Donnerstag, 17.05.2012
Höhere Wertschöpfung in der Region
Sittendorf/Niederösterreich - Wienerwald Weiderinder beleben und bereichern den Biosphärenpark.
Eine Informationstafel gibt den Wanderern eingehend Auskunft über den Biosphärenpark mit seinen Weiderindern. Leopold Lechner ist einer der Initiatoren des Projekts.
© Foto: Rittenauer
Ein voller Erfolg wurde das "Wienerwald Weiderind", eine regionale Kooperation von Landwirten, Gastwirten und Fleischereien. Leopold Lechner, der in Sittendorf in 600 m Seehöhe Mutterkuhhaltung betreibt und maßgeblich am Gelingen des Projektes beteiligt ist, erläutert die Gründe für das Entstehen des Projekts: "Angesichts des Rückganges der arbeitsintensiven Milchviehhaltung hat die akute Gefahr bestanden, dass die Gründlandwirtschaft im Wienerwald weiter zurückgeht. Es sind daher Alternativen gefragt, die den Interessen der überwiegend im Nebenerwerb geführten Betriebe entgegenkommen. Die Ochsen- und Mastkalbinnenproduktion in Weidehaltung ist ein bewährtes Konzept, wie man tiergerecht, naturschutzkonform und mit relativ geringem Arbeitsaufwand hochwertiges Fleisch produzieren kann." Der stellvertretende Obmann der Bezirksbauernkammer Mödling hat 2002 die Haltung von sieben Milchkühen mit einem Kontingent von 15 000 kg aufgegeben und ist auf Mutterkuhhaltung umgestiegen. Die Wienerwald Weiderinder definiert Lechner so: "Es handelt sich um Mastkalbinnen und Mastochsen, die mindestens 200 Tage auf den Weideflächen des Biosphärenpark Wienerwald verbringen. Im Sommer genießen die Tiere auf über 150 ha Weidefläche frisches Gras und Kräuter und neben viel Bewegung haben sie ausreichend Zeit zum Wachsen, im Winter werden sie in einem artgerechten Laufstall gehalten. Im Alter zwischen 16 und 26 Monaten werden die Tiere nach kurzem Transport stressfrei geschlachtet."
Das Geheimnis der Fleischqualität
Das Geheimnis der besonderen Fleischqualität des Wienerwald Weiderindes beruhen laut Fleischermeister Manfred Höllerschmid, Chef der gleichnamigen Kamptaler Fleischwaren GmbH in Etsdorf /Walkersdorf, auf artgerechter Haltung, bester Fütterung, kurzem Transport, stressfreier Schlachtung sowie langer Fleisch-reifezeiten. "Das Weiderindfleisch ist gekennzeichnet durch die feine Marmorierung, die Zartheit und Saftigkeit sowie durch den ausgezeichneten Geschmack. Das Fleisch wird sorgfältig verarbeitet und reift mindestens 21 Tage lang, was zu seiner einmaligen und unvergleichlichen Qualität führt", erläutert Manfred Höllerschmid mit sichtlicher Begeisterung und Meisterstolz. Am Projekt Wienerwald Weiderind sind 15 Gastwirte beteiligt. Einer davon ist KommR Herbert Bonka, Gast- und
Landwirt in Oberkirchbach, wo die Stammgäste bereits auf das köstliche Weiderind warten:" Leider ist es nicht immer lieferbar, denn bei höchster Qualität übersteigt die Nachfrage oft das Angebot!" Dazu Franz und Wolfgang Winkler, Landwirte in Siegenfeld bei Heiligenkreuz: "Durch die Produktions- und Qualitätskriterien wird die Produktion für den Konsumenten nachvollziehbar gemacht. Das Bekenntnis zur artgerechten Tierhaltung und Fütterung, die Zusammenarbeit mit dem Naturschutz und der kontrollierbare Warenfluss von der Weide bis auf den Teller sind klar ersichtlich. Derzeit sind die Absatzmöglichkeiten größer als das Angebot." Mag. Hermine Hackl, Direktorin des Biosphärenparks mit über 105 000 ha in 51 Gemeinden, sieht eine wachsende Bedeutung der Wienerwald Weiderinder: "Die Ziele des Wienerwald Weiderinds sind, einerseits den Konsumenten ausgezeichnetes Rindfleisch aus regionaler Produktion zu bieten und andererseits die aktive Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Gewerbetreibenden und Naturschutz zu fördern." Die Partner der Initiative zeigen deutlich, dass nachhaltiges Wirtschaften im ökologischen, ökonomischen und sozialen Sinn möglich ist: Durch die Beweidung bleiben die Wiesen als prägendes Element der Landschaft erhalten. Gleichzeitig wird dadurch die Vielfalt der Tier-und Pflanzenarten geschützt. Da alle Betriebe in der Region sind, fallen nur kurze Transportwege an und die Betriebe leisten einen Beitrag zum Klimaschutz. Die einheitlichen Produktions-und Qualitätskriterien sichern tiergerechte Haltung, naturschutzkonforme Produktion und gleich bleibende Fleischqualität. Für die höhere Qualität wird den Betrieben ein höherer Preis gezahlt, wodurch die Wertschöpfung für die Betriebe erhöht wird. Da nur Betriebe aus dem Biosphärenpark Wienerwald an der Initiative beteiligt sind, bleibt die Wertschöpfung in der Region. Die extensive Weidehaltung ist weniger arbeitsintensiv und hat niedrige Produktionskosten. Dadurch kann auch im Nebenerwerb Viehhaltung betrieben werden, was die Erhaltung der landwirtschaftlichen Betriebe ermöglicht.
Prof. Mag. Gerd Rittenauer
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