Hammelburg/Lks. Bad Kissingen - Zum vierten Mal Genuss mit heimischen Spezialitäten in Hammelburg.
Arbeiten in den Katakomben: Doris Zeitz sowie ihre Helferinnen und Helfer freuen sich schon auf das nächste Mal, wenn wieder heimische Spezialitäten zum Fränkischen Wein in Hammelburg gereicht werden können.
"Das einzige Mittel, Zeit zu haben, ist sich Zeit nehmen." Mit diesen Worten eröffnete Matthias Büttner, Geschäftsführer des Winzerkellers Hammelburg, eine kulinarische Weinprobe mit Doris und Walter Zeitz vom Sturmiushof in Diebach. Bereits zum vierten Mal wurde ein solches Event zum Jahresbeginn im Bocksbeutelkeller des Roten Schlosses angeboten. Und wie bei den vorangegangenen Abenden waren die 90 reservierten Plätze bereits im Advent ausverkauft. Weil das Ambiente zwar idyllisch, die Arbeitsbedingungen hinter den Kulissen jedoch nicht optimal sind, haben sich Doris und Walter Zeitz "das ganze Jahr über Gedanken gemacht, was wir als Menü anbieten". Schließlich muss ein großer Teil der Vorbereitungen zu-Hause auf dem Sturmiushof laufen, weil es vor Ort keine Küche gibt. Das "zarte Schmorsteak vom Sturmiushofer Weidejungrind begleitet von sautiertem Wintergemüse und gebackenen Fingernudeln" kam bei den Gästen trotzdem heiß an. "Sehr fein" fand Hans-Werner Bunz von slow food Schweinfurt vor allem auch die Sauce, für die dieselbe Öko-Regent-Spätlese verwendet wurde, die neben einer Silvaner-Spätlese auch zum Hauptgericht gereicht wurde. Was slow food überhaupt ist, erklärte Bunz nach dem Hauptgericht. "Unsere Non-Profit-Organisation ist erst 25 Jahre alt und heute bereits mit über 100 000 Mitgliedern in 153 Ländern vertreten", berichtete Hans-Werner Bunz, der in der Leitung des Conviviums Hohenlohe-Tauber-Main-Franken mitarbeitet. "Convivium bedeutet eigentlich Gastmahl", sagte er. In den Convivien sind regionale Gruppen zusammengeschlossen, die sich zum Beispiel um Lebensmittel kümmern, die vom Aussterben bedroht sind. Beispielsweise die alte fränkische Kartoffelsorte "Bamberger Hörnla", das Rhönschaf, der Limburger Weideochse, aber auch Ostheimer Leberkäs oder der Rotwein Tauberschwarz aus dem Taubertal finden sich in der "Arche des Geschmacks". "Es geht nicht nur ums Essen, es geht um mehr", sagte Bunz, der besonders betonte, dass auch die Erzeuger solcher Lebensmittel davon leben können müssen. "Slow food" setze klare Zeichen gegen die Lebensmittel-Industrie und gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln. "Massenproduktion ist in weiten Teilen verachtend", sagte er, der ein Bekenntnis zu Tafelrunde und Gemeinschaft ablegte.
"Slow food ist die Stimme der Kleinbauern und Lebensmittel-Handwerker", sagte er und nannte es einen Skandal, dass eine Milliarde Menschen hungern muss, während weltweit Lebensmittel produziert werden, die für zwölf Mrd. Menschen ausreichen würden. Ein großes Anliegen ist "slow food" deshalb beispielsweise die Verwertung des sogenannten fünften Viertels, also von Innereien und Knochen, die derzeit vielfach weggeworfen werden. Gemeinsam mit Walter Zeitz, der sich auch als Ringassistent und in der Bayerischen Direktvermarkterkonferenz einen Namen gemacht hat, arbeitet Bunz daran, auch das Fränkische Gelbvieh in die Arche des Geschmacks aufzunehmen. Ganz vorsichtig versuchte Zeitz, die Gäste bei der kulinarischen Weinprobe für die Probleme der heimischen Landwirtschaft zu sensibilisieren. Dabei konnte man auch die Fortsetzung des Spruchs "was der Bauer ned kennt..." erfahren. Zeitz meinte: "Wenn der Städter wüsste, was er frisst, würde er ganz schnell Bauer werden."
Ludwiga Friedl