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Mittwoch, 23.05.2012
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Österreich | 13.01.2012 Redaktion BLW

Wie Zusammenarbeit funktioniert

Innsbruck - Die Tiroler Umweltanwaltschaft ist seit 20 Jahren die "Stimme der Natur".
Wie Zusammenarbeit funktioniert
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Wie Zusammenarbeit funktioniert

"Das frisst kein Vieh mehr und wird nur noch zum Einstreuen verwendet", sagt Landwirt Martin Kofler und fährt dabei mit seiner rechten Hand durch einen vertrockneten Buschen, der von der letzten Mahd im Herbst noch übrig geblieben ist. Es handelt sich um eine kleine Wiesenfläche bei Natters, die nur einmal im Herbst gemäht wird und daher in den Augen von Ökologen besonders wertvoll ist. Mit dem Landwirt wurde vereinbart, die Wiese bis etwa Ende August stehen zu lassen, um sie einem floristisch-faunistischen Monitoring zu unterziehen. Die extensive Wiese weist eine Größe von knapp 1000 Quadratmeter auf und ist eine für diese Gegend typische Drei-Mahd-Wiese. Speziell bei dieser Fläche aber hält sich der Landwirt "rein freiwillig" an die Vorgaben der Ökologen. Die Bewirtschaftung beschränkt sich demnach auf die Einebnung der Maulwurfshügel im Frühjahr und die herbstliche Mahd mit Abtransport der Einstreu. Die einmalige Mahd im Herbst sei vor allem deshalb wichtig, damit die Fläche nicht verbuscht und somit floristisch verarmt, wie Kofler erklärt. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie eine Zusammenarbeit zwischen der Tiroler Umweltanwaltschaft und der hiesigen Landwirtschaft aussehen kann. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums hat Umweltanwalt Johannes Kostenzer darauf hingewiesen, "dass wir unsere tägliche Arbeit aber nur dann bewältigen können, wenn viele Menschen mitarbeiten". Als "ökologisches Gewissen" sehe man sich nach den Worten von Kostenzer einer nachhaltigen Entwicklung des Landes verpflichtet. Bei der "Trittsteinwiese Natters" (Bezirk Innsbruck Land) wurde vor allem der Frage nachgegangen, inwieweit kleinflächige Strukturen im intensiv genutzten Grünland eine Verbesserung der Artenvielfalt darstellen können. Als Ergebnis wurden insgesamt 175 Tier- und 100 Pflanzenarten kartiert, von denen einige als gefährdet gelten und somit in Österreich auf der Roten Liste stehen. Beispielsweise sei der Nachweis des Mädesüß-Perlmutterfalters auf "erhöhtes Interesse" gestoßen. Bereits kleine Veränderungen in der Bewirtschaftung eine späte Mahd, keine Düngung  hätten eine große Wirkung, wie das Pilotprojekt "Trittsteinwiese Natters" seit mittlerweile drei Jahren zeige. Selbst in diesem verhältnismäßig kurzen Beobachtungszeitraum waren die positiven Auswirkungen der Maßnahmen auf die Populationen bemerkenswert, sowohl was die Zahl der Individuen als auch das Spektrum an verschiedenen Arten betrifft, wie es heißt. Martin Kofler bewirtschaftet in Mutters bei Innsbruck einen der charakteristischen Tiroler Kleinbetriebe mit einer "bunten Mischung" an Tieren. Im Stall stehen sechs Milchkühe und das Jungvieh, draußen auf der Obstwiese tummeln sich Hühner und Enten. Alle zwei Tage wird die Milch von der Sammelstelle abgeholt, die Tiere werden mit einer Mischung aus Heu und Silage gefüttert, außerdem bekommen sie ein wenig Kraftfutter. Zum rund 900 Meter hoch gelegenen Kelmhof gehören sieben Hektar Grünland und 1,5 Hektar Wald. Gemeinsam wird der Betrieb von Otto Kofler sen. und seinem Sohn Martin bewirtschaftet, der ein weiteres Standbein beim Innsbrucker Flughafen als Feuerwehrmann hat. Besonders stolz sind die Hofbesitzer auf ihre zahlreichen Urkunden im Hausflur, die ihnen für besonders gelungenen Blumenschmuck an Haus und Hof überreicht wurden. "Für unser Land ist nicht wichtig, dass ausschließlich extensiv bewirtschaftet wird, sondern dass zwischen den stärker genutzten Landwirtschaftsflächen Raum bleibt für solche Rückzugsgebiete", betont Dr. Konrad Pagitz von der Universität Innsbruck. Neben dem großen Aufgabenbereich der Naturschutzverfahren bemüht sich die Tiroler Umweltanwaltschaft eigenen Angaben zufolge besonders um einen schonenden und vorausschauenden Umgang der Bevölkerung mit der Natur durch beispielhafte Projekte. Insbesondere aber mache der Flächenverbrauch und die Fragmentierung der Landschaft Sorgen. Zudem verschärften die topographischen Gegebenheiten in Tirol die Nutzungs- und Interessenkonflikte in besonderem Maße, heißt es. In der Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum betont Biobauer Heinz Gstir, dass Tirol "diesen Anwalt der Natur braucht". Denn ansonsten würden die Anliegen der Umwelt in der heutigen materialistischen Zeit zu wenig berücksichtigt, so der Obmann von "Bio vom Berg". Die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz lobt LK-Präsident Josef Hechenberger. Die Tiroler Umweltanwaltschaft habe dazu beigetragen, "um gemeinsame Lösungsansätze zu finden und das beiderseitige Verständnis zu fördern".
 Paul Kannamüller 
Wie Zusammenarbeit funktioniert (13.01.2012)
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