Mittwoch, 23.05.2012
Nachhaltigkeit auf japanisch
Gnadenwald/Tirol - Tiroler Waldbauerntag mit Überraschung und einer Premiere
Aufmerksame Zuhörer: Die Waldbauernversammlung stieß auf große Resonanz.
Dass die Tiroler nicht nur lustig sind, sondern auch jede Menge von der Wald- und Forstwirtschaft verstehen, das hat sich offenbar bis nach Japan herumgesprochen. So waren nicht nur Forstexperten aus dem Fernen Osten schon in den Tiroler Bergen unterwegs, sondern zur Überraschung vieler Zuhörer war auch der Obmann des Tiroler Waldverbandes bereits zu einem Gegenbesuch im Land der aufgehenden Sonne, um über nachhaltige Waldwirtschaft zu referieren. So ganz sicher war sich Josef Heim zwar nicht, ob sein Manuskript auch astrein in die japanischen Schriftzeichen ("Hieroglyphen") übersetzt worden war, aber ein Erlebnis sei der Ausflug für ihn allemal gewesen, wie er durchblicken ließ.
Neuwahlen
Im Blickpunkt der Waldbauernversammlung in Gnadenwald (Bezirk Innsbruck-Land) standen aber dieses Mal vor allem auch die Neuwahlen, bei denen Rudolf Köll, seines Zeichens Obmann der Bezirkslandwirtschaftskammer Imst, von den rund hundert anwesenden Mitgliedern einstimmig zum neuen Obmann des Waldverbandes Tirol (WVT) gewählt wurde und damit in die Fußstapfen seines langjährigen Vorgängers tritt. Als Obmann-Stellvertreter steht ihm in den nächsten Jahren Alfons Falch zur Seite. Die Vollversammlung im "Speckbacher Hof" stand heuer unter dem Motto "Wald ist mehr als Holz". Erstmals wurde im Zuge einer solchen Veranstaltung auch die Auszeichnung "Der aktive Waldbauer" verliehen, mit der herausragende und vorbildliche Arbeit in der Wald- und Forstwirtschaft gewürdigt werden soll. Mit Bernhard Funke (Bayerische Staatsforste) und Egon Fritz (Österreichische Bundesforste), referierten vor den Tiroler Kleinwaldbesitzern zwei Vertreter des Großwaldes über Nutzen und Nebennutzen im Wald. Aufgezeigt wurde dabei, wie sich Einkünfte aus nichtforstlicher Nutzung gestalten können, aber auch wie sich die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald verändert haben. Der scheidende Obmann Josef Heim leitete seit 2001 die Geschicke des Waldverbandes Tirol als landesweit "anerkannter und geschätzter" Forstexperte und da waren sich alle Grußredner einig. Maßgeblich habe er zur Weiterentwicklung des Waldverbandes im Sinne seiner Mitglieder beigetragen und die Bedeutung einer nachhaltigen Wald- und Forstwirtschaft ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, so Geschäftsführer Klaus Viertler. Insbesondere habe Heim auch dafür Sorge getragen, dass die gemeinsame bäuerliche Holzvermarktung forciert wurde. Unter der Obmannschaft von Josef Heim wurde auch das erfolgreiche Zirbenholz-Projekt auf den Weg gebracht. Dadurch seien die gesundheitlichen Vorteile von Zirbenholz propagiert und damit diese Holzart zum trendigen und modernen "Wellnessholz" entwickelt worden. Heim war auch stets bestrebt, ein gesundes Verhältnis zwischen Waldgesundheit und Wildtierdichte zu erreichen, hieß es. Ferner war ihm die Arbeitssicherheit und Reduzierung der Unfallhäufigkeit im Wald immer ein großes Anliegen. Daneben zeichnete Obmann Heim auch für die Organisation vieler Forstwettkämpfe verantwortlich. Lobende Worte fand auch Kammerpräsident Josef Hechenberger. Große Spuren habe Obmann Heim hinterlassen und die Bedeutung der Wald- und Forstwirtschaft im Land Tirol weiter gesteigert. "Die Verankerung einer nachhaltigen Forstwirtschaft ist sein Verdienst", so Hechenberger. Auch werde die Landwirtschaftskammer bei der Novellierung des Jagdgesetzes alles daransetzen, dass der Einfluss der Wald- und Grundbesitzer weiter gestärkt wird. "Ich bin optimistisch, dass ein gutes Ergebnis dabei herauskommt", erklärte Hechenberger. Bei der Novellierung des Jagdgesetzes geht es insbesondere um die Regulierung des "unverhältnismäßig" hohen Wildbestandes, der zunehmend Probleme in den Wäldern verursache. Nach den Worten von Hechenberger werde immer wieder unter Beweis gestellt, "dass die Waldbewirtschaftung für unsere Bäuerinnen und Bauern ein stabiler Einkommenszweig sein kann". Dabei seien Waldwirtschaftsplanung und eine fundierte Forstausbildung "die professionelle Betriebsbasis". So liefere der Wald ein solides Einkommen für die Familie und werde gleichzeitig für die nachfolgenden Generationen erhalten, betonte der LK-Präsident. Die Forst- und Holzwirtschaft zähle zu den stärksten Wirtschaftszweigen Tirols, "das in der Produktion von Biomasse Spitzenreiter ist".
Paul Kannamüller
Nachhaltigkeit auf japanisch (02.12.2011)
Um ein Kommentar zu schreiben müssen Sie sich einloggen.