Mittwoch, 23.05.2012
Sympathische Botschafterinnen
Kronach - Der Kronacher Landfrauentag hat gezeigt, dass Bäuerinnen gefragt sind.
Mit fränkischer Volksmusik begeisterte der Kronacher Bäuerinnenchor, den Hella Klumpp leidenschaftlich dirigierte.
Wie lässt sich die Kluft zwischen Idylle und Wirklichkeit überwinden, ein realistisches und zugleich positives Image vom Agrarsektor in den Medien erzeugen? Dieser Frage ging Christine Schneider, Moderatorin der Sendung "Unser Land" im Bayerischen Fernsehen, beim Landfrauentag im Kronacher Schützenhaus nach. Schneider sieht in erster Linie die Akteure in der Landwirtschaft gefordert: "Eine Botschaft kommt nur an, wenn der Kommunikator also der
Landwirt sympathisch ist, kompetent und dadurch glaubwürdig." Da Frauen oftmals sympathischer wirkten als Männer, müssten sich die Bäuerinnen hier besonders einbringen. Der Schlüssel zu agrarpolitischen Erfolgen liegt für Schneider in einem positiven Image, "denn davon hängen viele politische Entscheidungen ab". Kreisbäuerin Rosa Zehnter hatte in ihrer Begrüßung darauf hingewiesen, dass Landwirte oft zu Opfern sensationshungriger Medien würden. Auch diesen Aspekt griff Schneider in ihrem Vortrag auf. Journalisten berichteten oft überspitzt und verkürzt, weil viele Zuschauer emotional angesprochen werden wollen. Sie machte den Zuhörern wenig Hoffnung auf Änderung. Auch zukünftig würden agrarpolitische Säue durchs Dorf getrieben, prognostizierte sie. Doch mit richtiger Kommunikation und persönlichen Kontakten zu den Journalisten lasse sich gegensteuern. "Als Bäuerinnen sind wir prädestiniert, die Brücke zwischen Erzeuger und Verbraucher zu schlagen", sagte Bezirksbäuerin Anneliese Göller. Ganz in diesem Sinne habe man im vergangenen Jahr einen Kindertag durchgeführt, bei dem zahlreiche Betriebe in ganz Bayern ihre Pforten für die Familien geöffnet hätten. Christa Steiger, SPD-Landtagsabgeordnete, kritisierte Dumpinglöhne von unter fünf Euro die Stunde, die in der Hauswirtschaft gezahlt würden: "Auf Dauer ist das nicht zu machen. Durch den demographischen Wandel benötigen wir immer mehr hauswirtschaftliche Dienstleistungen, die sich zu einer wichtigeren Einnahmequelle entwickeln werden." Zustimmung erntete sie von Christine Seemüller-Kohles, die die Landwirtschaftsschule Kulmbach am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kulmbach leitet, an der Hauswirtschafterinnen ausgebildet werden. Sie sprach von einem wichtigen Wirtschaftsfaktor, dessen Bedeutung in der Gesellschaft noch nicht angekommen sei. Kreisobmann Ewald Münch verwahrte sich gegen die Verunglimpfung seines Berufsstandes. "Die Landwirte praktizierten nachhaltiges Wirtschaften", sagte er unter viel Applaus. Auch Unterhaltung gab es beim Landfrauentag in Kronach natürlich wieder: Der Kronacher Bäuerinnenchor unter der Leitung von Hella Glumpp sorgte für musikalischen Glanz, die Hummendorfer Landfrauen mit ihren lustigen Liedern und Sketchen für Heiterkeit.
Stephan Stöckel
Sympathische Botschafterinnen (09.02.2012)
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