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[ » LAND & Forst » Content » Energie » Technik verbessert Gülleverwertung ]
Mittwoch, 23.05.2012
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Energie | 28.07.2010

Technik verbessert Gülleverwertung

Gülle ist ein wertvoller Nährstoffträger und ein begehrtes Substrat in Biogasanlagen. Es macht Sinn, sie in feste und flüssige Bestandteile zu trennen und anschließend aus den Gülleüberschussgebieten Südoldenburgs in die Ackerbauregionen zu transportieren. Die technischen Möglichkeiten zur Gülleseparation konnten Landwirte vergangenen Samstag in Haverbeck am Dümmer bei einem „Gülle-Event" besonderer Art begutachten.

 
Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky geht davon aus, dass die Gülleseparation für viel Betriebe zur Standardmaßnahme werden wird.
Foto: Kahnt-Ralle
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Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky geht davon aus, dass die Gülleseparation für viel Betriebe zur Standardmaßnahme werden wird. Foto: Kahnt-Ralle
Organisator der Veranstaltung auf dem Firmengelände der SNP Lingen GmbH, die seit über zehn Jahren Naturdung herstellt, war die Bioenergie-Region Südoldenburg. Ihr Engagement für die Gülleseparierung zielt letztlich darauf ab, die Flächenkonflikte, die auch durch den starken Zubau von Biogasanlagen in Südoldenburg entstanden sind, zu entschärfen.
 
Bernard Schomaker, Geschäftsführer des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland und Projektleiter der Bioenergie-Region Südoldenburg, wies mit Blick auf die Biogas-Gegner darauf hin, dass 15 Jahre lang Flächen durch die obligatorische Flächenstilllegung aus der Produktion genommen werden mussten und auch nicht zur Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung standen. Der Umfang dieser Flächenstilllegung (die mittlerweile wieder aufgehoben ist) sei größer gewesen als die Fläche, die heute für den Anbau von Energiepflanzen benötigt würde.
 
Trotzdem müsse man die Kritik vor allem an der Biogaserzeugung ernst nehmen. Auch wenn bundesweit die Flächenkonkurrenz Biogas/Veredlung keine Rolle spiele, sei regional, wie auch in Südoldenburg, durch den Flächenhunger der Biogasanlagen der Pachtmarkt unter Druck geraten. Es komme hinzu, dass mit den Gärresten organische Nährstoffe zusätzlich zur Gülle in dieser Region verblieben, was die Nährstoffüberschusssituation weiter anheize, so Schomaker.
 
Es sei nicht zwingend notwendig, Biogasanlagen hauptsächlich mit nachwachsenden Rohstoffen zu betreiben, fuhr Schomaker fort. Auch Nebenprodukte und Reststoffe aus der Landwirtschaft bzw. der Nahrungsmittelerzeugung könnten zur Stromerzeugung dienen. Durch die Kopplung des Gülle-Bonus an den Nawaro-Bonus würden aber viele ehemalige Co-Fermentationsanlagen in Südoldenburg, die nicht mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben wurden, umgestellt auf Energiepflanzen, was den Druck auf die Fläche erhöht habe. Schomaker und seine Mitstreiter hoffen, dass mit der Novellierung des EEG diese Fehlentwicklung korrigiert wird.
 
Um Nährstoffüberschüsse in der Region abzubauen, unterstützt die Bioenergie-Region Südoldenburg Arbeiten an der FH Münster, die sich mit der vollständigen Aufbereitung der Gärreste beschäftigen. Auch mit den separierten Güllefeststoffen wird ein Teil der Nährstoffe N, P und K in Ackerbauregionen exportierbar. Die Güllefeststoffe bringen darüber hinaus nach ersten Untersuchungen in Biogasanlagen 80 % des Methanertrages von Mais, was wiederum helfen würde, Maisanbaufläche einzusparen.
 
Separierter Güllefeststoff ist in einem weiten Umkreis transportwürdig. Würden Gülle- und Gärreste getrocknet und pelletiert, seien sie auch weltweit zu vermarkten, zeigte Schomaker die Potenziale auf. Bis es soweit sei, müssten aber noch bürokratische Hindernisse abgebaut werden: Gülle, Geflügelmist und Gärreste dürften nicht länger als Abfall gelten. Sie sind laut Schomaker wertvolle und handelbare Wirtschaftsdünger. Hinderlich für die Entwicklung neuer Vermarktungswege sei auch die Genehmigungspraxis bei Stallbauten, weil sich der Landwirt da schon auf Jahre im Voraus festlegen muss, wie die Wirtschaftsdünger verwertet werden sollen. Ein lückenloser Nachweis über den Verbleib des Wirtschaftsdüngers müsste, so Schomaker, hier vollkommen ausreichen.
 
Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky wies darauf hin, dass mit der separierten Gülle die Nährstoffe wieder in die Ackerbauregionen zurücktransportiert werden könnten, wo sie in Form von Futtergetreide auch hergekommen seien. Gesamtenergetisch mache das Sinn, denn die Erzeugung von 1 kg Mineral-N koste 1,3 l Öl. Auch wenn mit der Gülleseparierung schon vor über 20 Jahren begonnen wurde, gibt es laut Kowalewsky heute immer noch ungeklärte Fragen. So weiß man noch nicht, wie frisch die Gülle für die Separierung sein muss/sein darf bzw. ob eine einzelbetriebliche Lösung besser sei oder eine überbetriebliche, eine Frage, die Konsequenzen für die eingesetzte Technik habe.
 
Die Separierung von Gülle unter Spaltenboden sei so nicht möglich, in solchen Fällen bräuchte man zwei Lagerbehälter oder eine andere Technik. Auch seuchenhygienische Aspekte müssten geklärt werden, so der Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. In diesem Punkt würde aber auch schon eine bessere Aufklärung der Behörden eine gewisse Beruhigung bewirken.
 
Wirtschaftlich gesehen sei Gülle zurzeit als Energierohstoff höher zu bewerten als als Nährstofflieferant. Der Nährstoffwert von Gülle beträgt laut Kowalewsky zurzeit 10 €/t, der energetische Wert läge bei 15 bis 20 €/t und bei einem Gülleeinsatz von 30 % in der Biogasanlage kämen noch einmal 15 bis 20 €/t aus dem Gülle-Bonus dazu. Die Separationskosten lägen je nach Technik bei etwa 2 bis 8 €/t, die Transportkosten für 150 km bei unter 20 €/t.
 
Gülleseparation sei aber nicht nur in Veredlungsregionen sinnvoll. In Milchviehbetrieben kann durch Separation Güllelagerraum gespart werden. Außerdem werden Ansätze verfolgt, die separierte und eventuell hygienisierte Gülle als Einstreu für Liegeboxen zu verwenden, wenn anderes Material wie Stroh oder Sägemehl zu teuer sind. Große Milchviehbetriebe z.B. in den USA wenden dieses Verfahren schon an. Laut Kowalewsky wird die Gülleseparation in vielen Betrieben ein fester Bestandteil werden.
 
Bei der Veranstaltung in Haverbeck wurde n neun Gülleseparationsverfahren unter gleichen Bedingungen mit Schweinegülle getestet. Anschließend wurden Proben genommen, um den Abscheidegrad der Anlagen sowie die Gehalte an Gesamt-Stickstoff, Ammoniumstickstoff, Phosphor, Kalium und Mikronährstoffen in beiden Güllefraktionen zu bestimmen. Der Güllefeststoff wird in Batch-Versuchen auf seinen Energiegehalt hin untersucht. Die Ergebnisse werden über die Bioenergie-Region Südoldenburg veröffentlicht.
 
 
 
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Keywords Gülleseparation | Substrate
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