Teisnach/Lks. Regen - Altnußberg und Sallach sind die schönsten Dörfer Niederbayerns.
Viele frohe Gesichter gab es bei den Altnußbergern über die gewonnene Goldmedaille.
"Unser Dorf hat Zukunft" können Altnußberg im Landkreis Regen und Sallach im Landkreis Straubing-Bogen getrost von sich behaupten. Sie sind die niederbayerischen Gewinner des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft Unser Dorf soll schöner werden". Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, Regierungspräsident Heinz Grunwald und Bezirkstagspräsident Manfred Hölzlein überreichten Vertretern beider Kommunen bei einem Festakt in Teisnach die Goldmedaille sowie den Ehrenpreis des Bezirks Niederbayern. Die große Freude der Gewinner konnte aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass so wenig Dörfer wie nie am Wettbewerb teilgenommen haben. Heißt es bald: "Unser Wettbewerb hat keine Zukunft"? Altnußberg ist ein Dorf nahe Teisnach und liegt am Hang einer Burganlage. Eine 200 Jahre alte Linde steht vor der Kirche, die ebenso zum Verweilen einlädt wie die dazugehörige Sitzgelegenheit. Wer sich dort ausruht, hat freien Blick auf den großen Spielplatz, der keine Kinderträume offen lässt. Das ist der Mittelpunkt des Ortes, der ansonsten mit vielen Obstbäumen und offenen Vorgärten aufwartet. Altnußberg hat die Jury des Wettbewerbs ebenso überzeugt wie Sallach bei Geiselhöring im Labertal. Der Bach, der mitten durch den 617-Seelen-Ort fließt, ist charakteristisch für Sallach, das vergangenes Jahr 1000-jähriges Bestehen feierte. Das Dorfleben prägen die "gut funktionierenden" Vereine, wie es in der Begründung der Jury heißt. Das Vereinsheim, in vielen Arbeitsstunden von den Einwohnern gebaut, sei "Heimat für viele Vereine".
Das waren auch die Gründe, die Altnußberg und Sallach zum Sieg verholfen haben. Damit haben sie 33 niederbayerische Orte hinter sich gelassen. Im Vergleich zu früheren Jahren wenig Konkurrenz: Vor 15 Jahren haben in Niederbayern noch 83 Dörfer am Wettbewerb teilgenommen, 1992 sogar 111. Die Teilnehmerzahlen fallen seit Jahren, nicht nur in Niederbayern. Besonders die Regierungsbezirke Schwaben und Oberbayern hat es dieses Jahr, ausgerechnet zum 50-jährigen Bestehens des Wettbewerbs, besonders hart getroffen: In Oberbayern haben nur zehn Dörfer, in Schwaben nur 16 teilgenommen. Brunner gab offen zu, wie sehr den Organisatoren die Teilnehmerzahlen zu schaffen machen. Um wieder mehr Dörfer anzusprechen, wolle man den Wettbewerb künftig noch stärker an den Interessen der Bürger ausrichten. Außerdem versprach der Minister, Geld und Personal für den Wettbewerb zur Verfügung zu stellen. Immerhin sei der Wettbewerb "eine Bürgerbewegung, die sich für etwas einsetzt" statt gegen etwas zu sein, lobte Helmut Brunner. In Zukunft wolle man deshalb intensiv Werbung für den Wettbewerb machen. Bei der Siegerehrung wurde dies gleich in die Tat umgesetzt. Der Landwirtschaftsminister betonte beispielsweise, wie sehr der Wettbewerb die Bürger motiviere, "den gemeinsamen Lebensweg und Lebensraum in eigener Verantwortung aktiv zu gestalten" und dass die Ergebnisse nicht nur den Bewohnern selbst, sondern auch den Kindern und Kindeskindern zu Gute kämen. "Die nächste Generation kann die Ernte ernten, die Saat aber müssen wir säen." Die nächste Generation stand im Mittelpunkt vieler Reden und Dankesworte, denn die Abwanderung beunruhigt viele teilnehmende Orte. "Wir müssen Antworten auf die Frage finden, warum so viele junge Leute abwandern, obwohl die Arbeitsplatzsituation hier gar nicht so schlecht ist", brachte Rita Röhrl, die Bürgermeisterin des Marktes Teisnach, das Problem auf den Punkt. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hingegen setzt weniger auf Ursachenforschung. Sein Lösungsansatz: "Wir müssen die Verwurzelung und Identifizierung mit der Heimat wieder stärken." Denn nur so kämen junge Menschen nach ihrer Ausbildung wieder zurück in die Heimat. "Und wir brauchen die Jungen dringend." Ohne Jugend keine "Macher von Morgen", so der Minister. Der Wettbewerb soll dazu beitragen, das Wir-Gefühl in den Orten zu stärken und eben für die geforderte Verwurzelung zu sorgen. Oder wie Bezirkstagspräsident Manfred Hölzlein es ausdrückt: "Der Wettbewerb schärft das Bewusstsein für die eigenen Werte im Dorf, zeigt aber auch Schwachstellen auf und regt zu einer Weiterentwicklung an. Mit anderen Worten: Er betreibt eine Stärken- und Schwächen-Analyse." Alfons Fleischmann, Bürgermeister der Gemeinde Geiersthal, wo auch das Siegerdorf Altnußberg beheimatet ist, sprach deutlich die Schwächen des Landlebens an: Schulsterben und kein Breitband-Anschluss, der für viele Unternehmer wettbewerbsentscheidend sei. Alfons Fleischmann: "Uns nützen die schönsten Dörfer nichts, wenn wir keine Zukunft haben." Über eine Silbermedaille durften sich die Dörfer Eppenschlag (Lks. Freyung-Grafenau), Garham (Lks. Passau), Geibenstetten (Lks. Kelheim), Nöham (Lks. Rottal-Inn), Ottmarin/Nindorf (Lks. Deggendorf) sowie Viechtafell (Lks. Regen) freuen. Bronze ging an Berg (Lks. Deggendorf), Wendelskirchen/Oberwolkersdorf (Lks. Dingolfing-Landau), Pfettrach (Lks. Landshut), Schambach (Lks. Straubing-Bogen) sowie Walchsing (Lks. Passau).
Claudia Rothhammer