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[ » BLW » Content » Regionen » Österreich » Ohne Milch gibt es kein Grünland ]
Mittwoch, 23.05.2012
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Österreich | 06.12.2011 Redaktion BLW

Ohne Milch gibt es kein Grünland

Beim Umweltgespräch zum Thema "Ohne Milch kein Grünland" im Salzburger Heffterhof wurde deutlich, dass der Stellenwert des Grünlands noch zu wenig bekannt ist. Ziel der Fachtagung war es, die Notwendigkeit der Bewirtschaftung des Grünlands zur Erhaltung der Kulturlandschaft bewusst zu machen.
Beim Mulchen steht den Kosten nicht nur keine Leistung gegenüber, sondern es leidet auch die Artenvielfalt darunter.
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Beim Mulchen steht den Kosten nicht nur keine Leistung gegenüber, sondern es leidet auch die Artenvielfalt darunter.
Die großen Ressourcen punkto Umwelt-, Natur- und Grundwasserschutz des Grünlandes dürften nicht unterschätzt werden, stellte Landesrat Sepp Eisl in seinem Grußwort deutlich heraus. Moderator der Veranstaltung war DI Johann Brunnauer, Abteilungsleiter für Betriebsentwicklung und Umwelt an der Landwirtschaftskammer Salzburg. In der Begrüßung erklärte der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer, Georg Wagner, dass im Salzburger Land 98 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Grünland seien. Das zeige die hohe Aktualität des Themas für die Region. Zugleich werde deutlich, dass ohne Milch, ohne Milchviehhaltung im Salzburger Land nichts gehe, so der Vizepräsident. Im Salzburger Land gibt es 51 Prozent Waldfläche, 28 Prozent Almen und der Rest der Flächen steht für Siedlung und intensivere Landwirtschaft zur Verfügung, so Landesrat Sepp Eisl. In den vergangenen Jahrzehnten sind rund 40 000 ha Flächen mit Wald zugewachsen und es habe sich gezeigt, dass bei einem einmal gewachsenen Wald eine Rückführbarkeit kaum mehr möglich sei, meinte der Landesrat. Die Leute beschwerten sich über zu teure Lebensmittel. Jedoch würden ein Viertel der Lebensmittel ungeöffnete auf den Müll geworfen. Es gehe nicht, Grünland ohne Nutzung zu erhalten, so Eisl. Die Lebensmittel aus dem Grünland müssten mehr in den Vordergrund gestellt werden.
Das Thema "Geht die Kuh kommt der Wald" behandelte Dipl. HLFL-Ing. Josef Galler von der Landwirtschaftskammer Salzburg. Die Grünlandbewirtschaftung habe mit der Domestikation des Rindes vor etwa 6000 Jahren begonnen. Wobei nur Waldlichtungen und Feldraine als Weide genutzt worden seien, so Galler. Ab 1950 erfolgte in gunstlagen eine Spezialisierung der Grünlandbewirtschaftung. Fast zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Österreich werden derzeit als Grünland genutzt. In den westlichen Bundesländern sind es 97 Prozent. Im bayerischen Berggebiet ist die Situation ähnlich. Das Grünland bildet die Brücke zwischen Wald und Ackerland. Das Dauergrünland mit den verschiedenen Nutzungsformen habe von allen Kulturarten die höchste Biodiversität, so Galler. Die Nutzungsaufgabe bringt laut Galler große Verluste bei der Artenvielfalt. Die Wiesen und Weiden könnten nur über den Wiederkäuer zu Milch und Fleisch veredelt werden. Der Wiederkäuer sei im Vergleich zum Huhn oder Schwein kein Nahrungskonkurrent zum Menschen. Das Grünland habe Wohlfahrts-, Schutz-, Erholungs- und Produktionsfunktionen. Im gesamten Alpenraum sind in den letzten 20 Jahren über 600 000 ha zugewachsen. Die Erhaltung der Kulturlandschaft sei untrennbar mit dem Wiederkäuer verbunden, stellte Galler klar. Nur die Bewirtschaftung verhindere eine Verwaldung und eine Entkoppelung von Lebensmittelproduktion und Landschaftspflege. Die Ausführungen von Dr. Hans Hochberg von der Landesanstalt für Landwirtschaft Thüringen standen unter der Überschrift "Nutzungsformen von Dauergrünland". Die Grünlandbewirtschaftung befinde sich heute im Spannungsfeld eines kontinuierlichen Tierbestandsabbau an Rindern und Schafen, des Grünlanderhaltungsgebots, Agrar-Umwelt-Maßnahmen sowie neuen Verwertungsalternativen. Die Nutzung des Dauergrünlandes von der Produktion von Qualitätsfutter bis hin zur schutzzielgerechten Bewirtschaftung ist laut Hochberg die Voraussetzung für den Erhalt dieses multifunktionalen Offenland-Vegetationstyps. Das Nutzungssystem und Düngeniveau bestimmten die Futterqualität und Verwertungsmöglichkeiten. Der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses übe den entscheidenden Einfluss auf den Ertrag und die Qualität aus. Ein Qualitätsgrundfutter erfordere eine sehr frühe erste Nutzung, bei der sich die bestandsprägenden Arten noch in der vegetativen Phase befänden, meinte Hochberg. Eine Ernteverzögerung in Verbindung mit einer reduzierten N-Düngung schließe eine anspruchsgerechte Versorgung der Milchkuh aus. Eine Grünlandextensivierung sowie die naturschutzfachlich orientierte Bewirtschaftung seien mit Ertragsdepressionen von bis zu 40 Prozent und drastischer Verschlechterung der Futterqualität verbunden. Eine standortdifferenzierte, das heiße eine am Entzug des jeweiligen Grünlandtyps angepasste Phosphor- und Kalidüngung erfülle die Ansprüche an eine nachhaltige Grünlanddüngung, führte Hochberg aus. Mit einer extensiven Nutzung könnten Milchkühe nicht adäquat ernährt werden.

Möglichkeiten eingeschränkt

Die Einkommensmöglichkeiten von verschiedenen Betriebszweigen im Grünland durchleuchtet Dipl. Ing. Ludwig Huber vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein. Wie er ausführte, sind die Möglichkeiten der Grünlandnutzung im Vergleich zum Acker eingeschränkt. Mit der Ausnahme der Energiegewinnung via Biogas sei immer eine Veredelung durch Tiere notwendig. Die denkbaren Verfahren der Grünlandnutzung seien sowohl vom erzielbaren Umsatz, wie dem Arbeits- und Kapitalbedarf extrem unterschiedlich. Einige Verfahren würden Nischen wie zum Beispiel die professionelle Haltung von Pensionspferden besetzen und seien so nur für eine kleine Zahl von Betrieben finanziell eine Alternative, so Huber. Für die überwiegende Zahl der Haupterwerbslandwirte ist die Milchviehhaltung als Verfahren der Grünlandnutzung ohne Alternative. Voraussetzungen für eine rentable Milcherzeugung bei den kleinen vorhandenen Betriebsstrukturen seien jedoch beste Produktionstechnik, sparsamer Umgang mit Investitionen und eine hohe Einsatzbereitschaft der Familienarbeitskräfte, so Huber. Die verbreiteten arbeitsextensiven Rinderhaltungsverfahren der Jungrindermast und der Mutterkuhhaltung könnten nur rentabel betrieben werden, wenn wenig oder keine Investitionen notwendig seien. Der Verkauf von Futter kann laut Huber regional eine Alternative sein. Aber nur wenn eine stabile Nachfrage vorhanden ist. Infolge des vorherrschenden Agrarstrukturwandels und des damit verbundenen stetigen Rückgangs der Grünlandbetriebe sowie einer zunehmenden Intensivierung vieler verbliebener Betriebe würden sogenannte Grenzertragsflächen aufgegeben, so Mag. Dr. Agnes Leithold vom LFZ Gumpenstein. Da jedoch ein breites öffentliches Interesse an einer adäquaten Landschaftspflege bestehe, seien extensive Alternativen wie Mulchen, Mutterkuh- oder Schafhaltung erforderlich. In einem Forschungsprojekt seien extensive Grünlandbewirtschaftungsverfahren zur Erhaltung der Kulturlandschaft im direkten Praxisvergleich zueinander gestellt worden. Aufgrund der ökologischen als auch ökonomischen Ergebnisse des zehnjährigen Projekts konnte gezeigt werden, dass ein multifunktionales Wirtschaften von landwirtschaftlichen Betrieben zur Pflege und Erhaltung der vorhandenen Kulturlandschaft notwendig seien, so Leithold. Eine Nichtbewirtschaftung der Flächen zieht laut Leithold einen relativ raschen Rückgang der Biodiversität nach sich. Die Ergebnisse zeigten, dass besonders in den Bergebieten eine multifunktionale Landwirtschaft mit Tierproduktion essentiell sei, so Leithold. Auf die Thematik Naturschutz und Kulturlandschaft ging Dipl.-Ing. Hermann Hintersoisser vom Land Salzburg ein. Nur wer einen Bezug zur Landschaft habe, könne diese entsprechend schätzen. Die Siedlungsentwicklung mit weniger Menschen auf dem Land und immer mehr in den Städten bringe somit einen Wandel mit sich, meinte Hinterstoisser. Durch die zunehmende Besiedelung seien die Naturlandschaften zurückgegangen. Wobei zum Flächenverbrauch natürlich die Bevölkerungszunahme beitrage. Konsequente Raumordnungsverfahren sollten dazu beitragen, dass in den Tallagen Verbindungen zu den einzelnen Biotopen erhalten blieben. Jedoch müsse dabei auch hinterfragt werden, ob jeder Ort und jede Gemeinde zwei oder drei Discounter mit dem ein und demselben Sortiment bräuchten, so Hinterstoisser. Von Oswald Pehel, dem Leiter des Tourismusbüros Waging am See in Oberbayern, war zu erfahren, dass im Destinationsmarketing immer mehr erkannt werde, dass sich Tourismus und Kulturlandschaft gegenseitig bedingten und förderten. Die Marketingstudie Chiemgau habe gezeigt, dass die Kulturlandschaft mit Almen, Seen, Äckern und Wäldern wichtige Basis und Alleinstellungsmerkmale der heimischen Tourismusregion seien. Auf der einen Seite werde die Kulturlandschaft touristisch beworben und auf der anderen Seite profitiere die Kulturlandschaft von der touristischen Nachfrage, sagte Pehel. Insofern sei der Tourismus eng mit der Kulturlandschaft verwoben und sollte als zweite Seite derselben Medaille gesehen werden, meinte Pehel. Der Präsident des Österreichischen Gemeindebundes und Bürgermeister der Gemeinde Hallwang, Helmut Mödlhammer, zeigte das Spannungsfeld der regionalen Entwicklung auf. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hinterlasse deutliche Spuren in der Raumordnung. Durch den Rückgang der landwirtschaftlichen Nutzung trete der Wald an die Stelle ehemaliger Wiesen und Äcker. Landwirtschaftlich geprägte Siedlungsstrukturen wie Höfe und Weiler verödeten oder dienten für noble Feriendomizile, so Mödlhammer. Im Hinblick auf die immer stärkeren Nutzungskonflikte und den zahllosen Vorgaben sei es schwierig, richtige Entscheidungen zu treffen. Jedoch könne die Gemeinde mit ihren Vertretern vor Ort Entscheidungen mit Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein treffen, sagte Mödlhammer.
 Manfred Peter 
Ohne Milch gibt es kein Grünland (06.12.2011)
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