Mittwoch, 23.05.2012
Pflanzenschutz soll Ausstoß von Treibhausgasen senken
Berlin - Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der deutschen Landwirtschaft leistet einen erheblichen Beitrag zur Begrenzung der nationalen Treibhausgas-Emissionen. Dies ist das zentrale Ergebnis der Studie "Klimaeffekte des Pflanzenschutzes in Deutschland "von einer Forschergruppe an der Humboldt-Universität in Berlin.
Die Unkrautbekämpfung im Getreide könnte heuer auf eine harte Probe gestellt werden.
© Rainer Sturm / pixelio.de
Es handelt sich dabei um die Forschergruppe um Harald von Witzke, Leiter des Fachgebiets Internationaler Agrarhandel und Entwicklung der Humboldt-Universität zu Berlin. Bereits im Vorjahr machte von Witzke gemeinsam mit Steffen Noleppa (agripol - network for policy advice) auf die monetären Markteffekte aufmerksam, wonach
Pflanzenschutz in der deutschen Landwirtschaft der Gesellschaft Wohlfahrtsgewinne von über EUR 4 Mrd. jährlich beschere. Die Klimaeffizienz des Pflanzenschutzes zeigt sich in einer Beispielrechnung für Pilzbekämpfungsmittel (Fungizide):
Wenn deutsche Landwirte zur Herstellung der gleichen Menge Ernteguts anstelle von Fungiziden andere Produktionsfaktoren auf zusätzlichem Ackerland einsetzen, würde dadurch nahezu die zwölffache Menge an Treibhausgasen freigesetzt, die bei Herstellung, Transport und Ausbringung der Fungizide entstehen.
Die spezifischen Treibhausgas-Emissionen für die Produktion 1 t Weizen würden nach den Berechnungen der Forscher beim Wegfall der Fungizide um 13% von 404 kg pro t auf 454 kg pro t steigen. Indirekte Wirkungen, wie Landnutzungsänderungen, sind da noch nicht eingerechnet; diese könnten je nach Szenario verheerende Einmaleffekte in der Treibhausgasbilanz hervorrufen.
Um die Klimaschutzleistungen des Pflanzenschutzes in Deutschland zu erfassen, müssen nach Auffassung der Forscher die indirekten Klimaeffekte durch Verlagerung der Emissionen in andere Weltregionen in die Berechnung mit einfließen. Mit einem Weltmarktmodell wurde ermittelt, wo und wie landwirtschaftliche Rohstoffe produziert würden, wenn sie mangels
Pflanzenschutz nicht in Deutschland hergestellt werden könnten, denn eine dynamische Nachfrage wird neben landwirtschaftlicher Intensivierung vor allem zu einer geänderten Landnutzung in anderen Weltregionen führen.
Allein bei einem vollständigen Wegfall der Fungizide in Deutschland müssten nach den Berechnungen der Studie etwa 1,2 Mio. ha zusätzliches Ackerland in anderen Weltregionen kultiviert werden; bei einer vollständigen Umstellung auf Ökolandbau wären es sogar 6,5 Mio. ha oder mehr als die Hälfte der Ackerfläche Deutschlands. Durch eine solche Umwandlung natürlicher Ökosysteme in landwirtschaftliche Nutzfläche würden in der Modellrechnung "ohne Fungizide " einmalig über 260 Mio. t CO2-Äquivalente freigesetzt. Sollte die deutsche Landwirtschaft vollständig auf Ökolandbau umgestellt werden, hätte dies durch die Landnutzungsänderung an anderer Stelle einmalig zusätzliche Emissionen von 1,4 Mrd. t CO2-Äquivalenten zur Folge. Dies wäre der 1,5-fache Wert der gesamten jährlichen Treibhausgas-Emissionen aus allen Sektoren in Deutschland (2010: 937 Mio. t). (aiz)
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