Innsbruck - Tiroler Jungbauern kritisieren auch Schulbuffets.
Eine gesunde Jause soll in Tirols Kindergärten und Schulen künftig zum Standard gehören.
"Wenn es um unsere Kinder geht, muss man bei der Wahrheit bleiben." Die Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend kritisiert Werbung für Lebensmittel, die "extra für Kinder" produziert werden. Hier wird nach Angaben der Jungbauern der Eindruck erweckt, dass diese "besonders gesund und wichtig" in dieser Lebensphase seien. Dass dem aber nicht so ist, belege eine aktuelle Studie der deutschen Verbraucherzentrale (Berlin). Generell habe man zwar nichts gegen Werbung, die mit Emotionen und Eindrücken arbeite, aber bei Kindern sollte man denn doch mit etwas mehr Verantwortungsbewusstsein ans Werk gehen, so die bäuerliche Nachwuchsorganisation. Nach den Worten von Landesleiterin Kathrin Kaltenhauser und Landesjungbauernobmann Andreas Embacher gebe es große Unterschiede zwischen dem, was Ernährungswissenschaftler als gut und für nötig befinden und dem, was die Hersteller den Eltern und Kindern vermitteln. Glaubt man der Werbung, sollen Zucker-, Fett- und Eiweißgehalt den Bedürfnissen der Kinder angepasst sein. "Aber weit gefehlt", wie die Studie an einem Fruchtriegel zeige, der als "ideal für den kleinen Hunger zwischendurch angepriesen wird". Mit knapp 100 kcal pro Riegel sei es aber eher eine "volle Zwischenmahlzeit" für Kleinkinder, der knapp zur Hälfte aus Zucker besteht, so die Landjugendlichen. Die beiden Jugendvertreter fordern in diesem Zusammenhang auch eine "dringende" Verbesserung bei der Kennzeichnung, Vermarktung und Zusammensetzung von Kinderlebensmitteln. Embacher: "Es wird gesetzliche Regeln brauchen. Bisherige Selbstverpflichtungen der Branche haben nichts genutzt." Vor allem eine altersgerechte Nährwertkennzeichnung, die die empfohlene Tageszufuhr beschreibt und in Altersgruppen gestaffelt ist, hält Andreas Embacher für sinnvoll. Denn "Ernährungslügen" bei Kinderlebensmitteln sollten seiner Ansicht nach gänzlich ausgeschlossen werden. Vor allem will sich die Tiroler Landjugend auch für eine verbesserte Ernährungsbildung in den Schulen einsetzen. "In den Hauptschulen und in der neuen Mittelschule gibt es das Fach ?Ernährung? noch", sagt das Führungsduo. Das sei ihrer Meinung nach aber viel zu wenig. "Wir müssen im Kindergarten beginnen und unserem Nachwuchs schon dort zeigen, dass frische und regionale Lebensmittel eigentlich am gesündesten sind", meint Kathrin Kaltenhauser. Ein erster Weg könnte sein, die "gesunde Jause noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen". Erschreckend ist für die Landjugend auch, wie sich manche Schulbuffets im Land präsentieren. "Wenn neben dem Automaten voll mit Zuckermix-Getränken die Milchpackung steht, dann ist das gesunde Lebensmittel eindeutig im Nachteil." Auch werde sich der scheinbar gesunde Riegel gegen den Salat durchsetzen, so die Jungbauern. Sie sehen hier akuten Handlungsbedarf und fordern ein Verbot von "gewissen Produkten" an Schulbuffets. Alarmierend auch der Rückgang des Milchkonsums an Tirols Schulen. Wurden in den Jahren 2009/2010 in den Pausen noch 277 Tonnen getrunken, so waren es ein Jahr später nur mehr rund 230 Tonnen. "Das ist eine extrem schlechte Entwicklung", finden Kathrin Kaltenhauser und Andreas Embacher, die eine qualitative Aufwertung des Schulbuffets fordern.
Paul Kannamüller