und Führungskräfte heranbilden, die in der gesamten Kette der Lebensmittelproduktion Einsatzmöglichkeiten finden können. Bisher gab es in der Ausbildung im Wesentlichen zwei Pole: Entweder schlug man die Richtung der landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Urproduktion ein oder wechselte sozusagen auf die Lebensmittelproduktions- bzw. Verbraucherseite. Mit den neuen Studiengängen schließen wir die Lücken in der gesamten grünen Wertschöpfungskette. Wir sind uns sicher, dass wir mit der Ausbildung zum „Wirtschaftsingenieur Agri- und Hortibusiness“ ebenso den Nerv der Zeit treffen wie mit dem Studiengang „Bioverfahrenstechnik“.
Was muss man sich unter einem Wirtschaftsingenieur Agri- und Hortibusiness vorstellen?
Das ist eine Ausbildung, die sich nach unserer Vorstellung besonders gut für Kinder aus landwirtschaftlichen Familien eignet, die vielleicht nicht den elterlichen Betrieb übernehmen können, aber im vor- oder nachgelagerten Bereich von Landwirtschaft und Gartenbau arbeiten möchten. Aber wir sprechen bewusst auch Menschen mit einer Affinität zur Branche an, die nicht von einem Betrieb kommen. Unternehmen in der Pflanzenzucht, im Landhandel oder in der Landtechnik suchen solche branchennahen Wirtschaftsfachkräfte, die zum Beispiel im Projekt- und Qualitätsmanagement, im Rohstoff-einkauf oder im Produktmanagement eigenverantwortlich tätig sind und dabei über gute Kenntnisse zur Branche verfügen. Absolventen werden aber auch in der Lage sein, Führungsaufgaben in größeren Agrar- und Gartenbaubetrieben zu übernehmen.
Dafür würde eine klassische landwirtschaftliche Ausbildung nicht reichen?
In der Regel nicht, denn die Unternehmen erwarten heute mehr betriebswirtschaftliche Kenntnisse, mehr Fremdsprachen, mehr Wissen über die ganze Lebensmittelkette und mehr organisatorische Fähigkeiten. Gebraucht wird an solchen Stellen etwas weniger Landwirtschaft, dafür mehr Managementwissen. Das ist ja auch schon in den landwirtschaftlichen Großbetrieben die Regel.
Und das lernt man an einer Hochschule?
Das Konzept für den Studiengang, das Praxisexkursionen sowie Praktika und Projekte vorsieht, haben wir in Gesprächen mit mehr als 20 Unternehmen aus der Agrar- und Lebensmittelbranche entwickelt. Es stieß auf gute Resonanz und wurde als sehr zukunftsweisend beurteilt. Für junge Menschen mit Interesse für Wirtschaft, Technik und Biologie bietet das Studium eine attraktive Alternative zu einem reinen betriebswirtschaftlichen oder ingenieurwissenschaftlichen Studium.
Was ist das Besondere an der Bioverfahrenstechnik?
Hier steht die Gewinnung und Nutzung biologischer Wertstoffe im Mittelpunkt. Dazu gehört zum Beispiel die Erzeugung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen und deren Optimierung ebenso wie die Herstellung von Aromen oder Farbstoffen mithilfe von Mikroorganismen. Arbeitsmöglichkeiten bestehen damit praktisch in der gesamten Land- und Lebensmittelwirtschaft. Um die beiden großen Themenfelder Biologie und Verfahrenstechnik erfolgreich zu verknüpfen, kooperiert die agrarwissenschaftliche Fakultät eng mit den Kollegen der Ingenieurwissenschaften und Informatik. Auch bei diesem Studium wird großer Wert auf Praxisnähe gelegt. Außer mit Praktika und Projekten wollen wir diese durch Gastvorträge von Experten aus Unternehmen erreichen.
Auch bei den Masterstudiengängen gibt es Neues.
Ja, denn wir bieten einen ebenfalls innovativen, stark anwendungsorientierten Studiengang „Agrar- und Lebensmittelwirtschaft“ an, bei dem sich Studierende, die bereits über einen Bachelorabschluss verfügen, aus sieben verschiedenen Ausbildungsschwerpunkten das für sie passende Profil wählen können. Das ist ein völlig neuer Ansatz. Man kann sich zum Beispiel für „Controlling in der Nutztierhaltung“ entscheiden oder aber für „Boden, Pflanzenernährung und -schutz“ - jeweils auf die konkreten Berufspläne zugeschnitten. Im zweiten Jahr kann jeder Student individuelle Schwerpunkte durch praxisnahe Projekte und Masterarbeit in Forschungsprojekten oder zusammen mit unseren Partnerunternehmen setzen. Es besteht dabei ein sehr enger Betreuungsschlüssel zwischen Student, Professor und Unternehmen bzw. Einrichtung.
Warum gerade jetzt gleich drei neue Studiengänge?
Zum einen verlangt die Praxis nach gut ausgebildeten Akteuren, die in der Lage sind, Wettbewerbsvorteile zu bewahren und auszubauen. Zum anderen stehen wir Hochschulen vor der Aufgabe, durch den Wegfall des Wehrdienstes und die Verdoppelung der Abiturientenzahlen in den nächsten Jahren mehr Schulabgänger aufzunehmen. Diese Herausforderungen hat die Fakultät zu einer strategischen Neuausrichtung genutzt. Mir persönlich ist aber auch dies wichtig: Die Absolventen der neuen Studiengänge besitzen eine sehr gute berufliche Perspektive in ihrer Heimatregion. Unternehmen der ernährungswirtschaftlichen Metropolregion suchen massiv solche Fachkräfte. Mehr Informationen zu unserer „Future-of-green-Initiative“ gibt es übrigens auf der Internetseite
www.al.hs-osnabrueck.de.