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[ » BLW » Content » Tierhaltung » Rind » Schweiz ]
Mittwoch, 23.05.2012
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Rind | 19.01.2012 Redaktion BLW

ABC der Milch-Segmentierung in der Schweiz funktioniert noch immer nicht

Bern - Die Schweizer Branchenorganisation Milch (kurz: BOM) hat es derzeit nicht leicht: Sie kämpft mit ihrer Glaubwürdigkeit, denn die ist schlecht. Sie kämpft mit dem Butterberg, denn der schmilzt nur langsam. Und sie kämpft mit dem ABC, das sie selbst erfunden hat. Seit über einem Jahr müsste die in der Schweiz gehandelte Milch eigentlich in A-Milch für den geschützten Inlandsmarkt, B-Milch für Milchprodukte ohne Grenzschutz und C-Milch für den Export auf den Weltmarkt segmentiert werden.
Dieses ABC ist genau definiert, die Milc hkaufverträge sind allgemeinverbindlich. Doch die Auswertung dieser Verträge durch die BOM zeigt, dass zwischen Theorie und Praxis Welten liegen, teilt der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) in Bern mit.
Im A-Segment finden sich Milchprodukte mit Grenzschutz für den lnlandsmarkt und solche mit Rohstoffpreisausgleich (beispielsweise die Verkäsungszulage). Im B-Segment sind Milchprodukte ohne Grenzschutz oder Rohstoffpreisausgleich für den lnlandsmarkt und den Export in die EU vorgesehen sowie verkäste Milch für besondere Projekte wie Exporte oder den lmportschutz. Im C-Segment sind ausschließlich Molkereierzeugnisse, welche ohne Beihilfe für den Export außerhalb der EU vorgesehen sind, wobei sämtliche Milchbestandteile ausgeführt werden müssen. Im Jahr 2009 betrug die Gesamtmilchmenge im A-Segment laut BOM ca. 3,07 Mio. t, das sind etwa 90% der Milchmenge eines Jahres. Die Segmentierung wurde am 01.01.2011 eingeführt, um - nach Abschaffung der Milchquoten im Jahr 2009 - eine wirksame Marktsteuerung zu schaffen. Trotzdem wurde im ersten Quartal des vergangenen Jahres offiziell kein einziges Kilo C-Milch geliefert und verarbeitet. Logischerweise hätte also weder Butter noch Magermilchpulver für den Weltmarkt produziert werden können. Der Butterberg wuchs trotzdem.
Im zweiten Quartal 2011 tauchten die ersten C-Milchverträge auf. 12.000 t C-Milch will die Produzentenseite verkauft haben, während die Verarbeiter mit 44.000 t angeblich beinahe viermal so viel C-Milch verarbeitet haben. Im dritten Quartal des Jahres gaben die Produzenten an, 31.000 t in diesem Segment geliefert zu haben, während die Verarbeiter behaupteten, sie hätten 54.000 t angenommen. 
Experten fragen sich, ob die Daten auch realistischer werden. Bevor die BOM die Segmentierung einführte, stellte sie umfangreiche Berechnungen an. Gemäß diesen müssten 90% der Gesamtmilchmenge, also rund 3 Mio. t, im A-Segment liegen. Die Verarbeiter haben bisher aber nie mehr als 77% Milch dieser Kategorie gekauft und die Produzenten höchstens 82% A-Milch geliefert. Laut Berechnung der BOM dürfte es jeweils rund 5% B- und C-Milch in der Schweiz geben. Die Verarbeiter kauften aber bis zu 14% der Rohmilch zum C-Preis ein und bis zu 20% als B-Milch.
Der Unterschied zwischen den drei Milchsegmenten liegt eigentlich nur im Preis - und er ist groß: Die Milch vom Hof ist gemäß BOM-Richtpreis derzeit nur 29 Rappen je kg (umgerechnet 24 Cent) wert, wenn sie in den C-Milchkanal verkauft wird. 55 Rappen (45 Cent) sollten es sein, wenn sie den Betrieb als B-Milch verlässt, und 64 Rappen (53 Cent) wenn sie als A-Milch gemolken wird. Theoretisch jedenfalls, denn nach wie vor wird diese Segmentierung nicht bis zu den Milchbauern umgesetzt. Für rund 40% der Molkereimilch erhalten die Produzenten laut LID weiterhin Mischpreise. Egal, wie der Abnehmer heißt - die Bauern können meist gar nicht entscheiden, ob sie A-, B- oder C-Milch liefern. Dafür bekommen sie einen Preis bezahlt, der meistens nur ein paar Rappen über dem B-Richtpreis liegt. (aiz)
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