Standen Rede und Antwort: (v. l.) Heinrich Völkl und Andreas Tyroller.
© Foto: Gebendorfer
Die Schwarzwildproblematik war unter anderem ein Thema beim ganztägigen Fortbildungsseminar für Jagdvorstände des BBV-Kreisverbandes Pfaffenhofen. Andreas Tyroller von der BBV-Bezirksgeschäftsstelle Oberbayern führte durch die Veranstaltung mit drei Referaten und stand als Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Jagd zur Verfügung. "In den letzten Jahren spüren wir, dass die Schwarzkittel zu einem Problem im Landkreis werden", erklärte BBV-Geschäftsführer Heinrich Völkl, der mitteilte, dass die Wildschaden-Schätzer vermehrt gerufen werden. Seinen Worten nach können die meisten Fälle einvernehmlich gelöst werden, nur in Einzelfällen gibt es Probleme. "Wichtig ist, dass alle Beteiligten miteinander das Gespräch suchen und rechtzeitig dagegen etwas tun", meinte er mit dem Hinweis, dass in dieser Richtung inzwischen viel geschieht. Nach Auskunft der Unteren Jagdbehörde wurden 2011 im Pfaffenhofener Landkreis 777 Stück Schwarzwild erlegt. Das ist die höchste Zahl in den vergangenen fünf Jahren, wobei die Zunahme der Population gut in den Abschusszahlen nachzuvollziehen ist. Denn während 2006 nur 263 und im Jahr 2007 193 Schwarzkittel zum Abschuss kamen, stieg die Strecke 2008 auf 478 und 2009 auf 537 an. 2010 wurden 483 Sauen geschossen. Nach den Bereichen "Verpachtung, Pachtvertrag, Eigenbewirtschaftung" kam in den Vorträgen auch das Thema "Wildschadenersatz" zur Sprache. Dabei wies Tyroller darauf hin, dass die Jagdgenossenschaft oder der Pächter nur ersatzpflichtig sind für Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen, an anderen Kulturen sofern vom Eigentümer geschützt (Zaun), für rechtzeitig gemeldete Schäden und sofern kein Mitverschulden vorliegt. Schäden müssen spätestens eine Woche nach Kenntnis gemeldet werden, wobei es zur Sorgfalt gehört, landwirtschaftliche Flächen einmal im Monat (gefährdete Flächen wöchentlich) auf Wildschäden zu kontrollieren. Die Schriftform ist erforderlich. Außerdem ist es empfehlenswert, den Schaden vorsorglich bei der Gemeinde zu melden. Weiter ging Tyroller darauf ein, was getan werden kann, um das Schwarzwildproblem zu lösen. Zunächst stellte er eine derzeit schier unaufhaltsame Ausbreitung des Schwarzwildes und eine deutliche Zunahme der Wildschäden fest. "Landwirte, Jagdgenossenschaften und Jäger werden überrollt", meinte er mit der Aussage: "Keiner löst das Problem allein." Zu Lösungsansätzen und Hausaufgaben für die Jäger zählte er das Überdenken des Mythos Leitbache, die Einrichtung einer Hundenotfallkasse auf Hegegemeinschaftsebene, die Beschränkungen von Kirrungen, Sammelansitze sowie revierübergreifende Drückjagden. Den Landwirten legte er die enge Absprache mit den Jägern, die Einrichtung von Schussschneisen, technische und personelle Hilfe sowie das Stehenlassen der Erntekette bei akutem Bedarf ans Herz. Jagdgenossenschaften können nach den Worten von Tyroller vorbeugen, indem sie rechtzeitig vor der Verpachtung der Jagd, also mindestens ein Jahr vorher, gut überlegen "Was will ich mit wem wie erreichen?" und die Gesichtspunkte sorgfältig diskutieren. "Das Team muss funktionieren, damit es einen Erfolg einfahren kann", betonte er abschließend.
Helga Gebendorfer
Zusammenhalt ist wichtig
Joachim Zinke:
"Als stellvertretender Vorsitzender der Jägervereinigung in Pfaffenhofen stelle ich wachsende Schwarzwildbestände mit steigenden Schäden fest. Wenn nicht alle Beteiligten zusammenhalten, ist das Problem nur schwierig zu lösen. Der Einklang zwischen Forstwirten, Jägern und Landwirten setzt aber auch voraus, dass die Landwirte die Jagd unterstützen, zum Beispiel durch Abstandsstreifen und Bejagungsschneisen. Das Credo der Jägerschaft lautet: Nur ein gemeinsames Handeln von allen hilft, das Problem in den Griff zu bekommen. Es sind bereits sehr positive Ansätze zwischen Jägern und Landwirten zu spüren, doch ich wünsche mir noch ein bisschen mehr Entwicklung bei forstwirtschaftlichen Großgrundbesitzern."
Manfred Hierhunger:
"Ich bin zweiter Jagdvorstand in Strobenried. Bei uns ist das Schwarzwild zwar noch überschaubar, doch es besteht die Gefahr, dass es immer mehr zunimmt und zu einem Riesenproblem wird für geschädigte Landwirte, für die Jäger, die dann die Bejagung nicht mehr schaffen, und für die Jagdvorstände, die als Verbindungsglied immer mehr Konflikte schlichten müssen. Außerdem wird es dann schwieriger, die Jagd zu verpachten. Abhilfe ist nur zu schaffen, wenn alle füreinander Verständnis aufbringen und an einem Strang ziehen. Mittlerweile ist durchaus eine bessere Zusammenarbeit vorhanden, beispielsweise in Form von kurzfristig angesetzten Drückjagden. Für einen erfolgreichen Kampf gegen die Schwarzkittel müssen die Jäger noch mehr tun, zum Beispiel Schießkino-Übungen absolvieren."
Peter Ostermayr:
"Das Schwarzwild wird von Jahr zu Jahr mehr. Ich bin Landwirt, zweiter Jagdvorstand in Volkersdorf, Jäger und Wildschadenschätzer. Bei uns hat sich die Jägerschaft zur schnellen Eingreiftruppe entschlossen. Das praktizieren wir nun schon seit sechs Jahren und es funktioniert sehr gut. Jährlich werden auf diese Weise zum Teil 40 Sauen zur Strecke gebracht. Es hat sich also bewährt und soll beibehalten werden. So sind wir froh, dass das Problem momentan gut eingedämmt ist. Mein Wunsch ist, dass sich auch die umliegenden Eigenjagdreviere bei den gemeinsamen Drückjagden beteiligen."