Auch die Neu-Ulmer Waldbesitzer werden sich umstellen müssen : Mit Blick auf den Klimawandel hat die Fichte auf vielen Standorten als Brotbaum ausgedient.
Und wieder geht ein Jahr zu Ende, auf das die Mitglieder der
Forstbetriebsgemeinschaft Neu-Ulm auf ihrer Versammlung in Biberach
zufrieden zurückblickten: Die Säger suchen Holz, die Preise befinden
sich auf einem stabilen Zehn-jahreshoch und weder Käfer noch Sturm
beeinträchtigten das Geschäft. "Unser Holz ist ein High-techprodukt für
die Wirtschaft und die Gesellschaft", schwärmte FBG-Vorsitzender Josef
Mack. Mehr als ein Drittel der bayerischen Landesfläche besteht aus Wald
und die Hälfte davon gehört den Privatwaldbesitzern. Diese sorgten für
ein vielfältiges Mosaik der Waldlandschaft, sagte Mack. Die
Forstwirtschaft gehöre zu den wichtigsten Branchen in Bayern. Vor fünf
Jahren wurde der Holz-Cluster ins Leben gerufen. Seither seien viele
Netzwerke geknüpft worden, um das Holz als Nachwachsenden Rohstoff zu
profilieren. Dieser hat eine hervorragende Ökobilanz und leistet einen
enormen Beitrag zum Klimaschutz.
Nach dem Aus für den Holzabsatzfonds wurde das Werbebündnis "pro Holz
Bayern" gestartet, gab Mack bekannt. Der Beitrag der FBG Neu-Ulm zu
dieser Werbegemeinschaft belaufe sich auf lediglich fünf Cent/fm
vermarkteten Holzes. "Das tut bei den aktuellen Holzpreisen niemandem
weh." Mack zufolge ist der Fünfcent-Beitrag im Grunde zu gering, denn
"wer nicht wirbt, der stirbt". Weniger Freude als die guten
Stammholzpreise macht den FBG-Mitgliedern der Papierholzpreis.
Mittlerweile gebe es mit der UPM in Deutschland nur noch einen einzigen
großen Abnehmer für dieses Segment, erklärte Mack. Aufgrund der
Marktmacht dieses Unternehmens würden die Verhandlungen zunehmend
schwierig. Deshalb appellierte der FBG-Vorsitzende an die Solidarität
der Mitglieder und riet ihnen davon ab, möglichen Lockangeboten von UPM
nachzugeben und das Papierholz an der FBG vorbei zu vermarkten "sonst
sind wir verkauft". FBG-Geschäftsführer Michael Kölbl mahnte die
Mitglieder, die Intensität ihres Holzeinschlags nicht an folgenden
Fragen festzumachen: Brauche ich gerade Geld, habe ich gerade Zeit?
Ausschlaggebend für den Zeitpunkt und die Menge des Einschlags sollte
vielmehr die Frage sein: Braucht mein Wald den Einschlag und braucht der
Markt mein Holz? Im vergangenen Wirtschaftsjahr hat die FBG Neu-Ulm
laut Kölbl einen Umsatz von rund 2,6 Mio. Euro aus dem Holzverkauf
erlöst. Insgesamt wurden 32 605 Einheiten vermarktet, 31 452 Einheiten
waren es im Vorjahr. Im Einzelnen waren dies (Vorjahresergebnisse in
Klammern): 5187 (3580) rm Papierholz zu 36 Euro/rm, 377 rm Stangenholz
und 2957 rm/srm Brennholz. Angesichts der hohen, immer noch steigenden
Brennholzpreise müsse Schwachholz also nicht unbedingt als Papierholz
vermarktet werden, sagte Kölbl mit Blick auf UPM. An Fixlängenholz
wurden 11 395 (9566) fm über die FBG abgesetzt, Stammholz 10 065 (11
368) fm und sonstigem Nadelholz (Lärche, Kiefer, Douglasie) 739 fm. Das
Laubholz schlug mit 697 (1073) fm zu Buche, mehr als die Hälfte davon
war Pappelholz. Die Attraktivität der Submission nahm noch einmal zu.
Bei der jüngsten Auktion in Leipheim wurden insgesamt 1028 fm verkauft,
von denen 160 (96) fm auf die FBG Neu-Ulm entfielen. Diese wurden mit
rund 64 000 (32 000) Euro vergütet, was einem Schnittpreis von 399 (334)
Euro entspricht. Derzeit gehören der FBG Neu-Ulm 929 Mitglieder mit
einer Waldfläche von insgesamt 5392 ha an. Über 50 Waldpflegeverträge
betreut die FBG 965 ha Waldbesitz. An Zaunmaterial wurden 6700 lfm
bestellt. Dass die Waldbesitzer zunehmend in Richtung Mischwald denken,
zeigen die Pflanzenbestellungen für die Aufforstung. Im letzten Jahr
kauften die FBG-Mitglieder 40 129 Nadelholzsetzlinge (Anteil von 42,2 %,
Vorjahr 43,6 %). Demgegenüber wurden 54 993 Laubholzpflanzen bestellt
ein Anteil von 57,8 %. Der Leiter des Bereichs Forsten am AELF Krumbach,
Peter Birkholz, ging auf die Förderpolitik des Freistaats ein. Probleme
habe es im letzten Jahr mit der Förderung der Jugendpflege gegeben.
Hier sei für jede Baumart ein eigenes Behandlungskonzept erforderlich,
die Abgrenzung zwischen jungen und alten Bäumen bereite zuweilen
Schwierigkeiten ebenso wie die Abgrenzung zwischen Jugendpflege und
Jungdurchforstung alles Punkte, die für die Förderung entscheidend
seien. Die Forstbeamten helfen draußen vor Ort, dass hier eine
eindeutige Entscheidung getroffen werden kann, versicherte Birkholz. Sie
würden dabei ihren Ermessensspielraum so weit wie möglich nutzen, ihn
aber nicht überstrapazieren, um keine Präzedenzfälle zu schaffen. Was
die Förderung betrifft, gelte also: "Die Finger von allem lassen, das
zweifelhaft ist." Birkholz erinnerte daran, dass 2012 wieder die
Vegetationsgutachten anstehen diesmal allerdings mit der Möglichkeit,
auf Antrag der Jagdgenossenschaften revierweise Aussagen zu treffen.
Dadurch könne der Revierleiter besser abschätzen, ob das
Waldverjüngungsziel bei der aktuellen Verbisssituation zu erreichen ist.
So könne die Diskussion um die Abschusszahlen zielgerichtet geführt
werden. Mit Blick auf das Eschentrieb-sterben, mochte Birkholz den
Waldbesitzern nicht empfehlen, Eschen anzupflanzen. Die Entnahme kranker
Bäume oder das Ausschneiden von Kulturen könne die Infektionswege aber
nicht unterbrechen.
In seinem Holzmarkbericht blickte der Forstliche Berater der FBG
Neu-Ulm, Peter Schaffner, auf ein ruhiges Jahr zurück. In Bayern würden
derzeit jährlich nur 17 Mio. fm Holz eingeschlagen, obwohl 20 Mio.
möglich wären, ohne die Nachhaltigkeit zu gefährden. Für Fichte der
Klasse B 2b bezahlen die Sägewerke derzeit 100 bis 105 Euro/fm eine
Folge der nicht ausgelasteten Sägekapazitäten. Auf der anderen Seite
führen die hohen Holzpreise dazu, dass immer mehr Sägewerke aufgeben.
Laut Schaffner war die Binnennachfrage im ersten Halbjahr des
zurückliegenden Wirtschaftsjahrs zwar recht gut, doch der Export lief
aufgrund der Wirtschaftskrise nur auf niedrigem Niveau. EU-weit habe der
Laubholzmarkt um 14 % angezogen. Für Eiche und Esche bestehe eine gute
Nachfrage mit guten Preisen. Diesen Trend sollten die Waldbesitzer durch
Einschlag nutzen, mahnte Schaffner an. Buchenstammholz sei bei derzeit
120 bis 140 Euro/fm wenig nachgefragt, während sich schwächeres
Buchenholz hochpreisig als Brennholz absetzen lasse. Für das neue Jahr
erwartet der Berater stabile Holzpreise falls kein großes Sturmereignis
einen Strich durch die Rechnung macht. (blw)