Die DEULA Nienburg stellt ihren Praxisbezug bei der Wissensvermittlung in den Vordergrund. Foto: Peter Andryszak
Dass der dümmste Bauer die dicksten Kartoffeln hat, ist ein Spruch, der schon lange nicht mehr gilt. Die Landwirtschaft benötigt dringend qualifizierten Nachwuchs. An der DEULA Nienburg, der Deutschen Lehranstalt
für Agrartechnik, wird aktuelles Wissen unmittelbar mit der Praxis verknüpft. Jeder hat jetzt Gelegenheit, sich auf der
Agritechnica über Bildungsprogramm und berufliche Chancen zu informieren.
Ein weißer Elefant steht in der Eingangshalle. Die fast lebensgroße Figur ist übersät mit Schriftzügen aus aller Herren Länder: „Willkommen“, „Bienvenu“, „Welcome“, „Ni Hao“, „Witamy“. Bernd Antelmann, stellvertretender Schulleiter der DEULA Nienburg schmunzelt. „Das ist unser meist fotografiertes Motiv“, berichtet er. Der Dickhäuter sei ein Symbol für die internationale Ausrichtung des Unternehmens, „aber auch für Geduld und Ausdauer, die man beim Lernen braucht.“
Investition in Bildung
Lernen durch Begreifen, so lautet hier das Prinzip. Das großzügige Ausbildungs- und Qualifizierungszentrum an der Weser gehört mit rund 70.000 Teilnehmertagen pro Jahr zu den bedeutendsten Einrichtungen seiner Art in Deutschland. Auszubildende der „grünen“ und technischen Sparten absolvieren hier ihren für den praktischen Teil ausgelagerten Berufsschulunterricht. Daneben gibt es eine Vielzahl an projektbezogenen Seminaren und Weiterbildungsmaßnahmen für Betriebsleiter oder andere Interessenten aus Landwirtschaft, Industrie und Handwerk. „Unser Schwerpunkt liegt allerdings im Agrarbereich“, erklärt Antelmann. „Darin unterscheiden wir uns von anderen DEULA-
Standorten.“
Auf dem Gelände, in den riesigen Maschinenhallen und Schulungsräumen herrscht bis 17 Uhr Hochbetrieb. Junge Leute, wohin man sieht. Unter ihnen auch einige Praktikanten aus Russland, China, Afrika. Es scheint, die Auszubildenden sind mit Eifer bei der Sache. Hier werden Lücken geschlossen - zwischen Denken und Tun. „Im Unterschied zu den meisten Berufsschulen können wir die Möglichkeit bieten, das gerade Erlernte sofort auszuprobieren“, unterstreicht der stellvertretende Schulleiter. „Wir nehmen das Theoriebuch sozusagen mit auf den Versuchsacker und setzen die Inhalte direkt in der Arbeit mit dem Schlepper um.“ Die hochmoderne technische Ausrüstung gehört zum größten Teil der Lehranstalt oder wird von führenden Herstellern zur Verfügung gestellt. Da darf sogar mal der Motor eines sündhaft teuren Mähdreschers in alle Einzelteile zerlegt werden.
Beruf mit Zukunft
Auch „gestandene Landwirte“ sind heute mehr denn je auf permanente Weiterbildung angewiesen. „Dieser Faktor gehört inzwischen zu den wichtigsten Investitionen. Um erfolgreich zu sein, müssen Betriebe ihre Produktionsverfahren mit dem besten verfügbaren Wissen organisieren und ständig nach allen ökonomischen Regeln kontrollieren“, betont der Agrarwissenschaftler.
Da es für manche Interessenten schwierig sei, sich für ein paar Tage auszuklinken, findet ein Teil der Seminare direkt auf den Höfen statt. Stark nachgefragte Themen seien momentan „Kraftstoffkosten senken“, Biogasanlagen oder Pflanzenschutzmittel-Applikationen. „Dabei geht es nicht um isolierte Problemlösungen, sondern um integrierte Konzepte. Also: Welche Verfahrenstechnik passt tatsächlich zum jeweiligen Betrieb? Was nützt Hightech, wenn sie nicht effizient ausgeschöpft werden kann!“Trotz großer Herausforderungen sei die Landwirtschaft ein aussichtsreicher Arbeitsplatz mit viel Entscheidungsfreiheit und interessanten Gestaltungsmöglichkeiten, ist Bernd Antelmann überzeugt. „Leider hat dieser Beruf bei vielen Schulabgängern immer noch ein Imageproblem“, bedauert er. Klar, das sei kein 8-Stunden-Job mit Anzug und Schlips. Aber es herrsche schon jetzt ein akuter Mangel an qualifizierten Fachkräften und „gute Betriebe sind bereit, sehr gut dafür zu zahlen.“
An ihrem Messestand in Hannover zeigt die DEULA spannende Perspektiven auf. Außerdem stellt sie den neuen Ausbildungsberuf „Fachkraft Agrarservice“ vor und ihr ab Januar 2010 neues Bildungsangebot im Bereich Nutztierhaltung.