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[ » BLW » Content » Regionen » Schwaben » Mit wenig Fläche und Substratzukauf ]
Mittwoch, 23.05.2012
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Schwaben | 17.01.2012 Redaktion BLW

Mit wenig Fläche und Substratzukauf

Ehingen/Lks. Donau-Ries - Exkursion zur Biogasanlage auf den Betrieb Christ in Ehingen.
Über einen Querkanal und ein dickes Leitungsrohr (l.) wird die Gülle aus dem Milchviehstall in den Fermenter (r.) befördert.
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Über einen Querkanal und ein dickes Leitungsrohr (l.) wird die Gülle aus dem Milchviehstall in den Fermenter (r.) befördert.
Nur 60 ha Nutzfläche und ohne weitere Zupacht in die Biogasproduktion einsteigen? Warum nicht, wenn man die Gülle von 138 Großvieheinheiten zur Verfügung hat. Im Rahmen eines zweitägigen Biogas-Seminars des AELF Wertingen besichtigten die Teilnehmer in Ehingen auf dem Betrieb Christ eine überwiegend mit Gülle betriebene kleine Biogasanlage, wie sie vom neuen EEG besonders gefördert wird.

Die Gülle profitabel veredeln

Zwar wurde die Ehinger Anlage noch unter den Bedingungen des alten EEG gebaut, doch gehört sie in jene Kategorie von Kleinanlagen mit einer Leistung von bis zu 75 kW, für die das EEG 2012 einen einheitlichen Vergütungssatz von 25 Cent pro Kilowattstunde eingespeisten Stroms vorsieht, wenn sie zu mindestens 80 Prozent mit Gülle gefüttert werden. Obwohl er mit seiner Anlage nicht vom neuen Vergütungssatz profitieren kann, rechnet sie sich, meint Markus Christ. Zum einen kann der 29-jährige Betriebsleiter damit die Gülle aus seinem Milchvieh- und Bullenstall profitabel veredeln, zum anderen ist er nicht auf die teure Zupacht von Feldern zur Energiepflanzenerzeugung oder den Zukauf von Biomasse angewiesen. Rund um Ehingen, wo noch viele Haupterwerbsbetriebe wirtschaften, ist die Fläche zu einem knappen und deshalb teuren Gut geworden. Nachdem der Ehinger Landwirt aufgrund des frühen Todes seines Vaters schon im Alter von 20 Jahren den Hof übernommen hatte, entwickelte er ihn schrittweise und überlegt weiter. Dabei konnte er bereits auf einen 1994 gebauten Kälberstall, einen Stadel aus dem Jahr 1992 und eine 1980 errichtete Halle zurückgreifen. Ein erstes Ausrufezeichen in Richtung Zukunft setzte Christ mit dem Bau einer neuen Halle im Jahr 2006, ein weiteres vier Jahre später, als er gegenüber der alten Hofstelle im Dorf einen Milchviehlaufstall samt Melkkarussell für 80 Kühe hinstellte. Auf der alten Hofstelle sind seither die Kälber und Mastbullen untergebracht. Von den 61 ha Nutzfläche des Betriebs Christ entfallen 22 ha auf Grünland. Auf der übrigen Fläche werden Mais, Gerste und Weizen angebaut. Bis zu 7 ha sind dem Anbau von Biomasse für die Biogasanlage vorbehalten. Während der Mais in die Fahrsilos kommt, wird das Getreide in einer der beiden Hallen gelagert. Die 80 Milchkühe werden per Fräs-Verteilwagen mit einer Teil-TMR gefüttert. Die durchschnittliche Leistung der Milchkühe bewegt sich aktuell bei 7800 kg. Ein Standbein des Betriebs im Produktionszweig "Energie" ist die Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 25 kW, das andere Standbein die 50-kW-Biogasanlage, die Christ im Jahr 2010 unmittelbar neben dem neuen Milchviehstall errichtet hat.

Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen

Mit dem Bau der Anlage nur zehn Meter neben dem Stall konnte Christ zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, musste er doch für den Stall keine Güllelager bauen. Die Gülle fließt nämlich über einen Querkanal vom Stall direkt in den unterirdischen Fermenter der Biogasanlage, der ebenso wie der Nachgärbehälter ein Volumen von 1000 m³ hat. Mit Milchvieh, Kälbern und Mastbullen stehen für die Gülleproduktion insgesamt 138 Großvieheinheiten zur Verfügung. Das Endlager mit einem Fassungsvermögen von 600 m³ befindet sich auf der anderen Straßenseite auf der alten Hofstelle. Im Grunde ist von der kleinen Biogasanlage nichts zu sehen als das Maschinenhaus mit dem Blockheizkraftwerk und das Gebäude für den Gasspeicher, der 150 m³ Biogas aufnehmen kann. Zu hören ist von der Anlage selbst auch nichts. Allenfalls die Rührwerke lassen sich manchmal leise vernehmen, sagt Christ. Der Fermenter ist komplett, der Nachgärbehälter nur an der Decke isoliert, um den Beton vor angriffslustigem Schwefelwasserstoff zu schützen. Obwohl die Biogasanlage für einen Substratmix aus 80 % Gülle und 20 % Energiepflanzen ausgelegt ist, fährt Christ derzeit ausschließlich mit Gülle. Um sich den Zukauf von Substrat oder die Zupacht von Substratflächen zu sparen, nimmt der Landwirt in Kauf, dass die Anlage nur 40 kW anstatt der möglichen 50 kW leistet. "Aber wenn gerade etwas da ist, das bezahlbar ist", füttert er sie auch mit Gras, Mais oder Rasenschnitt. Absolut rund läuft es mit der Gülle noch nicht, räumt Christ ein. Derzeit macht ihm der Schacht am Ende des Querkanals vom Stall zum Fermenter zu schaffen. Dort bildet sich regelmäßig eine zähe Schwimmschicht, die sich nur schwierig abpumpen lässt. Lösen ließe sich das Problem der verminderten Leistung freilich durch die Zugabe von pflanzlichem Substrat, sodass die Biogasanlage ihre volle Leistung von 50 kW auch tatsächlich abrufen könnte. Ein weiteres Problem ist der hohe Grundwasserstand rund um den Fermenter. "Das Wasser zieht unbandig Wärme ab", klagt Christ. Deshalb muss er es ständig abpumpen.

Abwärmenutzung wurde gut gelöst

Gut gelöst hat der Ehinger die Nutzung der Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk. Um sich den Kraft-Wärme-Bonus in den Vergütungssätzen zu sichern, beheizt er über eine Nahleitung nicht nur zwei benachbarte Wohnhäuser, sondern auch sein Melkhaus samt Melkkarussell, das mit einer Fußbodenheizung ausgestattet ist. Außerdem wird mit der BHKW-Abwärme im Winter das Trinkwasser für die Milchkühe angewärmt, so- dass die Leitungen im Stall nicht einfrieren. 8000 Euro pro kW Leistung hat Markus Christ in seine Biogasanlage investiert, also insgesamt rund 400 000 Euro. "Reich werde ich mit meiner Anlage nicht", betont der Bauer und verweist auf die "immensen" laufenden Kosten. Dazu gehören insbesondere die Ausgaben für die vorgeschriebenen Gutachten. Alle fünf Jahre steht der Umweltgutachter vor der Tür und möchte bezahlt werden, alle drei Jahre kommt ein weiterer Gutachter und nimmt die Betriebssicherheit unter die Lupe, und schließlich kontrolliert ein zusätzlicher Prüfer, ob die Anlage auch tatsächlich zu mindestens 80 % mit Gülle betrieben wird. Als Nachweis muss Christ ein Einsatzstoff-Tagebuch führen. Immerhin: Wer seine kleine güllebetriebene Biogasanlage erst ab 2012 in Betrieb nimmt, dem bleibt nach den Vorgaben des neuen EEG wenigstens der jährliche Besuch des Substratkontrolleurs erspart. Mit Blick auf die enorme Arbeitsbelastung, die der Ehinger Landwirt auf seine jungen Schultern geladen hat, bleibt ihm nur zu wünschen, dass er sich auch zukünftig einer guten Gesundheit erfreut. Derzeit kann er sich auf die Mithilfe seines Bruders Matthias, eines Landwirtschaftsmeisters, und seiner Mutter verlassen, sodass für Milchvieh, Bullen, Außenwirtschaft und Biogasanlage insgesamt 2,5 Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.
Michael Ammich
Mit wenig Fläche und Substratzukauf (17.01.2012)
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