Milch und Milchprodukte stehen weltweit bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Die meisten Milchprodukte werden dort verbraucht, wo sie erzeugt werden. Doch zumindest für die zweite Jahreshälfte rechnet die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mit neuem Schwung für den weltweiten Handel mit Milchprodukten, berichtet der Landvolk-Pressedienst.
Die weltweite Nachfrage soll in diesem Jahr gegenüber 2009 um 0,6 Prozent auf durchschnittlich 104,6 Kilogramm (kg) pro Kopf zunehmen. Allerdings soll der Verbrauch von Milch- und Milchprodukten ausschließlich in den Entwicklungs- und Schwellenländern steigen, für die mit einer Steigerung um 2,1 Prozent gerechnet wird. Rein rechnerisch würde dann jeder Einwohner in diesen Ländern im Mittel 67,6 kg Milch und Milchprodukte in diesem Jahr verzehren. Gemessen an dem Konsum in den Industrieländern ist dies nur eine kleine Menge. Dort bringt es jeder Einwohner im Schnitt auf einen Verzehr von 244,5 kg Milch, Butter, Käse und anderen Milchprodukten im Jahr, was allerdings einen leichten Rückgang um 0,2 Prozent gegenüber 2009 bedeuten würde.
Die weltweite Nachfrage nach Milchprodukten ist seit Jahren gestiegen. Dieser Zuwachs beruht nach der Auffassung von Markexperten auf der wachsenden Weltbevölkerung und deren zunehmender Ausrichtung auf westliche Ernährungsgewohnheiten. Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und zahlreiche ostasiatische Länder, in denen der Milchverzehr teilweise durch Schulmilchprogramme angekurbelt wurde, verzeichnen zudem ein starkes Wirtschaftswachstum. Und die erdölexportierenden Länder, die zum Teil bedeutende Importeure von Milchprodukten sind, verfügen aufgrund der gestiegenen Rohölpreise über enorme Kaufkraft und fragen ebenfalls mehr Milch nach. Einen spürbaren Dämpfer erhielt der globale Handel mit Milchprodukten durch die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Zuletzt zog die Nachfrage jedoch wieder an.
Vor allem für Vollmilchpulver, Käse und Butter erwarten Marktexperten in der zweiten Jahreshälfte deutliche Nachfrageimpulse, wovon insbesondere die führenden Exporteure für Milchprodukte, Neuseeland und die Europäische Union, profitieren könnten. So hat allein China im ersten Quartal 2010 insgesamt 60 Prozent mehr Vollmilchpulver geordert als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Japan, Russland und die USA, die fast 40 Prozent aller Käseimporte auf sich vereinigen, haben ihre Bezüge seit Jahresanfang wieder ausgebaut, so dass die FAO mit einer Zunahme des globalen Käsehandels um 2,1 Prozent auf 1,98 Mio. Tonnen (t) rechnet.
Größter Exporteur ist die EU, die ihre Ausfuhren gegenüber 2009 um 1,6 Prozent auf 580.000 t Käse steigern könnte. Noch deutlicher erholen soll sich das globale Exportgeschäft mit Butter. Davon könnte ebenfalls vor allem die EU profitieren, die ihren Butterexport gegenüber 2009 um 25 Prozent auf 200.000 t steigern könnte.