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[ » BLW » Content » Regionen » Österreich » Wohin fließt künftig die Milch? ]
Mittwoch, 23.05.2012
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Österreich | 07.02.2012 Redaktion BLW

Wohin fließt künftig die Milch?

Rotholz/ Tirol Eine Fachtagung in Rotholz zeigt Perspektiven nach 2013 auf.
Weiter in der Spur: Tirol Milch will künftig mehr in osteuropäische Länder liefern.
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Weiter in der Spur: Tirol Milch will künftig mehr in osteuropäische Länder liefern.
"Die Milch bleibt das wichtigste Standbein in der heimischen Landwirtschaft auch ohne Quote." Nach Ansicht von Bauernbundobmann LH-Stv. Anton Steixner hätten die Milchbauern im Berggebiet allerdings nur dann eine Zukunft, "wenn sie beste Produkte am Markt absetzen". Eine hochkarätige Expertenrunde ging bei einer Fachtagung an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Rotholz vor allem der Frage nach, wie es nach dem Auslaufen der Milchmengensteuerung weitergeht, die ja bekanntlich zum Jahreswechsel 2013/2014 der Agrargeschichte angehört. Offensive Gespräche zwischen Politik, Verarbeitungsbetrieben und Milchbauern forderte jetzt der Präsident der Landwirtschaftskammer Vorarlberg und Vorsitzender des österreichischen Milchausschusses, Josef Moosbrugger: "Die Bauern brauchen gute Lieferverträge und müssen wissen, ob ihre Milch abgenommen wird. Vor allem müssen wir auch an unseren Stärken arbeiten." Das seien eindeutig der hohe Bio-Anteil, die Gentechnik-Freiheit und gute Nischen wie etwa die Heumilch, so der Vorarlberger Milchfunktionär. Der Milchexperte aus Vorarlberg glaubt auch nicht an ein uneingeschränktes Wachstum der Betriebe: "Das Regulativ, das früher die fehlende Milchquote war, ist heute die fehlende Fläche". Auch eine Mengensteuerung sichert in einem offenen Markt keinen Milchpreis, erklärte Moosbrugger. Im Übrigen gelten für Österreich die gleichen Parameter wie für die Gunstlagen in Deutschland oder Dänemark. Moosbrugger: "Wir müssen uns auch weiter entwickeln können." Allenthalben wurden dabei Stimmen laut, die auf eine ausreichende "Vorbereitung" auf die neue Situation verwiesen.

Das Schweizer Beispiel

Als warnendes Beispiel diente hier die Schweiz, die bereits vor zwei Jahren den Ausstieg aus der Milchmengensteuerung durchgeführt hat. "Keiner hat wirklich an ein Ende geglaubt. Die Folge war, dass sich nur ganz wenige Betriebe darauf eingestellt haben. Denn mit dem Ende der Quote ist auch der Grenzschutz bei Käse also die hohen Importauflagen gefallen", erklärte Dr. Markus Zemp. Er ist Vorsitzender der Branchenorganisation Milch (BOM) in der Schweiz, die Bauern und Milchverarbeiter in einem großen Verband zusammenschließt. Die BOM sieht ihre Hauptaufgabe, entlang der gesamten Wertschöpfungskette einen fairen Preis zu garantieren. "In der Schweiz haben die offenen Märkte und das Quotenende zu einer fatalen Entwicklung geführt", betonte Zemp und fügte hinzu: "Die Schweizer Landwirtschaft ist gespalten zwischen jenen, die total auf Wachstum setzen und jenen, die den wachsenden Betrieben die Schuld am aktuellen Preisverfall geben." Die Gefahr bestehe nun, dass genau jene Betriebe, die von den Konsumenten gefordert werden und die echte Marktchancen haben nämlich die Bergbauern aus dem Bild der Schweizer Landwirtschaft verschwinden. "Dies gelte es mit aller Kraft zu verhindern", so Zemp. Insgesamt jedoch sieht der Schweizer Milchexperte die Zukunft positiv: "Es zeigen regionale Beispiele, dass mit besonderen Produkten hohe Preise auch für die Bauern erzielt werden können. Das ist unsere Chance". Als Beispiel nennt der BOM-Vorsitzende die Käserei AOC Gruyere, die mit dem gleichnamigen Käse einen Bauernmilchpreis von 90 Rappen (in etwa 78 Cent) auszahlt. Zum Vergleich: Der österreichische Milchpreis liegt zurzeit bei etwa 40 Cent. "Wir haben in der Schweiz auch hohe Ausgleichszahlungen für die Leistungen der Landwirtschaft, die in der Politik absolut unbestritten sind. Eine Neiddebatte gegenüber den Bauern ähnlich wie in Österreich gibt es bei uns nicht", so Zemp. Landwirtschaft habe auch im Berggebiet eine gute Zukunft, "wenn man sich richtig aufstellt". Eine gute Zukunft sieht der Geschäftsführer der Berglandmilch, Josef Braunshofer, für die Tirol Milch. "Wir setzen auf jene Produkte, bei denen wir echtes Geld verdienen. Da ist die Regionalität ganz groß im Kommen. Konsumenten kaufen heimische Produkte ein, weil sie sich selbst etwas Gutes tun wollen". Trotzdem müsse sich auch die Berglandmilch auf die Veränderungen im internationalen Markt einstellen, sagte Braunshofer. So bedeuteten die rückläufigen Bevölkerungszuwächse auch eine niedrigere Nachfrage am Stammmarkt. "Wir müssen uns auch Richtung Osten orientieren. Russland ist ein Hoffnungsmarkt", sagt Braunshofer. Für den Molkereimanager gilt es, den "Magenanteil zu steigern". Denn der Marktanteil sei zumindest in den westlichen Ländern ausgeschöpft. "Wir werden deshalb auch weiterhin auf Innovationen setzen", so Braunshofer. Der Geschäftsführer der Berglandmilch empfiehlt den Bauern, die Lieferverträge mit den Genossenschaften einzuhalten. Dann gab Braunshofer noch folgendes Versprechen ab: "Ich garantiere heute, dass wir die Milch, die uns unsere Mitgliedsbetriebe auch nach dem Ende der Quote anliefern, sicher verarbeiten und verkaufen werden. Das gilt natürlich auch für die extremen Bergbauernbetriebe. Auch sie gehören zu unserer Berglandmilch".
 PK 
Wohin fließt künftig die Milch? (07.02.2012)
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