Mettenheim/Lks. Mühldorf - Töginger Studierende halten einen interessanten Vortragsabend ab.
Stolz auf den gelungenen Abend waren (vorne v. l.) Michael Scherr, Sabrina Maier, Andrea Dirnberger, Franz Lanzinger, Christian Senftl und (hinten v. l.) Schulleiter Josef Kobler, Peter Rauscher, Leonhard Schwarz sowie Rupert Staudhammer.
© Foto: Peter
Mit einem Vortrags- und Diskussionsabend wollten die Studierenden der Landwirtschaftsschule Töging ihre Meinung in die Öffentlichkeit tragen. Wie sie sich die Zukunft vorstellen können und dass sie Zukunft in ihren Betrieben mit den unterschiedlichen Betriebsformen sehen, erläuterte Christian Senftl aus Neumarkt-St. Veit vom 3. Semester Landwirtschaft, der die Moderation innehatte. Sieben Referate standen dazu auf dem Programm. Wie Schulleiter Josef Kobler erklärte, erweiterten dabei die Vorträge der Abteilung Hauswirtschaft die Fachthemen und behandelten wichtige Gesichtspunkte der landwirtschaftlichen Betriebe. Den Weg der traditionellen Bäuerin zur Allroundmanagerin zeigte die gelernte Fleischfachverkäuferin und Studierende des einsemestrigen Studiengangs Hauswirtschaft, Sabrina Maier aus Haiming, auf. Sie meinte, dass sich das Berufsbild der Bäuerin im Laufe der Zeit geändert habe, die oft ein außerlandwirtschaftliches Einkommen erziele. Im Betrieb sei sie zur Mitunternehmerin geworden. Für viele würde sich durch die Einheirat in einen Bauernhof das soziale Umfeld ändern, wobei sich die Hofnachfolger mit den Altbesitzern durch Klärung der Arbeitsabläufe ergänzen könnten. Hierzu zählen für Maier die Kinderbetreuung durch die Älteren ebenso wie eine eventuelle Pflege der Altenteiler durch die junge Bäuerin. Der landwirtschaftliche Betrieb funktioniere am besten, wenn die Familie zusammenhalte, so die Hauswirtschaftsstudierende und gelernte Zahnarzthelferin Andrea Dirnberger aus Schönberg, die ihren Vortrag unter die Überschrift "Gemeinsam sind wir stark" stellte. Weiter fügte sie an, dass die Familie und der Betrieb aber durchaus von den Gegensätzen der Familienmitglieder und deren persönlichen Neigungen profitieren könnten. Beim Miteinander könne die Arbeit sowie die Verantwortung geteilt und durchaus Freiräume geschaffen werden, damit der Beruf mit privaten und familiären Belangen vereinbart werden könne. Und gerade der Mehrgenerationenhaushalt sowie der Umgang mit Tieren und der Natur vermittle den Kindern Werte und Kompetenzen, die ihnen in keiner Betreuungsstätte beigebracht werden könnten. Franz Lanzinger aus Oberbergkirchen beleuchtete in seinem Vortrag die betriebliche Weichenstellung. Ein Flächenwachstum werde immer schwieriger. Darum müsse das Potenzial am Hof durch Optimierung der Arbeitsgänge unter Einbeziehung von Maschinengemeinschaften oder des Maschinenringes gestärkt werden. Hier könne die Auslagerung des Jungviehs eine Möglichkeit sein, um mehr Platz für das Milchvieh zu schaffen. Bei anstehenden Gebäudeinvestitionen müsse die vorhandene Substanz ganz genau überprüft werden. Ein Neubau könne auf längere Sicht rentabler sein als eine Erhaltung, meinte Lanzinger. Die Möglichkeiten einer sicheren Zukunft durch mehrere Standbeine erläuterte Peter Rauscher aus Au am Inn. In seinen Ausführungen zeigte er zuerst die Varianten und Kombinationsmöglichkeiten von Urlaub auf dem Bauernhof über die Direktvermarktung bis hin zum Energiewirt mit Photovoltaik oder Biogasanlage zusammen mit dem Haupterwerb wie Milchvieh auf. Neben den entscheidenden betrieblichen Voraussetzungen wie Flächenausstattung, Lage oder Gebäudesituation sind laut Rauscher die persönlichen Neigungen der Betriebsangehörigen ausschlaggebend. Um erfolgreich zu sein, müsse man sich mit dem zweiten Standbein identifizieren. So wie es bei ihm und seiner Familie der Fall sei, die zum Milchvieh noch Urlaub auf dem Bauernhof hat, so Rauscher. Rupert Staudhammer aus Oberneukirchen behandelte die Fragestellung: "Bäuerlicher Familienbetrieb Vergangenheit und Zukunft". Als Fazit meinte er, dass es aus seiner Sicht weiterhin die bäuerlichen Familienbetriebe geben werde. Der bäuerliche Familienbetrieb sei ein klassisches Einzelunternehmen mit den Vorteilen einer großen Flexibilität, mit hohem Engagement und hoher Motivation sowie Familienbindung des Betriebsleiters. Nachteile sieht Staudhammer in der immer wieder aufkommenden Arbeitsüberlastung und dem im Grunde ständigen Bereitschaftsdienst. Das wichtige Thema Welternährung legte Michael Scherr aus Mühldorf dar. Es sei entscheidend, dass in den von Hunger bedrohten Ländern die landwirtschaftliche Produktion angekurbelt werde. Kritisch sieht er die industriell gefertigten Ersatzlebensmittel oder die momentan im Trend liegende Molekular-Küche, bei der Hilfsmittel zum Einsatz kämen, die man sonst nur aus dem Krankenhaus kenne, so Scherr, der Landwirtschaft lernt, ohne einen eigenen elterlichen Betrieb zu haben. Das Bild der Landwirtschaft in der Gesellschaft nahm Leonhard Schwarz aus Grünbach unter die Lupe. In der Öffentlichkeit würden durch die Berichterstattung der Medien nur Extremtypen vom Typus "Gummistiefel", beziehungsweise "Laptop", der seinen Betrieb vom PC aus steuere, wahrgenommen. Dies werde durch die Entfremdung der Gesellschaft zur Nahrungsmittelproduktion noch zusätzlich gefördert. Die Realität in den landwirtschaftlichen Betrieben rücke in den Hintergrund. Positiv sei, dass das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit meist besser sei, als es in Medien oft dargestellt werde.
Manfred Peter